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3 TecDAX-Aktien, die immer noch mächtig teuer sind: Nemetschek, Evotec, SLM Solutions

Foto: Getty Images

Vielerorts sind die Aktienkurse stark eingebrochen und auch der deutsche Technologie-Index TecDAX kam ein Stück zurück von seinen Höchstkursen. Aber kann man deshalb bereits bedenkenlos wieder zugreifen? Wohl nicht, denn nicht nur bei den folgenden drei Werten sollten Anleger auf weitere Rückschläge gefasst sein.

Vorsicht bei Nemetschek

Mit Software für Architekten, Ingenieure und die Bauindustrie hat sich Nemetschek (WKN:645290) in den letzten Jahren eine führende Marktposition erarbeitet. Dank regelmäßiger Zukäufe versammeln sich heute mehr als ein Dutzend Marken unter dem Konzerndach. Das schnelle Wachstum und die guten Aussichten beflügelt die Phantasie der Aktionäre dermaßen, dass kürzlich sogar die Software AG (WKN:330400) erstmals temporär als Nummer 2 unter den börsennotierten Software-Spezialisten abgelöst wurde.

Besonders die innovativen Cloud-basierten Lösungen für bessere Kollaboration aller Projektbeteiligten elektrisiert viele. Nemetschek ist definitiv ein starkes Unternehmen mit viel Potenzial. Aber all das hilft nichts, wenn die Aktie viel zu teuer ist.

Zum Kurs von über 83 Euro wird Nemetschek mit 3,2 Mrd. Euro bewertet, bei einem Jahresumsatz von zuletzt knapp 400 Mio. Euro und gut 0,2 Mrd. Euro Eigenkapital. 108 Mio. Euro blieben als operativer Gewinn vor Abschreibungen (EBITDA) übrig. Das dreißigfache EBITDA erscheint mir schon brutal viel, gerade auch, wenn ich auf den geringen Buchwert blicke. Da muss man schon extrem optimistische Annahmen zur langfristigen Gewinnentwicklung treffen.

Im Februar hoben die Analysten von Oddo BHF zwar das Kursziel für Nemetschek von 47 auf 57 Euro an, blieben aber folgerichtig bei ihrer Empfehlung, der Aktie fernzubleiben. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Achtung bei Evotec

Die Evotec (WKN:566480)-Aktie ist stets für ein Hoch- oder Runterschießen gut. Schon kleinste Neuigkeiten bewegen den Kurs stark. Letzten Oktober lagen sie noch jenseits der Marke von 20 Euro, heute sind es etwa 15 (23.03.). Auf Sicht von zwei Jahren ist die Entwicklung mit einem Plus von rund 300 % trotzdem noch klasse.

Das Unternehmen managt ein breites Geflecht von Partnerschaften mit Pharmakonzernen und Forschungseinrichtungen. Seit 2016 werden zudem überschüssige Mittel in „aussichtsreiche“ Start-ups investiert. Da geht schon einiges, sodass Anleger zurecht auf weiteres Wachstum hoffen dürfen. Aber rechtfertigt das 2,3 Mrd. Euro Börsenwert? Ein Blick auf die Finanzkennzahlen hilft immer weiter:

Dort sehe ich rund 250 Mio. Euro Jahresumsatz, welche sich über die kommenden 4 Jahre nach Analystenerwartungen verdoppeln sollen. Außerdem 300 Mio. Euro Eigenkapital, das aufgrund der Dividendenverweigerung parallel zu den Jahresgewinnen steigen wird. Etwa 25 Mio. Euro sollen für 2017 übriggeblieben sein und in fünf Jahren könnten es schon 100 Mio. Euro sein.
Aber erstens ist da das Wort „könnten“ und zweitens bedeutet das immer noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23. Für mich riecht das nach anhaltender Achterbahnfahrt. Trotz nicht zu verneinender Chancen wäre mir das Rückschlagspotenzial zu hoch.

Gefahr bei SLM Solutions

3D-Druckerhersteller gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Durch die Vielfalt der Materialien und technischen Verfahren gibt es allerdings viele Nischen. SLM Solutions (WKN:A11133) konzentriert sich auf das namensgebende Fertigungsverfahren Selektives Laserschmelzen (SLM auf Englisch abgekürzt) für Metallteile. Das beherrschen sie so gut, dass letztes Jahr sogar General Electric (WKN:851144) darauf aufmerksam wurde.

Über die Gründung von weiteren Tochtergesellschaften soll nun weiterhin eigenständig die Internationalisierung vorangetrieben werden. Das primäre Ziel dabei ist, große Rahmenverträge an Land zu holen, welche den Lübeckern längerfristige Planungssicherheit geben. Aus solchen 2017 abgeschlossenen Kontrakten erwartet das Management rund 40 Mio. Euro Umsatz für das laufende Geschäftsjahr. Es scheint also aktuell ziemlich rund zu laufen.

Allerdings kratzt SLM derzeit noch am Rande der Profitabilität und bei voraussichtlich gut 100 Mio. Jahresumsatz und knapp 100 Mio. Euro Eigenkapital (am 28.03. wird der Geschäftsbericht veröffentlicht, dann wissen wir es genau) wird das Unternehmen mit fast 600 Mio. Euro bewertet. Neue innovative Produkte hin, Internationalisierung her: Das ist viel!

Zwar kann ich mir gut vorstellen, dass SLM mittelfristig solide Gewinne schreiben kann. Aber am langfristigen Horizont sehe ich einen mörderischen Wettbewerb. Bereits heute ist fast täglich von bahnbrechenden neuen Konkurrenzprodukten zu lesen – und die 2D-Druck-Champions aus Japan haben zum Beispiel noch gar nicht richtig in das Geschehen eingegriffen.

Von daher glaube ich nicht, dass SLM genug Luft bleibt, um in die aktuelle Bewertung reinwachsen zu können. Ähnlich sieht es der Analyst von Equinet, der Anfang März mit Kursziel 24 Euro zum Verkaufen riet. Es sei unrealistisch, dass der Maschinenbauer frühere Langfristziele erreichen könne.

Augen auf bei der Aktienauswahl

Wenn die Indizes einbrechen, hat man oft das Gefühl, dass alles billig sei. Dafür war der bisherige Rückgang noch viel zu gering. Während sich mit etwas Mühe sicherlich bereits einige tolle Schnäppchen identifizieren lassen, sind anderswo die zum Teil überaus hohen Überbewertungen noch längst nicht abgebaut.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt eine Shortposition auf Aktien von General Electric.

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