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Darum werden ABB und E.ON Gewinner der europäischen Lade-Infrastruktur

Foto: Nissan Newsroom Europe

ABB und E.ON, das sind zwei Schwergewichte in der europäischen Strombranche, die sich seit Jahrzehnten kennen. Sie haben gemeinsam Netze errichtet, Modernisierungsprojekte gestemmt und neue Technologien erprobt. Bezüglich Schnellladestationen gab es bereits 2016 eine Zusammenarbeit in Ungarn.

Nach den letzten Entwicklungen gehören die beiden für mich zu den aussichtsreichen Spielern, wenn es um den Aufbau europaweiter Ladenetze geht — ABB (WKN:919730) als Technologielieferant und E.ON (WKN:ENAG99) als Betreiber.

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Die letzten Entwicklungen spielen ABB und E.ON in die Hände

Die finnische Uniper (WKN:UNSE01)-Mutter Fortum (WKN:916660) hat Anfang März das Berliner Start-up PlugSurfing übernommen, welche eine Software-Plattform betreibt, die den Ladevorgang und das Bezahlen vereinfachen soll. Gleichzeitig wurde entschieden, sich aus den zuvor geplanten Investitionen in ein eigenes Ladenetz zurückziehen zu wollen. Man will sich lieber auf das Dienstleistungsgeschäft konzentrieren.

Der holländische Netzbetreiber und Partner Alliander denkt ähnlich. Er hat im Januar bekanntgegeben, dass die Tochter Allego an einen risikobereiteren Investor abgegeben werden soll. Der ambitionierte Ladelösungsspezialist ist europaweit aktiv und auch in Deutschland stark vertreten.

Könnte E.ON einer der strategischen Investoren sein, die bereits Interesse an Allego angemeldet haben? Denkbar wäre es. Durch eine Übernahme würde der Energieversorger wohl auf einen Schlag zur klaren Nummer 1 aufsteigen, zumal der am Sonntag verkündete spektakuläre Innogy (WKN:A2AADD)-Deal sowieso für einen enormen Sprung nach vorne sorgen könnte.

Sicher ist, dass über die kommenden Jahre viele Milliarden in Ladeinfrastruktur investiert werden. Politik, Autohersteller und Energieversorger haben alle erkannt, dass jetzt ein massiver Ausbau notwendig wird, wenn die Elektromobilität ein Erfolg werden soll.

Wie ABB vorangeht

ABB steht heute für automatisierte Fabriken, Hochspannungsnetze, Energiemanagement und besonders kräftige Elektromotoren. Sie startete letztes Jahr eine Innovationsstrategie und dazu passt auch die Schnellladetechnik, mit welcher der Konzern große Hoffnungen verbindet. Wenn man die einschlägige Berichterstattung verfolgt, dann deutet vieles darauf hin, dass ABB sich dort klar in der Pole-Position befindet, gerade was das obere Ende der technisch realisierbaren Ladeströme angeht. Seit Kurzem wird das auch dadurch deutlich gemacht, dass die Rennserie Formula E äußerst prominent mit dem Firmenlogo geschmückt wird.

Bei der Elektromobilität geht es ja auch nicht nur um Autos, sondern genauso um Busse, LKWs, Industriefahrzeuge und sogar Schiffe. Gerade in diesem Monat wurde die Lieferung von Schnellladestationen für Elektrobusse im norwegischen Trondheim verkündet. Das Besondere dabei ist die vollautomatische Verbindung von Bus und Ladearm von oben her. Die Nachfrage nach solchen Lösungen sei derzeit „immens“, wird ein verantwortlicher Vertreter von ABB zitiert.

Passend dazu ist auch das Engagement im Bereich der Erneuerbaren Energien beachtlich. Sowohl mit den Solar-Wechselrichtern (früher Power-One) als auch mit Generatoren und weiterer Ausrüstung für Wind- und Wasserkraftanlagen liegt ABB gut im Markt. Und weil mehr Elektromobilität und mehr dezentrale Stromerzeugung auch schlauere Stromnetze benötigt, profitiert der Konzern doppelt. Vom leistungsfähigen Kontrollzentrum bis zum Batteriegroßspeicher wird dann viel gebraucht und ABB kann vieles aus einer Hand liefern.

Je mehr Ladestationen installiert werden, desto schneller kommen die Elektrofahrzeuge auf die Straßen und desto mehr Zusatzgeschäft wird generiert. Das sind ausgezeichnete Aussichten, aber auch E.ON kommt gut voran.

Wie E.ON seine Position ausbaut

Schon in einem früheren Artikel argumentierte ich, dass ich Netzbetreibern wie E.ON die besten Chancen einräume, was die Eroberung von Marktanteilen angeht. Konsortien wie das von Autobauern initiierte Joint Venture Ionity traue ich nicht zu, dass sie langfristig unabhängig bleiben. Wahrscheinlicher ist, dass sie irgendwann bei einem Konkurrenten unterschlüpfen werden.

E.ON könnte einer der Konsolidierer sein, der am Ende eine dichte paneuropäische Ladeinfrastruktur betreibt. Gemeinsam mit dem dänischen Elektromobilitätsdienstleister CLEVER wird gerade ein Netzwerk entlang der europäischen Hauptverkehrsadern hochgezogen, während gleichzeitig die Zahl der sonstigen Ladepunkte in ausgewählten Regionen stark ausgebaut wird.

Zuletzt wurde eine strategische Partnerschaft mit Nissan (WKN:853686) verkündet, welche den Anspruch hat, sich von Dänemark aus europaweit auszudehnen. Das Besondere dabei ist der ganzheitliche Ansatz. Es geht nicht nur um die Ladeinfrastruktur selbst, sondern auch um die Netzintegration und die intelligente Verknüpfung mit Erneuerbaren Energien.

Wenn die leistungsfähigen Batterien der Fahrzeuge für die Zwischenspeicherung von billigem überschüssigem Netzstrom genutzt werden könnten und gleichzeitig bei Wind- und Sonnenflaute Energie zurückspeisen könnten (vehicle-to-grid, V2G), dann könnte es möglich sein, Ladestrom letztlich kostenlos zur Verfügung zu stellen, wie die Partner hoffen.

Das wäre natürlich eine tolle Sache für Autobesitzer und würde die Attraktivität sowohl der Elektromobilität allgemein als auch der E.ON-Ladelösungen im Speziellen extrem steigern. Bis dahin müssen aber sicherlich noch einige technische Herausforderungen gelöst werden. V2G ist jedenfalls aktuell ein heißes Thema, an dem viel geforscht wird und E.ON ist ganz vorne dabei.

Wie es jetzt weitergeht

Noch ist alles was mit der Elektromobilität zusammenhängt ziemlich unübersichtlich. Viele Spieler versuchen sich in dem Markt und die Strategien werden fließend an neue Bedingungen angepasst. Allerdings verbinden nur wenige Unternehmen Finanzkraft, Technologiestärke und das notwendige Engagement wie ABB und E.ON.

Dadurch, dass diese frühzeitig in den Markt eingestiegen sind, haben sie gegenüber den meisten direkten Konkurrenten einen Vorsprung und profitieren von Größenvorteilen. Deshalb sehe ich gute Chancen dafür, dass sie über die kommenden Jahre ihre Geschäfte in diesem Bereich massiv ausbauen können.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Uniper und Wertpapiere auf E.ON. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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