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Wie unser Essen Krebs verursacht – Epigenetik heißt das neue Zauberwort dieser heißen Biotechs

Foto: Getty Images

Auch die Art unserer Nahrung entscheidet mit, ob Gene an- oder abgeschaltet werden. Damit tragen nicht nur Mutationen zur Krebsentstehung bei, sondern auch das An- oder Abschalten von Genen durch, allgemein gesagt, Umwelteinflüsse. Es gibt erste positive Ergebnisse aus klinischen Studien mit epigenetischen Wirkstoffen, sodass man die hier genannten Biotechs unbedingt auf dem Radar haben sollte.

Entstehung von Krebs

Warum bekommen auch Nichtraucher, die sich gesund ernähren und genügend Sport treiben, Krebs? Das fragen sich viele, wenn diese heimtückische Krankheit ausbricht. Nach heutigen Erkenntnissen ist es oftmals schlichtweg Pech, dass man erkrankt, denn schon eine Punktmutation kann zu Krebs führen. Und bei einer Punktmutation kommt es nur zum Austausch eines einzigen Moleküls (Base) in der schier unendlich langen Kette von Basen unserer Chromosomen.

Durch solch eine Mutation werden dann Gene angeschaltet, die unter normalen Umständen nicht aktiv sein dürfen, oder im Gegenteil wichtige Gene abgeschaltet, die dringend notwendig sind. Bei Brustkrebs beispielsweise ist HER2 ein Rezeptor für Wachstumsfaktoren. Sind auf Tumorzellen durch vorherige Mutation zu viele solcher HER2-Rezeptoren vorhanden, teilen sich die Zellen häufig und der Tumor wächst schnell und unkontrolliert.

Krebszellen entstehen täglich in unserem Körper, werden aber von unserem Immunsystem erkannt und eliminiert. Im Umkehrschluss heißt das, dass ein kräftiges Immunsystem die wichtigste Krebsvorsorge ist. Und für ein gesundes Immunsystem sorgen gesunde Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf.

Leider können neben Mutationen auch andere Mechanismen wie Strahlung oder Gifte direkt zur Entstehung von Krebs führen. Zudem gibt es interessante Ursachen, von denen man lange Zeit nichts wusste. Und genau hier setzt die Epigenetik an.

Epigenetik

Lange Zeit fragte man sich, wie die Aktivität bzw. das zeitlich begrenzte An- und Abschalten von Genen überhaupt funktioniert. Denn während wir als Kinder noch viele Wachstumsfaktoren brauchen, um in die Höhe zu schießen, ist das als Erwachsener unnötig und im Gegenteil schädlich.

Die Natur hat für die Genregulation drei wesentliche Wege gefunden, wie sie Gene an- oder abschalten kann:

  1. Bei der DNA-Methylierung werden Methylgruppen (CH3) an die DNA gehängt, wodurch das betreffende Gen abgeschaltet wird.
  2. DNA ist in Proteine verpackt, die Histone genannt werden. Chemische Veränderungen an diesen Histonen führen zur An- oder Abschaltung des betreffenden Gens je nach Art der chemischen Modifikation.
  3. Die Enden unserer Chromosomen werden Telomere genannt und sind extrem wichtig für die Stabilität der Chromosomen. Werden sie im Alter kürzer, steigt das Risiko für Krebs. Ein Enzym namens Telomerase sorgt für die Verlängerung der Chromosomenenden.

Wenn man also medikamentös falsche Methylierungen aufheben, fehlerhaft verpackte DNA richtig verschnüren und die zunehmende Verkürzung von Telomeren aufhalten kann, bieten sich neue Behandlungsmöglichkeiten für bestimmte Krebsarten.

Führende Biotechs in der Epigenetik

Da wir uns in einer sehr frühen Phase der Entwicklung befinden, beschränken sich die meisten Entwicklungen derzeit noch auf die Histone. Sogenannte Histon-Deacetylase-Inhibioren (HDAC) sind Moleküle, die das Enzym HDA blockieren und damit das Anhängen von chemischen Gruppen an Histone hemmen.

