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Die Zwickmühle der Blockchain-Technologie

Foto: Getty Images.

Das letzte Jahr war eine einzige Party für Kryptowährungen, wobei der Gesamtwert der virtuellen Währungen um fast 600 Milliarden US-Dollar anstieg und das Jahr bei 613 Milliarden US-Dollar beendete. Dieser Zuwachs von mehr als 3.300 % markiert vielleicht das beste Jahr einer Anlageklasse in der Geschichte, und er hat die Aufmerksamkeit der Investoren gewiss erregt.

Obwohl es zahlreiche Wachstumstreiber gab, ist der Hauptgrund dahiner damals und heute das Aufkommen der Blockchain-Technologie.

Die Blockchain und ihre wichtigsten Vorteile

Was ist die Blockchain, fragst du dich? Es ist der digitale, verteilte und dezentrale Speicher, der an die meisten Kryptowährungen angebunden und für die Erfassung aller Transaktionen verantwortlich ist, ohne dass ein Finanzintermediär benötigt wird. Mit anderen Worten, es handelt sich um ein transparentes und unveränderliches Protokoll aller Transaktionen, bei denen Banken nicht als Dritte auftreten.

Die Blockchain, die mit der Einführung von Bitcoin im Jahr 2009 den Mainstream erreicht hat, ist ein direktes Ergebnis von Entwicklern, die Ineffizienzen mit dem aktuellen Bankensystem sehen. Zu diesen „Ineffizienzen“ gehören überhöhte Transaktionsgebühren von Banken und lange Bearbeitungszeiten, die teilweise bis zu fünf Geschäftstage in Anspruch nehmen. Die Blockchain zielt darauf ab, diese Probleme auf drei wesentliche Arten zu lösen.

Erstens, wie bereits erwähnt, ist die Blockchain dezentralisiert. Das ist ein ausgefallener Ausdruck dafür, dass die Daten einer Blockchain nicht an einem zentralen Ort gespeichert werden, sondern auf Festplatten und Servern in der ganzen Welt. Dies ist wichtig, da es verhindert, dass eine einzelne Person, ein Unternehmen oder ein Cyberkrimineller die Kontrolle über das Netzwerk erlangt. Daher wird davon ausgegangen, dass die Blockchain noch sicherer ist als das heutige Bankensystem.

Zweitens macht die Blockchain die Banken überflüssig. Alle Transaktionen in Blockchain-Netzwerken finden nur zwischen einem Sender und einem Empfänger statt, was die Transaktionsgebühren reduzieren könnte.

Da Blockchain-basierte Transaktionen 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche verarbeitet werden, können die Verarbeitungs- und Abwicklungszeiten, vor allem bei grenzüberschreitenden Transaktionen, auf wenige Sekunden von Tagen sinken. Die Fähigkeit, Geld in Echtzeit – oder fast in Echtzeit – zu bewegen, könnte für die Unternehmen ein großer Vorteil sein.

Es ist auch erwähnenswert, dass die Blockchain zwar ursprünglich dazu gedacht war, Peer-to-Peer-Überweisungen zu verbessern, aber auch in Nicht-Währungsanwendungen reichlich Potenzial besitzt. Unternehmen aus einer Vielzahl von Branchen und Industrien testen Blockchain-Plattformen, um Lieferketten transparenter zu machen, Kundenbindungsprogramme aufrechtzuerhalten, Krankenakten zu protokollieren oder sogar Blockchain-basierte IDs zu entwickeln.

Die Blockchain gewinnt an Fahrt

Obwohl es sich bei der Blockchain um eine relativ neue Technologie handelt, hat sie bei großen und kleinen Unternehmen schon Anwendung gefunden. Beispielsweise war IBM (WKN:851399) eines der am stärksten involvierten Unternehmen in der Blockchain-Revolution. Nachdem IBM zu spät zur Cloud-Computing-Party gekommen ist, stellt das Unternehmen jetzt sicher, dass es auf dem neuesten Stand der Blockchain-Entwicklung und -Tests ist.

