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Drohender Handelskrieg: Warum Gold im Depot jetzt das falsche Rezept sein könnte

Foto: Getty Images

Derzeit scheint es fast so, dass wann immer irgendwo ein Reissack umfällt, jemand dazu aufruft, Gold zur Absicherung zu kaufen. Aber wenn es so viele Stimmen gibt, die zu Goldinvestitionen raten, dann könnte der Zeitpunkt gekommen sein, die gegensätzliche Position einzunehmen: Gold könnte schon bald wesentlich billiger zu haben sein.

Mythos Gold

In den letzten Jahren ist geopolitisch wahnsinnig viel passiert und was macht der Goldpreis? Der pendelt immer noch unbeeindruckt um die Marke von 1.300 US-Dollar – man könnte sagen, seit 10 Jahren. In der selben Zeit hätte man mit einem Aktiendepot ein kleines Vermögen machen können. Dividenden haben die faulen Goldbarren ja auch nicht bezahlt.

Trotzdem raten zahlreiche Marktbeobachter, Analysten und Finanzberater geradezu obsessiv dazu, einen Teil seines Vermögens in physischem Gold zu halten. Hier sind nur drei aktuelle Beispiele aus Deutschland:

  • Robert Halver: „Gold gehört ins Depot“
  • Max Otte: „Gold sollte man aufstocken“
  • Dirk Müller: „Gold ist ein Gut-Schlaferle“

Dahinter steht die Überzeugung, dass Gold unter allen Umständen für alle Zeiten einen signifikanten Gegenwert haben wird, selbst wenn Kriege und Krisen Unternehmen, Währungen und Immobilien zerstören. Dass die Schwankungen in der Vergangenheit riesig waren und letztlich niemand sagen kann, was eine Goldunze fundamental wert sein könnte, ficht sie nicht an. Irgendwer würde immer einen guten Preis bezahlen, weshalb Goldbesitzer besser durch drohende Krisen kämen.

Das klingt gut, aber ich bin nicht so überzeugt, ob man wirklich auf diese Weise von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen kann.

Darum könnte der Goldpreis nachgeben

Neben meinen grundsätzlichen Bedenken, ob der Mythos ewig aufrechterhalten werden kann, ist auch an weitere Faktoren zu denken. Klar ist, dass Gold kurzfristig einen gewissen Inflationsschutz bieten kann, genauso wie andere Rohstoffe sowie auch Immobilien und Aktien. Wenn beispielsweise die Schuldenprobleme der USA eskalieren und der Dollar kollabiert, dann wird voraussichtlich der Goldpreis explodieren – in US-Dollar gerechnet. Was dann für Euroland-Investoren herausspringt, steht wiederum in den Sternen.

Gut möglich ist allerdings, dass sich über die kommenden Monate und Jahre das Angebot ausweitet, während die Nachfrage sinkt. Zwar ist zu erwarten, dass die Mischung aus guter Konjunktur und Zukunftssorgen viele Menschen weltweit dazu veranlasst, vermehrt in Luxusgüter einschließlich Goldschmuck zu investieren, aber dafür könnte der Goldhunger der Zentralbanken nachlassen.

Die Daten des World Gold Council zeigen, dass letztere ein ziemlich unkluges Verhalten an den Tag legen. Als der Goldpreis in den frühen Nullerjahren noch niedrig lag, haben sie Bestände abgebaut, während vor allem die Schmuckindustrie kräftig zugriff. Als dann 2008 die Finanzkrise zuschlug, drehte sich die Tendenz und es wurden wieder massiv Bestände aufgebaut.

Bis heute hält die Nachfrage der Zentralbanken an, obwohl wir die Krise längst hinter uns gelassen haben. Zuletzt hieß es, dass Russland und die Türkei groß eingekauft hätten. Diejenigen, welche die Aufstockung der Bestände zu den Höchstkursen von 2011 und 2012 zu verantworten haben, müssen sich heute wohl vielerorts für das unrentable Investment rechtfertigen. Besonders heftig bekam das die börsennotierte Schweizerische Nationalbank (WKN:852243) zu spüren, als sie 2013 einen Bewertungsverlust auf ihren Goldschatz in Höhe von 13 Mrd. Franken ausweisen musste.

Schon 2017 war der Nachfrage-Überschuss der Zentralbanken nicht mehr so groß wie noch in den Vorjahren und ich kann mir gut vorstellen, dass dieser auf absehbare Zeit ganz ausfällt oder sogar ins Negative dreht. Länder wie Venezuela geben bereits jetzt Gold in den Markt.

Kommt es so, dann würde das bereits erheblichen Druck auf den Goldpreis bedeuten. Hinzu kommt das wachsende Angebot an raffiniertem Gold. Große Schürfer wie Barrick Gold (WKN:870450) und Newmont Mining (WKN:853823) arbeiten weiterhin hochprofitabel – schon allein Barrick meldete einen Nettogewinn von 1,4 Mrd. US-Dollar für 2017. Mit 1.300 US-Dollar pro Feinunze können sie gut leben, nachdem es vor 15 Jahren nur etwa ein Viertel davon war.

Folglich investieren sie stark in die Ausweitung ihrer Produktion, in der Hoffnung, auch größere Mengen zu den aktuell gebotenen Preisen verticken zu können. Da bis April 2019 laufende Futures sogar noch etwas teurer sind als das aktuelle Niveau, haben sie zusätzlich eine gute Möglichkeit, sich abzusichern. Ob Goldaktien daher jetzt attraktiv sind, bin ich trotzdem nicht sicher.

Gold muss nicht sein

Wenn du Gold magst und es dich ruhiger schlafen lässt, dann spricht nicht viel dagegen, etwas davon an einem sicheren Ort zu verwahren. Wenn du aber ernsthaft investieren willst und dir trotzdem einen gewissen Vermögensschutz wünschst, dann gibt es aus meiner Sicht bessere Alternativen, darunter schuldenfreier Wohnraum, Bildung (!), krisenfeste Aktien und Rohstoffe, die wirklich gebraucht werden. Dass am Donnerstag ein russisches Transportflugzeug beim Starten mehrere Tonnen Gold verloren hat, mag vielleicht schon ein böses Omen sein.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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