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3 Gründe, warum man nicht wie Warren Buffett investieren sollte

Quelle: Matt Koppenheffer

Wenige würden der Meinung widersprechen, dass Warren Buffett einer der größten Investoren ist, der je gelebt hat.

In fünf Jahrzehnten verwandelte Buffett Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) von einer schwächelnden Textilfabrik in ein 500-Milliarden-Dollar-Imperium. Berkshire ging 1964 für 19 Dollar an die Börse. Nach Jahrzehnten von klug angelegten Investitionsrenditen, wird eine Aktie jetzt bei 307.000 gehandelt. Wer beim Börsengang 76 Dollar in Berkshire gesteckt hat, ist jetzt Millionär.

Aufgrund der unübertroffenen Fähigkeiten von Buffett bei der Aktienauswahl folgen ihm viele Leute, wenn sie neuen Anlageideen suchen. Berkshire hat gerade seine Form 13F eingereicht, die offenlegt, was das Unternehmen kürzlich gekauft und verkauft hat. Wir erfuhren so, dass Buffett in diesem Jahr Apple, Monsanto und ein paar Banken zugekauft hat, während er seine Anteile an Wells Fargo und IBM (WKN:851399) zu Teilen abstoß.

In jedem der Geschäftsberichte von Berkshire teilt Buffett mehrere der Anlageideale, die er während seiner gesamten Karriere verfolgt hat. Er kauft Unternehmen, die stark unterbewertet sind, sorgt für eine angemessene Sicherheitsmarge und sucht nach Unternehmen, die simpel genug sind, dass „selbst ein Schinkenbrötchen sie führen könnte“. Diese Worte haben ihn dazu geführt, im Laufe der Jahre große Wetten auf Coca Cola, See’s Candies und Burlington Northern zu machen.

Allerdings hat sich die Welt in den letzten fünfzig Jahren dramatisch verändert. Und ich würde sagen – in einer vielleicht unpopulären, konträren Meinung -, dass einige von Buffetts Worten der Weisheit nicht mehr wirklich wahr sind.

Damit möchte ich die folgenden drei Gründe anbieten, warum Investoren Berkshires jüngsten Käufen nicht folgen sollten.

1 Kapital ist reichlich vorhanden

Wie schon oft gesagt: Buffett mag einfache Geschäfte. Er kauft Eisenbahnen, Energiekonzerne und Fluggesellschaften – Unternehmen, die sich mit riesig viel Kapital ausstatten und nach leicht quantifizierbaren Metriken funktionieren.

Im Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg skalierten diese Branchen wie verrückt. Multimilliarden-Dollar-Anlagen wie Eisenbahnen oder Chemieanlagen waren eher selten und konnten nicht von allen erschlossen werden.

Aber im heutigen globalen Zeitalter sind die Wettbewerbsvorteile, die Berkshire Milliarden von Dollar eingebracht haben, nicht mehr ganz so stark.

Wir haben gesehen, dass die Zinssätze seit fast einem Jahrzehnt niedrig bleiben. Wenn Geld billig ist, bedeutet das, dass vorhandene, abschreibende, harte Vermögenswerte, die Upgrades benötigen, nicht nur weniger wertvoll sind, sondern oft auch eine Last. Viele Industrien, die Rohstoffe herstellen, zogen nach Übersee, wo niedrigere Löhne und Betriebskosten die Vorlaufkosten für den Neubau ausgleichen. Viele produzierende Unternehmen bevorzugen heute ein Asset-Light-Modell, das sich auf geistiges Eigentum konzentriert und die Produktion an andere auslagert.

Mehrere Tochtergesellschaften von Berkshire – darunter auch größere Akquisitionen wie Precision Castparts und BNSF – spüren diesen Einfluss auf das Klima.

2 Die Welt wurde digital

Zusätzlich zum billigen Geld änderte das Internet die Geschäftsregeln. Digitale Strategien übersteuerten operative Strategien und zwangen Unternehmen dazu, das Internet zu nutzen und ihre Assets auf unterschiedliche Weise zu verwalten.

Jene weiter oben erwähnten harten Werte sind relativ einfach zu bewerten. Man addiert den Gesamtwert dessen, was man herstellt, subtrahiert die Kosten für die Rohstoffe, die man für die Produktion benötigt, dazu die Gemeinkosten, und man bleibt idealerweise mit Gewinn zurück. Um festzustellen, ob neue Kapazitäten sinnvoll sind, würden Investoren Barwertberechnungen durchführen, um zukünftige Erträge zu diskontieren und Kapital für Projekte mit kurzen Amortisationszeiten bereitzustellen.

Aber die Bewertung von Unternehmen ist für die armen, überlasteten Finanzanalysten viel schwieriger geworden. Immaterielle Werte wie digitale Netzwerkeffekte oder auch Schlüsselpersonen können in unserer internetbasierten Welt eine große Rolle spielen.

