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Coca-Cola nutzt die Blockchain zur Verbesserung der Arbeitnehmerrechte

Foto: The Motley Fool.

Trotz der aktuellen Probleme bei den Kursen von Kryptowährungen glaube ich nicht, dass es jemals einen schneller steigenden Vermögenswert auf dem Planeten gegeben hat. Seit Anfang 2017 hat sich die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung von weniger als 18 Milliarden US-Dollar auf mehr als 300 Milliarden US-Dollar erhöht, was in weniger als 15 Monaten eine verdammt gute Rendite darstellt.

Alles dreht sich um die Blockchain

Im Mittelpunkt dieser Rallye steht das Aufkommen der Blockchain-Technologie. Für diejenigen, die mit der Blockchain nicht vertraut sind: es bezieht sich auf den digitalen, verteilten und dezentralen Speicher, der häufig digitalen Währungen zugrunde liegt und für die Protokollierung aller Transaktionen verantwortlich ist, ohne dass ein Mittelsmann (d. h. eine Bank) benötigt wird.

Die Blockchain selbst wurde 2009 mit dem Debüt von Bitcoin ins Rampenlicht gerückt. Es wird erwartet, dass die Entwicklungen in der Finanzdienstleistungsbranche hier eine wichtige Rolle spielen werden. Hier gibt es nämlich eine Handvoll Mängel — darunter lange Validierungs- und Abwicklungszeiten für grenzüberschreitende Überweisungen und höhere Transaktionsgebühren aufgrund der Tatsache, dass Banken als Mittelsmänner auftreten. Die Blockchain zielt darauf ab, diese Probleme auf drei Arten zu beheben.

Erstens stellt die Dezentralisierung — das Speichern von Daten auf Servern und Festplatten auf der ganzen Welt statt an einem Ort — sicher, dass kein Einzelner, einschließlich Hacker und Unternehmen, die Kontrolle über ein Netzwerk erlangen kann. Zweitens vereinfacht es die Transaktion durch die Beschränkung auf einen einzigen Sender und Empfänger von Geldern. Da die Mittelsfunktion von Banken überflüssig wird, sollen die Transaktionskosten gesenkt werden. Schließlich sollten Validierung und Abrechnung vor allem bei grenzüberschreitenden Zahlungen wesentlich schneller erfolgen. Während Transaktionen unter dem derzeitigen System bis zu fünf Werktage dauern können, können sie mit der Blockchain praktisch sofort abgewickelt werden.

Dabei wird oft übersehen, was die Blockchain außerhalb von Geldtransaktionen für uns alle tun kann. Die Blockchain hat das Potenzial, die Verwaltung und Überwachung von Lieferketten neu zu gestalten. Es könnte ein Durchbruch für Einzelhändler sein, die Kunden mit Treuepunkten belohnen wollen. Es kann sogar der Grundstein für dezentrale Ausweispapiere sein.

Jetzt wird die Blockchain an vorderster Front die Rechte der Arbeitnehmer schützen, die sonst dazu nicht in der Lage wären.

Das revolutionäre Blockchain-Projekt von Coca-Cola

Wie am 16. März angekündigt, arbeitet der Getränkekonzern Coca Cola (WKN:850663), der weltweit in allen Ländern bis auf Nordkorea tätig ist, mit dem U.S. State Department, Bitfury Group, Emercoin und Blockchain Trust Accelerator zusammen, um ein dezentralisiertes, Blockchain-basiertes Register für Arbeitnehmer im Ausland einzurichten, um sicherzustellen, dass die Arbeitgeber die Arbeitsverträge einhalten.

Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation arbeiten weltweit fast 25 Millionen Menschen — davon fast die Hälfte im asiatisch-pazifischen Bereich — unter Zwangsarbeitsbedingungen. Unter den Branchen, die am meisten auf ihre Arbeitsbedingungen untersucht werden, sind Lebensmittel und Getränke. In diesem Wissen hat Coca-Cola zugestimmt, laut Reuters bis 2020 28 Länderstudien über Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Landrechte für seine Zuckerlieferketten durchzuführen.

