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Werden Marihuana-Aktien jemals Dividenden zahlen?

Foto: Getty Images.

Die Marihuana-Branche war in letzter Zeit praktisch unaufhaltsam – sogar in den USA, wo jegliche Verkäufe per Bundesgesetz verboten sind. Aber 29 Staaten haben Cannabis seit 1996 auf die eine oder andere Weise legalisiert. Laut ArcView und BDS Analytics, beträgt das durchschnittliche jährliche Umsatzwachstum, das bis 2021 in Nordamerika erwartet wird, 28 %, was zu einem prognostizierten Jahresumsatz von 24,5 Milliarden US-Dollar bis 2021 führen könnte.

Es gibt absolut keinen Zweifel, dass Marihuana-Aktien in einem außergewöhnlich schnellen Tempo wachsen, was sich in drei- und vierstelligen prozentualen Zuwächsen für viele der größten Pot-Aktien nach Marktkapitalisierung über den Zeitraum von zwei Jahren ausgedrückt hat. Allerdings sind nicht alle Anleger mit den wachstumsstarken Titeln zufrieden.

Einige ziehen es vor, ihr langfristiges Wertsteigerungspotenzial mit Dividendeneinnahmen aufzufüllen, was die folgende Frage aufwirft: Werden Marihuana-Aktien jemals Dividenden zahlen? Die Antwort ist komplizierter, als du wahrscheinlich denkst.

Werden Pot-Aktien jemals Dividenden an die Aktionäre ausschütten?

Natürlich will ich am liebsten mit Ja oder Nein antworten, aber es sind einfach viel zu viele Variablen im Spiel, um klar feststellen zu können, ob die Marihuana-Branche konsistente Dividendeneinnahmen für ihre Investoren generieren kann. Aber was ich mit relativer Gewissheit sagen kann, ist, dass vier Dinge geschehen müssen, damit Marihuana-Aktien es in Betracht ziehen können, regelmäßig eine Dividende an die Aktionäre zu zahlen.

1. Die Kosten für den Cannabisanbau müssten erheblich gesenkt werden

Um eine Dividende finanzierbar zu machen, müsste es einen ziemlichen Rückgang der Kosten für den Anbau von Cannabis  geben. Glücklicherweise ist dies ein Trend, den wir bei den größten kanadischen Anbauern beobachten können. Natürlich müsste sich dieser Trend als nachhaltig erweisen, da die Produktion mit der Erwartung einer Legalisierung von Freizeitcannabis bis zum Sommer dieses Jahres zunimmt.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Unternehmen Aurora Cannabis (WKN:A12GS7), das bei der Gesamtproduktion voraussichtlich zu den drei größten Anbauern zählen wird. Aurora produziert derzeit nur einen Bruchteil der 240.000 bis 270.000 Kilogramm, die das Unternehmen jährlich liefern könnte. Im zweiten Quartal des laufenden Steuerjahres zahlte das Unternehmen einen Anbaupreis von 1,36 US-Dollar pro Gramm.

Bei der Investorenpräsentation des Unternehmens im Januar hieß es jedoch, dass die höheren Erträge, die mit der hoch automatisierten Anlage von Aurora Sky und dem Partnerunternehmen Aurora Nordic in Dänemark verbunden sind, dazu beitragen sollten, die steigenden Kosten unter 0,78 US-Dollar (1 CAD) pro Gramm Cannabis zu senken.
Das bedeutet nicht, dass Aurora Cannabis in absehbarer Zeit unbedingt Dividenden zahlen wird, aber es ist ein perfektes Beispiel für sinkende Kosten, was auf ein nachhaltiges Geschäft hindeuten könnte.

2. Angebot und Nachfrage müssten in Einklang gebracht werden.

Zweitens müssten wir ein Gefühl für Angebot und Nachfrage in der legalen Cannabis-Industrie entwickeln.

Da Kanada in diesem Sommer kurz vor der Legalisierung steht, könnte die Expansion der mehr als sieben Dutzend lizenzierten Produzenten bis 2020 jährlich zwischen 1.500.000 und 2.000.000 Kilogramm getrocknetes Cannabis erzeugen. Erste Schätzungen verschiedener Analysten und Regierungsberichte deuten jedoch darauf hin, dass die jährliche Inlandsnachfrage nur etwa 800.000 Kilogramm betragen dürfte. Mit anderen Worten, es gibt die reale Möglichkeit, dass eine Marihuana-Schwemme anfangs die Margen zerstört. Es ist möglich, dass Exporte in Länder, in denen medizinisches Cannabis legal ist, einen Teil dieses inländischen Überangebots absorbieren könnten, aber es ist nicht bekannt, wie viel genau.

In Anbetracht der Tatsache, dass kein anderes Industrieland Freizeitcannabis legalisiert hat, gibt es wirklich keinen historischen Anwendungsfall, den es zu untersuchen gilt. Ein Blindflug kann für die Investoren gefährlich sein, was es für Pot-Aktien noch unwahrscheinlicher macht, eine Dividende  zu bieten, bis es (frühestens) in einigen Jahren zu einer gewissen Stabilität von Angebot- und Nachfrage kommt.

3. Weitere Länder müssten die Droge legalisieren

Außerdem gehe ich stark davon aus, dass wir mindestens einige weitere Länder ansehen müssen, die Marihuana für den Verbrauch durch Erwachsene legalisieren. Wir haben gesehen, wie Europa und einige andere Länder den Gebrauch von medizinischem Cannabis für ausgewählte Krankheiten akzeptieren, aber der Freizeitgebrauch wird hier den größeren Ausschlag geben.

Mein Verdacht ist, dass Marihuana-Aktien wenig oder keinen Anreiz haben würden, eine Dividende zu zahlen, solange der Großteil der Produktion von der Nachfrage in nur einer Handvoll Ländern abhängig ist. Erst wenn die Anbaubetriebe das Gefühl haben, dass sie ihre Einnahmequellen geografisch ausreichend diversifiziert haben, wird eine Dividende möglich.

4. Die Unternehmen reifen und die Reinvestitionen beginnen sich zu verringern

Schließlich müssten wir eine Art Reife dieses Bereiches sehen. Im Augenblick reinvestieren Marihuana-Aktien ihren operativen Cashflow und erhöhen das Kapital schneller, als du blinzeln kannst. Sie tun dies, um Marktanteile zu erobern, während die kanadische Legalisierung für Erwachsene noch aussteht und weil sie dies als den besten Kapitaleinsatz ansehen. Wenn die Reinvestition in neue Anbaubetriebe nicht mehr der beste Kapitaleinsatz ist, d. h. wenn die legale Cannabisindustrie gereift ist, könnte es sich für profitable Pot-Aktien lohnen, eine regelmäßige Quartals- oder Jahresdividende für die Aktionäre einzuführen.

Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass wir in naher Zukunft hier Dividenden erwarten können. Bis wir ein klares Bild von Angebot und Nachfrage bekommen und sehen, in welchen neuen Ländern Cannabis legalisiert wird, wird es, vermute ich, mindestens noch vier oder fünf Jahre dauern, wenn nicht sogar länger, bis es auch nur die geringste Chance einer regelmäßig eingeführten vierteljährlichen oder jährlichen Dividende gibt.

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The Motley Fool besitzt keiner der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und wurde am 16.3.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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