Mehrere solcher HDACs sind bereits zugelassen, etwa Zolinza von Merck (WKN:A0YD8Q) oder Istodax von Celgene (WKN:881244) bei T-Zell-Lymphomen sowie Farydak von Novartis (WKN:904278) beim Multiplen Myelom. Zumeist werden diese Medikamente in Kombination verabreicht und niemals sind sie die erste Wahl, sondern werden erst dann genutzt, wenn andere Therapien ohne Erfolg geblieben sind. Zudem gibt es häufig schwerste Nebenwirkungen.

Die deutsche 4SC (WKN:A14KL7) entwickelt den HDAC Resminostat bei T-Zell-Lymphom, Partner Yakult Honsha (WKN:865331) aus Japan arbeitet daran, ihn gegen Gallenblasenkrebs und in Kombination mit Nexavar von Bayer (WKN:BAY001) gegen Leberkrebs einzusetzen. In der klinischen Phase II konnte das Überleben bei Leberkrebs von 5,1 Monaten auf 13,7 Monate verlängert werden. Heilung ist hier aber nicht in Sicht.

Resminostat verstärkt sowohl die Empfindlichkeit von Krebszellen gegenüber natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) als auch die Fähigkeit von NK-Zellen, andere Zellen zu töten. Damit bieten sich Kombinationstherapien an, allerdings scheinen HDACs grundsätzlich nur bei einem Teil der Patienten Wirkung zu zeigen.

Die spanische Oryzon Genomics (WKN:A2ACV2) arbeitet deshalb an der 2. Generation epigenetischer Wirkstoffe, die anders als HDACs gezielter wirken und nicht wie eine Schrotflinte vorgehen. Ihr Wirkstoff ORY-1001 wird bei Leukämie und Lungenkrebs getestet. Er blockiert die Lysin-spezifische Demethylase 1 (LSD1), die 2004 als erste Histon-Methylase überhaupt identifiziert wurde.

Weiter ist da ein Biotech aus den USA, das an der nächsten Generation zellbasierter Immuntherapien arbeitet: NantKwest (WKN:A14XC6). Im Gegensatz zu den ersten zugelassenen CAR-T-Zelltherapien von Novartis und Gilead (WKN:885823) setzt man dort auf eine Zelllinie natürlicher Killerzellen, die beliebig vermehrt werden kann.

Zudem hat man Oberflächenmoleküle, die zum Abschalten natürlicher Killerzellen dienen und von Tumoren dafür ausgenutzt werden, eliminiert. Damit sind diese Killerzellen immer aktiv, können vorbereitet und eingefroren werden und sind quasi ab Lager verfügbar.

Als potenzielle Kombinationstherapie hat sich NantKwest den Zugriff auf den HDAC Tractinostat von Viracta gesichert, um im Bedarfsfall die Aktivität der Killerzellen weiter steigern zu können. Damit sollten sich vor allem solide Tumoren besser bekämpfen lassen, ein Bereich, in dem noch erheblicher Bedarf an neuen Therapien besteht.

Fazit

Die Entwicklung und das Verständnis epigenetischer Wirkstoffe sind noch in den Anfängen, sodass Aktien von 4SC oder Oryzon Genomics mit erheblichem Risiko behaftet sind. Aussichtsreicher und aus meiner Sicht weniger risikoreich aufgrund der vorhandenen Plattformtechnologie schätze ich daher NantKwest ein, die nach meinem Verständnis erhebliches Potenzial hat und die ganze Biotech-Landschaft aufmischen könnte.

Eine Anmerkung und ein Rat noch:

Darwin hatte unrecht, dass die Gene allein für die Vererbung von Merkmalen verantwortlich sind, denn auch das Epigenom (d. h. die chemischen Markierungen der DNA) wird mit vererbt und hat damit direkten Einfluss auf unsere Nachkommen.

Deshalb noch ein letzter Rat eines Fools zur Krebsvorsorge allgemein: Viel Obst und Gemüse und damit Flavonoide (Polyphenole) essen ohne künstliche Zufuhr, denn laut Deutschem Krebsforschungszentrum wird damit unser Epigenom positiv beeinflusst.

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Stefan Graupner besitzt Aktien von NantKwest. The Motley Fool besitzt Aktien von und empfiehlt Celgene und Gilead Sciences. The Motley Fool besitzt die folgende Optionsscheine: short Mai 2018 $85 Calls auf Gilead Sciences.

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