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Idorsia Pharmaceuticals soll die neue Actelion 2.0 werden und schürt schon jetzt die Übernahmephantasie – lohnt der Einstieg jetzt?

Foto: Getty Images

Als der US-Gesundheitskonzern Johnson & Johnson (WKN:853260) 2017 das Schweizer Biotech-Unternehmen Actelion für ca. 30 Mrd. US-Dollar kaufte, entstand gleichzeitig durch Ausgliederung der Actelion-Forschung die neue Idorsia Pharmaceuticals (WKN:A2DTEB). Die Frage stellt sich, ob Idorsia die Actelion 2.0 werden kann und ob sich dann das Übernahmekarussell wieder drehen wird. Die Pipeline ist stark und die Mannschaft erfahren – lohnt sich die Aktie?

Wo Idorsia heute steht

Geld ist für Biotechs unendlich wichtig, um insbesondere teure Klinische Phasen zu finanzieren. Ende 2017 belief sich die Liquidität von Idorsia (einschließlich Barmitteln, barmittelähnlichen Beständen und langfristigen Bankeinlagen) auf 1,091 Mio. CHF. Das wird also erst einmal reichen, um die Entwicklungs-Pipeline weiter voranzubringen.

Das ist auch nicht an der Firmentochter von Johnson & Johnson, Janssen Biotech, spurlos vorbeigegangen, denn die haben sich im Dezember 2017 die Vermarktungsrechte für Aprocitentan gesichert, das gegen eine resistente Form von Bluthochdruck (Hypertonie) wirkt und 2017 mit positiven Phase II-Daten überzeugte.

Dieser Deal hat es in sich, und ich muss meinen Hut vor Idorsia ziehen: neben der Meilensteinzahlung von 230 Mio. US-Dollar für Idorsia teilen sich beide Firmen die Kosten für die Phase III. Dafür erhält Janssen die weltweiten Vermarktungsrechte, während Idorsia je nach Umsatz zwischen 20 und 35 % der Nettoverkaufserlöse erhält. Was für ein Coup!

Und damit nicht genug, ebenfalls im Dezember wurde eine Forschungskooperation mit Roche (WKN:855167) eingegangen, die eine gemeinsame Weiterentwicklung der präklinischen Programme aus dem Bereich Krebsimmuntherapie beinhaltet. Idorsia bekommt 15 Mio. CHF als Vorabzahlung und Roche eine Option auf die weltweiten Vermarktungsrechte.

Zudem sind für Idorsia Meilensteinzahlungen von bis zu 410 Mio. CHF sowie Anteile an Nettoverkaufserlösen möglich, so dass auch hier ein globaler führender Player als Partner gewonnen werden konnte, um die Erfolgsaussichten weiter zu verbessern.

Für ein so junges Unternehmen sind die bisher erreichten Ziele dank der bereits vorher guten Pipeline sowie namhaften Kooperationen äußerst bemerkenswert. Aber was sind nun die weiteren Ziele?

Die Ziele von Idorsia

Der CEO von Idorsia, Jean-Paul Clozel, will keine kleinen Brötchen backen, sondern in 5 Jahren profitabel sein, Idorsia stärker als Actelion machen und damit zum führenden Biotech-Unternehmen in Europa aufsteigen. Ist das wirklich realistisch?

Sieht man sich die Pipeline genauer an, so erkennt man, dass ganze vier Wirkstoffe vor dem Beginn der finalen Klinischen Phase III stehen. Neben Aprocitentan ist das ACT-541468, der sehr gute Daten aus der Phase II gegen Insomnie (Schlaflosigkeit) liefern konnte. Ermutigend waren die sehr geringen Nebenwirkungen, schnelles Einschlafen und ein normales Erwachen am Morgen.

ACT-541468 ist ein dualer Orexinrezeptor Antagonist (DORA), der den Orexinlevel reduziert. Orexine sind kleine Protein-ähnliche Moleküle, die von Nervenzellen zur Kommunikation genutzt werden und wichtig für das Aufwachen nach dem Schlaf sind. Ist ihre Konzentration niedrig, kann man gut einschlafen.

