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DWS ist für eine Überraschung gut

Foto: Getty Images

Für den Börsengang der Vermögensverwaltung DWS Group (WKN:DWS100) hat die Deutsche Bank (WKN:514000) bisher kaum Applaus bekommen. Vielmehr wird von allen Seiten daran herumkritisiert. Dabei spricht so einiges für die Aktie.

Die Kritikpunkte

Keine spannende Story, zu hohe Kosten und Vorstandsgehälter, schwache Marktposition und kaum Wachstum. Das sind nur einige der negativen Aspekte, welche kritische Beobachter in den letzten Tagen über die DWS herausgearbeitet haben. Vielen interessierten Anlegern wird die neue Aktie so madig gemacht.

Auch die geringe Anzahl abgegebener Aktien macht manch einem Sorgen. Die daraus folgende reduzierte Liquidität würde für viele Marktteilnehmer abschreckend wirken, mit entsprechenden Folgen auf den Kurs. Dass Nippon Life Insurance und Tikehau Capital als strategische Investoren auch noch einen guten Teil der Aktien übernehmen werden, macht die Sache nicht besser.

Aber ist es wirklich negativ, dass es im Vorfeld gelungen ist, zwei Partner ins Boot zu holen, welche besseren Zugang nach Japan und Frankreich versprechen? Muss man sich als langfristig orientierter Investor über geringe Handelsumsätze ärgern? Ich denke, die Antwort auf beide Fragen ist klar „Nein“.

Wenn es dem Management gelingt, den Gewinn über die kommenden Jahre in Richtung 1 Mrd. Euro zu steigern und gleichzeitig für solide wachsende Dividenden zu sorgen, dann könnte DWS gerade für Einkommensinvestoren ausgezeichnete Perspektiven bieten. Dafür muss aber natürlich die Strategie des Managements schon passen, damit solche Erwartungen kein Wunschtraum bleiben.

Die Chancen

Ob bis zu 10,5 Mio. Euro Gehalt für den Chef eines mittelgroßen Konzerns angemessen sind, lässt sich tatsächlich diskutieren, aber seine Eignung für den Posten dürfte unbestritten sein. Der 2016 vom Konkurrenten AXA (WKN:855705) abgeworbene Nicolas Moreau hat in früheren Investment-Management-Positionen unter anderem wertvolle Erfahrungen in Kalifornien und England gesammelt. Dass er zudem gute Kenntnisse der Versicherungsbranche mitbringt, ist ebenfalls von Vorteil, da Assekuranzen zu den wichtigsten Kunden von DWS gehören.

Von daher bin ich recht zuversichtlich, dass der 52-Jährige die DWS erfolgreich weiterentwickeln kann. Die Börsenstory mag noch nicht sonderlich beeindruckend sein, aber ich frage mich, was man von einem Unternehmen wie DWS Spannendes erwarten könnte. Das Asset-Management- und ETF-Geschäft sind keine Hochtechnologie, es geht primär um Vertrauen, Margen und Marktanteile. Dafür braucht es engagiertes Personal und eine leistungsfähige IT. So wie es aussieht, geht es diesbezüglich in die richtige Richtung:

In der aktuellen Unternehmenspräsentation wird sage und schreibe 27 Mal das Wort „digital“ verwendet. Egal ob Kundenschnittstellen, Robo-Advisor, Vertrieb, Services oder Datenanalyse: In alle Bereiche wurden offenbar in letzter Zeit viele Ressourcen gesteckt, um zu den Besten der Branche aufzuschließen. Daraus sollten sich vereinfachte Prozesse, attraktiver gestaltete Produkte und eine reduzierte Fehlerrate ergeben. Allein für dieses Jahr sind Investitionen in Höhe von rund 45 Mio. Euro vorgesehen, um die IT-Plattform und andere Wachstumsinitiativen weiter voranzutreiben.

Die Zahlen

Rund 90 % der Einnahmen der DWS sind wiederkehrende Umsätze in Form von Kommissionen und Management-Entgelten. Das macht das Geschäft recht gut kalkulierbar. Von den Gesamterträgen in Höhe von etwa 2,5 Mrd. Euro verblieb 2017 ein den Aktionären zustehender Nettogewinn von 633 Mio. Euro. In den beiden Vorjahren waren es gut 450 Mio. Euro. Schon allein, wenn es gelänge, das Gewinnniveau mittel- bis langfristig zu halten, wäre eine Bewertung von rund 7 Mrd. Euro absolut fair aus meiner Sicht.

Hinzu kommt, dass die gute Eigenkapitalausstattung nach unten absichert: 6,4 Mrd. Euro stehen zum 31.12.2017 in der Bilanz. Da zukünftig planmäßig etwa 30 % des Gewinns einbehalten werden, sollte dieser Wert kontinuierlich anwachsen. Gleichzeitig steigen dann aber auch die Chancen auf weiter steigende Gewinne, weil über eine gestärkte Bilanz entweder in Wachstum investiert oder das Zinsergebnis verbessert werden kann.

Zu beachten ist allerdings, dass die Bilanz auch Firmenwerte und immaterielles Vermögen in Höhe von zusammen 3,6 Mrd. Euro aufführt. Diese Posten sind für Außenstehende schwer einschätzbar und werden intern periodisch über komplizierte Verfahren auf ihre Werthaltigkeit getestet. Im Risikobericht wird klar darauf hingewiesen, dass an dieser Stelle unter gewissen Umständen hohe außerordentliche Abschreibungen möglich sind. Über die letzten drei Jahre gab es allerdings nichts Negatives zu berichten.

Fazit

Diese Aktie ist nicht für jedermann. Sie bietet keine wahnsinnigen Wachstumsperspektiven, das zumindest für Außenstehende wenig innovativ wirkende Geschäft ist nicht gerade prickelnd und der beherrschende Einfluss der Deutschen Bank gefällt nicht jedem.

Aber DWS sollte nicht unterschätzt werden, das ist kein schlechtes Unternehmen. Es generiert seit Jahren solide Gewinne, ist am Heimatmarkt unangefochtener Spitzenreiter und verteidigt international eine starke Position in einzelnen Nischen. Insgesamt denke ich, dass zwar nicht unbedingt große Kurssprünge zu erwarten sind, aber es wird wohl gelingen, langfristig steigende Dividenden zu bezahlen.

Bei einem hypothetischen zukünftigen (!) Nettogewinn von 1 Mrd. Euro und einer Ausschüttung von 70 % flössen stattliche 700 Mio. Euro an die Aktionäre. Das entspräche 5 Euro Gewinn bzw. 3,5 Euro Dividende pro Aktie. Bei einem möglichen Ausgabekurs von 35 Euro wären wir da schon bei 10 % Dividendenrendite. Keine so schlechten Aussichten, oder?

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Ralf Anders besitzt Wertpapiere auf die Deutsche Bank. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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