Im Januar kündigten IBM und der Schifffahrtsriese A.P. Moller-Maersk (allgemein bekannt als Maersk) an, dass sie ein separates Joint Venture gründen würden, um Blockchain-Lösungen für die globale Schifffahrtsindustrie zu entwickeln. Ziel dieses Joint Ventures ist es, die Lieferketten transparenter zu gestalten, Papier zu eliminieren, Genehmigungen zu beschleunigen und Ineffizienzen zu reduzieren.

Auch die globalen Bankenriesen American Express (WKN:850226) und Banco Santander (WKN:858872) kündigten Mitte November eine Partnerschaft mit Ripple an. Im Rahmen der Vereinbarung können American Express-Mitglieder Nicht-Kartenzahlungen an britische Santander-Konten über AmExs FX International Payment Network senden und diese Transaktionen über Ripple abwickeln lassen. Ripple hat gemeint, dass diese grenzüberschreitenden Zahlungen praktisch sofort verarbeitet werden können, und die Transaktionsgebühr beträgt nur einen Bruchteil eines Cent.

Sogar Cisco Systems (WKN:878841) ist auf dem Vormarsch. Im Oktober reichte das Unternehmen beim US-Patentamt eine Marke für eine Blockchain-Plattform ein, die Internet-der-Dinge-Netzwerke regulieren soll. Cisco ist nämlich der unangefochtene König der drahtlosen Netzwerke. Laut Cisco würde eine solche Plattform drahtlose Geräte erkennen, ihre Vertrauenswürdigkeit feststellen und dies kontinuierlich für Geräte tun, die in das Netzwerk eindringen und es verlassen.

Die Möglichkeiten der Blockchain sind für das Big Business im Moment schier endlos.

Die Zwickmühle

Unglücklicherweise hat die Blockchain-Revolution auch ein Problem, eine klassische Zwickmühle.

Im Moment wird die Blockchain in Proof-of-Concept-Demos und kleinen Studien von Unternehmen auf der ganzen Welt getestet. Allerdings testet praktisch keines dieser Projekte die Blockchain in skalierbaren realen Szenarien. Mit anderen Worten, die Blockchain hat sich bewährt, wenn die Parameter relativ klein sind, aber es ist wenig darüber bekannt, was passieren würde, wenn Millionen von Transaktionen plötzlich über diese Netzwerke abgewickelt würden.

Hier ist das Problem: Die Unternehmen sind nicht bereit, die Blockchain in einem realen Umfeld zu nutzen, ohne dass die Technologie zuerst ihre Skalierbarkeit unter Beweis gestellt hat. Es gibt jedoch keine Möglichkeit, die Skalierbarkeit zu beweisen, wenn sich kein Unternehmen dazu verpflichtet, es in größerem Umfang zu testen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Blockchain nicht unbedingt nahtlos in bestimmte Branchen passt. Obwohl sie ein Gamechanger sein könnte, wenn sie sich als skalierbar erweist, könnte die Implementierung einer Blockchain einige Unternehmen dazu zwingen, die meisten oder alle ihrer alten Infrastrukturen zu entfernen und von Grund auf neu zu beginnen. Das ist ein sehr kostspieliger und zeitaufwendiger Prozess, der nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf.

Eine Handvoll Blockchain-Netzwerke haben bereits Schwächen aufgezeigt, die behoben werden müssen. Zum Beispiel, kurz nachdem IOTA im November auf der Bildfläche erschien, hat die übermäßige Nutzung seiner Blockchain das Netzwerk blockiert und die Transaktionsbearbeitungszeiten verlangsamt. Es gibt klare Befürchtungen, dass das Gleiche auch bei Ethereum und Ripple passieren könnte, wenn sie skaliert werden.

Kann die Blockchain die Proof-of-Concept-Phase hinter sich lassen? Das ist vielleicht die wichtigste Frage des Jahres 2018 für Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie.

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The Motley Fool besitzt eine Shortposition auf IBM. The Motley Fool besitzt keine der genannten Kryptowährungen.

Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 28.2.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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