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Bist du in Finanzfragen schlauer als der Durchschnitt?

Foto: Getty Images

Vor einigen Wochen hat eine große deutsche Wochenzeitung die Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage über die finanzielle Bildung der Deutschen herausgegeben. Ganz ehrlich, schon beim Lesen der Titelseite hatte ich ein mulmiges Gefühl. Und die Ergebnisse haben meine Befürchtung bestätigt: Um die finanzielle Bildung steht es schlecht.

Natürlich; kulturelle, naturwissenschaftliche, politische und sonstige Formen der Bildung sind mindestens genauso wichtig. Dennoch, wie jede andere Art von Bildung hilft uns ein Grundgerüst an finanzieller Bildung dabei, ein besseres Leben zu führen – zumindest finanziell betrachtet.

Die Fragen sind für dich als als treuer Leser von The Motley Fool wahrscheinlich ein Kinderspiel. Die abgegebenen Antworten werden dich aber sicher überraschen. Ganz besonders die Antworten auf drei Fragen haben mich nachdenklich gemacht.

Frage Nr. 1: Wie hoch steht der DAX heute?

Nein, ich bin absolut nicht der Meinung, dass uns das exakte Wissen des derzeitigen DAX-Punktestands ein finanziell angenehmeres Leben verschafft. Es gibt (leider) auch keinen Extrabonuspunkt auf die bisher erzielte Rendite, wenn man den aktuellen Punktestand im Kopf hat.

Aber, die Tatsache, dass der Median der Antworten mit 8.000 Punkten ganze 4.341 Punkte unter dem tatsächlichen Wert lag, hat mich im ersten Moment überrascht. Mein zweiter Gedanke war aber: Logisch, wenn ein Großteil sich überhaupt nicht für die Börse interessiert, warum soll der DAX-Punktestand dann von Interesse sein.

Dann kam mir noch ein dritter Gedanke. Auch die Medien trifft hier wohl eine gewisse Schuld. Während schnelle und dramatische Kursrückgänge in den Medien einen wahren Sturm der Berichterstattung auslösen, ist der langsame, aber stetige Anstieg der Börsenkurse meist keine Schlagzeile wert. Das ist wirklich sehr schade, denn die Antworten auf die Frage nach dem derzeitigen DAX-Punktestand zeigt deutlich:

Die letzten Jahre der großen Börsenparty gingen finanziell wohl an den allermeisten Deutschen komplett vorbei.

Frage 2: Sind mehr oder weniger unterschiedliche Aktien riskanter?

Noch einfacher ist für dich wohl die Antwort auf die Frage, was riskanter ist: die Anlage in Aktien eines einzelnen Unternehmens oder die Anlage in einen Fonds mit Aktien verschiedener Unternehmen. Das ist sozusagen das kleine Einmaleins des Börsenwissens.

Ich würde gar noch einen Schritt weitergehen. Wenn es jemals eine Art Führerschein geben sollte, der notwendig ist, um überhaupt Wertpapiere kaufen zu dürfen, dann sollte die richtige Antwort auf diese Frage Grundvoraussetzung für den Erhalt dieses Führerscheins sein.

Umso erstaunlicher waren für mich die geringe Anzahl von 33 % der Befragungsteilnehmer, die eine Anlage in einen Fonds mit Aktien verschiedener Unternehmen auf alle Fälle als weniger riskant einstuften als die Anlage in Aktien eines einzelnen Unternehmens. 67 % der Befragungsteilnehmer wählten die falsche Antwort.

Wenn du dich das nächste Mal also mit einem Börsenneuling unterhältst, solltest du bei diesem Punkt anfangen. Denn wir alles wissen, dass uns beim Investieren zwangsläufig Fehler unterlaufen werden. Wenn wir die Sache aber richtig angehen, dann werden uns einige wenige Fehler ganz bestimmt nicht ruinieren.

Frage 3: Was ist wahrscheinlicher?

Ich bin ehrlich, Wahrscheinlichkeitsrechnung war in der Schule nicht mein absolutes Lieblingsfach. Die sich ständig wiederholende Aufgabe herauszufinden, welche Kugel – blau, rot, schwarz oder weiß – denn nun mit welcher Wahrscheinlichkeit als nächstes gezogen wird, fand ich ziemlich langweilig.

Beim Investieren sind Wahrscheinlichkeiten aber trotzdem wichtig. Wie würdest du folgende Frage beantworten:

Linda, 32 Jahre, Single, weltoffen und klug ist Absolventin der Philosophie-Wissenschaften. Während des Studiums interessierte sie sich ganz besonders für soziale Gerechtigkeit und Diskriminierung und nahm öfters an Anti-Globalisierungs-Demonstrationen teil. Welche Aussage über Linda hältst du für wahrscheinlicher?

  1. Linda ist Bankangestellte
  2. Linda ist Bankangestellte und in einer Frauenbewegung aktiv

Unsere Intuition würde wohl zu Antwort 2) tendieren. Diese Antwort ist aber – trotz Lindas Vorgeschichte – um einiges unwahrscheinlicher als Antwort 1). Ganz einfach, weil es viel mehr Bankangestellte gibt, die nicht in Frauenbewegungen aktiv sind.

Diese Erkenntnis hilft uns auch beim Investieren:

Wenn sich diese Wettbewerbstechnologie nicht durchsetzt, wenn sich die Politik noch für dieses oder jenes entscheidet und sich schlussendlich dann noch die Rohstoffpreise in diese Richtung entwickeln, dann geht der Aktienkurs bestimmt durch die Decke.

Deine Investitionsentscheidungen sollten wenn möglich nicht auf einer solchen Investitionsthese aufgebaut sein. Denn, je mehr aufeinander aufbauende Bedingungen eine Investitionsthese enthält, desto unwahrscheinlicher ist sie leider auch.

Einfache sind komplizierten Investitionsthesen daher meist überlegen. Ganz simpel, weil diese oftmals deutlich weniger Bedingungen haben und das Eintreten deiner These daher oftmals viel wahrscheinlicher ist. Die allereinfachste Investitionsthese ist für mich:

Das Unternehmen ist Platzhirsch und Pionier in einer schnell wachsenden Branche und wird deshalb überdurchschnittlich vom allgemeinen Wachstum in dieser Industrie profitieren.

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