Der dritte Wirkstoffkandidat, Clazosentan, wirkt gegen Gefäßspasmen im Zusammenhang mit aneurysmatischen Subarachnoidalblutungen. Kommt es im Hirn zu Blutungen, kontrahieren schnell die Arterien und verhindern damit eine ausreichende Versorgung des Gehirns mit Blut, so dass es zu sekundären Hirninfarkten kommen kann. Calzosentan wirkt präventiv gegen diese Vasospasmen genannten Verkrampfungen von Adern und Gefäßen.

Der letzte Wirkstoff in diesem Quartett ist Lucerastat gegen Morbus Fabry, eine seltene angeborene Stoffwechselkrankheit, die auf einem Gendefekt auf dem X-Chromosom basiert. Stoffwechselprodukte häufen sich dabei im Körper an, so dass als Hauptursachen für die frühe Sterblichkeit chronisches Nierenversagen, Schädigung des Herzens und eine Beeinträchtigung der Blutversorgung des Gehirns auftreten.

Bisher kann man nach der schwierigen Diagnostik der Erkrankung mit einer Enzymersatztherapie relativ gut über die Runden kommen. Lucerastat inhibiert das Enzym Glucosylceramid-Synthase und führt damit zu geringeren Konzentrationen der schädigenden Abbauprodukte.

Weitere drei Wirkstoffe befinden sich in Phase II und vier in Phase I. Hervorzuheben ist hier vor allem Cenerimod gegen die Autoimmunkrankheit Systemischer Lupus erythematodes (SLE). In einer Phase-2-Studie bei erwachsenen Patienten mit SLE bewirkte Cenerimod eine dosisabhängige Reduktion der Lymphozytenzahl und wurde in allen Dosisstärken gut vertragen.

Pro & Contra zur Idorsia-Aktie

Was mir an Idorsia gut gefällt, ist die breit aufgestellte Pipeline mit gleich vier Wirkstoffkandidaten, die dieses Jahr noch in Phase III überführt werden. Zudem ist das Unternehmen damit nicht nur von einem Wirkstoff abhängig, sondern so breit aufgestellt, dass auch ein Rohrkrepierer verkraftet werden kann, ohne dass die Aktie in sich zusammenbrechen sollte.

Weiterhin positiv sind die Kooperationen mit Jannsen und Roche, die neben großer Expertise auch finanzielle Mittelzuflüsse bedeuten und somit Risiken mindern und das finanzielle Polster schonen. Denn auch finanziell ist Idorsia mit mehr als einer Mrd. CHF exzellent ausgestattet, um das Ziel der Profitabilität in fünf Jahren eventuell erreichen zu können.

Die Gretchenfrage ist nun, ob die Marktkapitalisierung von derzeit ca. 2,4 Mrd. Euro für Idorsia gerechtfertigt ist. Im November 2017 empfahlen die Vontobel-Analysten in einer Erststudie die Idorsia-Aktien mit einem Kursziel von 28 Franken zum Kauf. Stand 8.3.2018 liegt die Aktie bei 23,98 CHF.

So traut Vontobel  Idorsia im Jahr 2025 risikoadjustiert einen Jahresumsatz von 1,2 Mrd. CHF zu. Sollten alle fortgeschrittenen Entwicklungsprojekte klappen, könnten es sogar 2,8 Mrd. CHF sein, allerdings sei angesichts hoher Forschungskosten im Jahr 2019 oder 2020 mit einer Geldaufnahme zu rechnen.

Aprocitentan hat aus meiner Sicht großes Potenzial, während ich mir bei ACT-541468 gegen Schlaflosigkeit unsicher bin, ob die Gesundheitssysteme für die Kostenerstattung tatsächlich offen sind. Clazosentan, Lucerostat sowie Cenerimod haben hingegen klaren medizinischen Nutzen und zielen auf seltene Krankheiten, für die gerade in den USA Spitzenpreise gezahlt werden.

Fazit

Idorsia ist zweifelsohne ein interessantes Biotech-Unternehmen mit sehr viel Potenzial, wenn auch die Aktien derzeit nicht gerade zum Schnäppchenpreis zu haben sind. Daher hoffe ich auf stärkere Kursrücksetzer, um dann einen Fuß in die Tür zu stellen.

Sollten erste Zulassungen absehbar werden, wird mit großer Wahrscheinlichkeit das ein oder andere Pharmaunternehmen über ein Übernahmeangebot nachdenken. Denn solche Pipelines sind absolut unüblich für junge Biotechs.

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Stefan Graupner besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Johnson & Johnson.

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