Technologieunternehmen verstehen das. Der Kauf von WhatsApp durch Facebook im Wert von 19 Milliarden Dollar war hauptsächlich dazu da, um Zugang zu dem globalen Netzwerk zu erhalten. Microsofts Kauf von LinkedIn für 26 Milliarden Dollar fand aus ähnlichen Gründen statt.

Übernahmen wie diese sehen für Analysten mit traditionellem Mindset teuer aus. Und bilanziell haben sie fast immer einen erheblichen Teil des Goodwills in den Kaufpreis eingebrannt.

Kurz gesagt, Buffetts „Margin of Safety“-Regel wird immer schwieriger zu quantifizieren. Damit komme ich zu meinem dritten Punkt.

3 Buffett hat keine Ahnung von Tech

Buffett hat bekanntlich zu Protokoll gegeben, dass er nicht gerne in Technologieunternehmen investiert, weil er sie „nicht versteht“. Das ist wahrscheinlich nicht ganz wahr. Immerhin verbringt er laut eigener Aussage 80 % seiner Zeit damit, täglich 500 Seiten Zeitungen und Zeitschriften zu lesen.

Die Wahrheit ist wahrscheinlich eher, dass Buffett nicht glaubt, dass die Wettbewerbsvorteile von Technologieunternehmen nachhaltig sind. Im Gegensatz zu Eisenbahnen oder Konsumgütern ändert sich die Technologie extrem schnell und weist niedrige Eintrittsbarrieren auf. Das macht die Unternehmen viel stärker von Störungen betroffen als andere Branchen, in denen Stahl im Boden tatsächlich eine Rolle spielt.

Doch Buffetts Abneigung gegen Technologie hat ihn auch dazu gebracht, einige unglaubliche Investitionsrenditen zu verpassen. Auf der letztjährigen Hauptversammlung gab er gegenüber den Investoren zu, dass ihn hohe Bewertungsmultiplikatoren über die Jahre hinweg von Alphabet und Amazon abgehalten haben. Selbst wenn sie nur in kleinen Dosen hinzugefügt worden wären, hätten diese beiden Unternehmen unglaubliche Erträge für die Aktionäre von Berkshire erbracht.

Aber dieses Problem ist größer als die Nichtberücksichtigung von Google und Amazon. Technologieunternehmen haben in den letzten zehn Jahren den Großteil der Gewinne des konsolidierten Aktienmarktes erwirtschaftet. Diejenigen, die schon früh „data is the new oil“ verkündeten, lagen goldrichtig: Die Tech-Titanen haben die integrierten Energiekonzerne als die größten Unternehmen des S&P 500 verdrängt.

Zu seinem Verdienst hat Buffett eine beträchtliche Wette auf Tech platziert, als er 2011 10 Milliarden Dollar in IBM investierte. Er sah das Potenzial des Cognitive Computings und hörte zu, als IBM behauptete, dass es sein Geschäft revolutionieren würde (was es auch tat).

Das Problem ist, dass IBM bereits zu groß geworden war, um an der Spitze der Technologie zu stehen. Als ein 150-Milliarden-Dollar-Gigant hat man erhebliche bürokratische Hürden und sterbende Legacy-Unternehmen, die es schwierig machen, All-in auf neue Technologie-Ventures zu gehen, selbst wenn das Unternehmen so gerne wollte.

Auch Berkshire hat ein Größenproblem, wenn es darum geht, in Technologie zu investieren. Die schnelllebigsten Unternehmen, die wirklich Fortschritte beim kognitiven Rechnen machen, haben nicht einmal eine Marktkapitalisierung von insgesamt 10 Milliarden Dollar.

Damit Buffett eine ausreichend große Investition in diesen Raum tätigen kann, um für sein Portfolio tatsächlich etwas zu reißen, beschränkt er sich auf die Auswahl der größten Unternehmen. Und in Technik zu investieren, indem man die attraktivsten der langsamen Jongleure auswählt, ist ein völlig falscher Ansatz.

Ironischerweise ist Buffetts früherer Erfolg zu einem großen Handicap für seinen zukünftigen Erfolg geworden.

Sollte man wie Buffett investieren?

Es wäre einfach nur dumm, Warren Buffett als Investor zu verspotten. Er ist ein Vorbild und hat viele Investoren dazu gebracht, sich nach qualitativ hochwertigen Unternehmen umzusehen und sich langfristig zu orientieren.

Aber Anlagen sind für Warren Buffett ganz anders als für durchschnittliche Investoren. Wir sollten nicht versuchen, unsere Strategien so zu forcieren, dass sie mit denen von Berkshire’s übereinstimmen, sondern vielmehr nach Marktchancen Ausschau halten, die den einzelnen Investor begünstigen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet, Berkshire und Facebook.

Dieser Artikel von Simon Erickson erschien am 10.3.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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