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Wird ein tödlicher Unfall die Entwicklung von selbstfahrenden Autos verlangsamen?

Foto: The Motley Fool.

War die Eile, selbstfahrende Autos zu entwickeln, eine der Ursachen für den Tod einer Fußgängerin in Arizona?

Diese Frage beschäftigt viele Investoren, nachdem ein Prototyp eines selbstfahrenden Fahrzeugs von Uber Technologies eine Fußgängerin in Tempe, Arizona, am Sonntagabend übergefahren und dabei getötet hat.

Uber ist nicht das einzige Unternehmen, das ein selbstfahrendes Auto auf den Markt bringen wird. Aber Uber steht unter einem einzigartigen Druck, da seine zukünftige Rendite von der Technologie abhängt, um die Kosten zu senken – und es gibt andere gut finanzierte Konkurrenten, die auf den gleichen Markt abzielen.

Ohne diesen Druck und das bisher lockere regulatorische Umfeld für Unternehmen, die selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen testen, hätte so ein schwerer Unfall vielleicht vermieden werden können. Doch was bedeutet das für die Zukunft der Selbstfahrtechnologie?

Die Industrie beeilt sich, um selbstfahrende Autos auf den Markt zu bringen

Die Liste der Unternehmen, die daran arbeiten, selbstfahrende Autos auf den Markt zu bringen, ist lang und reicht von riesigen globalen Automobilherstellern bis hin zu kleinen Technologie-Start-ups. Aber es gibt einige Anstrengungen, die Uber in naher Zukunft erheblich unter Druck setzen könnten:

General Motors (WKN:A1C9CM) hat gesagt, dass es im nächsten Jahr eine Flotte von selbstfahrenden Autos auf dem Markt bringen wird. GM hat kürzlich einen Prototyp eines selbstfahrenden Autos ohne Lenkrad und Pedale vorgestellt, der innerhalb weniger Monate in Serie gehen soll.

Waymo, das Tochterunternehmen von Alphabet (WKN:A14Y6H) , das früher als Google Self-Driving Car Project bekannt war, bewegt sich in einem ähnlichen Tempo. Waymo betreibt seit November in Arizona Testfahrzeuge ohne menschliche Fahrer und hat kürzlich die Genehmigung dieses Bundesstaates erhalten, einen automatisierten Taxidienst zu betreiben, obwohl es noch nicht klar ist, wann Waymo diese Bemühungen tatsächlich starten wird.

Das Autopilotsystem von Tesla (WKN:A1CX3T) wurde 2016 heftig kritisiert, nachdem ein Tesla auf Autopilot einen Sattelzug mit voller Geschwindigkeit rammte und den Fahrer des Autos dabei tötete. Aber Teslas System wurde inzwischen umgerüstet, und CEO Elon Musk hat angedeutet, dass das Unternehmen seinen Besitzern die Möglichkeit bieten könnte, ihre Fahrzeuge in einem automatisierten Taxidienst zu betreiben, wenn sie sonst nicht im Einsatz sind.

Uber darf hier auch nicht vergessen werden. Das Unternehmen entwickelt selbstfahrende Technik und betreibt seit 2016 selbstfahrende Testfahrzeuge auf öffentlichen Straßen. Kürzlich wurde eine Vereinbarung mit dem schwedischen Autohersteller Volvo Cars getroffen, nach der Volvo Fahrzeuge für die Testflotte von Uber liefert und die beiden sich die Technologie teilen.

Man kann das alles als ein Rennen verstehen, bei dem es um viel geht. Wie der GM-Präsident Dan Ammann im November überzeugend argumentierte, könnte das erste Unternehmen, das selbstfahrende Autos in großem Maßstab im Fahrbetrieb einsetzt, einen erheblichen Wettbewerbsvorteil erreichen, auch weil sich diese Systeme mit der Zeit verbessern – und die Kunden werden sich eher für den Anbieter mit dem besten System entscheiden:

Wenn Sie zuerst zu diesem lebensfähigen Mindestprodukt gelangen können (ein System, das sicherer ist als ein guter menschlicher Fahrer), und Sie es in den komplexesten Umgebungen einsetzen können, und wenn Sie es in großem Maßstab einsetzen, dann können Sie schneller als die anderen lernen und eröffnen sich damit einen ziemlich großen und einzigartigen Vorsprung.

Unterm Strich: Das erste Unternehmen (oder zumindest die ersten Unternehmen) könnte den Großteil der Gewinne im Laufe der Zeit realisieren. Als einer der größten Anbieter in diesem Geschäft fühlt sich Uber sehr unter Druck, zu den First Movern zu gehören. Dieser Druck könnte bei dem Unfall am Sonntag eine Rolle gespielt haben.

Es gibt noch nicht viel Regulierung.

Etwas anderes könnte bei diesem Unfall eine Rolle gespielt haben: Es gibt noch nicht viele Vorschriften für selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen.

Das ist besonders zutreffend in Arizona, wo Gouverneur Doug Ducey versucht hat, durch lockere Regelungen im Gegensatz zu Kalifornien solche Unternehmen anzuziehen. Im weiteren Sinne gibt es aber noch kein abgestimmtes Verfahren, um zu entscheiden, ob ein selbstfahrendes System für den Test auf öffentlichen Straßen „sicher“ ist, geschweige denn, ob es für den kommerziellen Einsatz sicher ist. Das könnte sich bald ändern.

Was sollten die Investoren hier erwarten?

Ich denke, dass die Behörden — wenn nicht in Arizona, dann wahrscheinlich in Washington  — sich der Sache annehmen und Mindeststandards für die Unternehmen auf öffentlichen Straßen einführen werden.

Ich denke auch, dass die Bemühungen, selbstfahrende Autos im kommerziellen Einsatz zu betreiben, stärker unter die Lupe genommen werden. Möglicherweise sehen wir einen Anstoß zur Entwicklung von Standards, die ein Unternehmen erfüllen müsste, bevor es in diesem Bereich arbeiten kann. Das kann einige Zeit dauern — und das kann einige Programme zurückhalten.

Lange Rede kurzer Sinn: Die jüngsten Entwicklungen könnten die Sache deutlich verlangsamen. Wenn du in ein Unternehmen in diesem Bereich investiert bist, solltest du das im Auge behalten.

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Suzanne Frey, eine Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A-Aktien), Alphabet (C-Aktien) und Tesla. 

Dieser Artikel wurde von John Rosevear auf Englisch verfasst und am 09.01.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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