Coca-Cola wird die Daten von mehr als zwei Dutzend Ländern über seine Arbeitskräfte bereitstellen. In der Zwischenzeit bringt das US-Außenministerium seine Erfahrungen im Bereich der Arbeitsbeziehungen und des Arbeitsschutzes ein. Sowohl die Bitfury Group als auch Emercoin werden für verschiedene Aspekte des Aufbaus der Blockchain-Technologie verantwortlich sein, die die Mitarbeiter und ihre Verträge in das Register einträgt. Schließlich wird der gemeinnützige Blockchain Trust Accelerator diese Gelegenheit nutzen, um den Einsatz der Blockchain für soziale Zwecke zu fördern.

Funktionieren soll das Ganze durch die Verwendung von intelligenten Verträgen, die durch das Ethereum-Netzwerk populär wurden. Intelligente Verträge sind Protokolle, die bei der Überprüfung, Erleichterung oder Durchsetzung eines Vertrags helfen. Diese intelligenten Verträge definieren den Umfang der Arbeit, die Bezahlung und die Beschäftigungsdauer für die Arbeitnehmer. Es wird vermutet, dass die transparente und unveränderliche Blockchain-Registrierung, die verwendet wird, die Arbeitgeber zwingen würde, ihre Arbeiter fair zu behandeln.

Brent Wilton, Head of Workplace Rights bei Coca-Cola, sagte in einer E-Mail an Reuters: „Wir arbeiten bei dem Pilotprojekt zusammen, um die Transparenz und Effizienz des Verifizierungsprozesses in Bezug auf die Arbeitspolitik innerhalb unserer Lieferkette weiter zu erhöhen.“

Auch die Blockchain hat Grenzen

Obwohl dieses Projekt unter der Leitung des US-Multis Coca-Cola unglaublich spannend ist und zeigt, was die Blockchain alles kann, müssen die auch verstehen, dass die Blockchain Grenzen hat.

Das vielleicht größte Problem, auf das dieses Projekt stoßen könnte, ist, dass das alles per Computer oder Smartphone abgerufen werden muss. Die meisten Zwangsarbeitssituationen betreffen Arbeitnehmer, die nicht über das Einkommen oder ausreichende Mittel verfügen, um Zugang zu einem Smartphone oder Computer zu erhalten. Es gäbe also keine Möglichkeit für den Arbeitnehmer, diesen Vertrag zu seinem Vorteil zu nutzen.

Zweitens, obwohl die Blockchain ein unveränderliches Mittel bietet, um zu beobachten, ob ein Arbeitgeber alle Richtlinien des Arbeitsvertrags erfüllt, bedeutet es nicht notwendigerweise, dass der Arbeitgeber diese Richtlinien befolgt, wie Engadget feststellt. Dieses Blockchainprojekt würde die Unternehmen zwingen, ordentliche Arbeitsverträge zu schließen, aber es könnte sie nicht zwingen, diese umzusetzen.

Schließlich gibt es immer die Sorge um die Skalierbarkeit. Die Blockchain hat sich nämlich erst in einer Reihe von kleinen, währungsunabhängigen Projekten bewährt. Selbst in diesem Fall ist Coca-Cola mit seinen 28 Länderstudien noch etwas eingeschränkt. Was wir nicht wirklich verstehen, ist, was mit dem Netzwerk und der Reaktionszeit passiert, wenn irgendeine Art von Blockchain-Technologie für große, reale Szenarien geöffnet wird.

Ich persönlich gratuliere Coca-Cola für diesen Schritt und erwarte, dass andere multinationale Unternehmen in den kommenden Jahren ähnliche Projekte durchführen werden. Doch ich sehe die Blockchain nicht als unmittelbaren Gamechanger für Arbeitnehmerrechte oder als Nicht-Währungsplattform. Das mag sich in fünf Jahren ändern, aber es bleiben noch zu viele Fragen offen.

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The Motley Fool hat keine Position in einer der genannten Aktien oder Kryptowährungen.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 24.03.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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