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Könnte Elon Musk den Satellitenmarkt verlieren?

Foto: The Motley Fool.

Als SpaceX am 6. Februar das größte Raketenschiff der Welt startete, schien das eine große Sache zu sein – aber nicht jeder ist beeindruckt.

Das Wall Street Journal, das den SpaceX-Falcon-Heavy-Start sah, schien verwirrt zu sein. Ja, die Falcon Heavy sei groß, gab das Journal zu. Aber als „Heavy-Lift-Booster“, so hieß es, sei sie dazu bestimmt, einen Markt zu bedienen, der unter „stark gesunkener kommerzieller Nachfrage“ und „unsicheren wirtschaftlichen Aussichten“ leide.

Das Problem sei, wie das Journal (richtig) bemerkte, dass dank der Fortschritte in der Raketentechnik, Elektronik und Materialtechnologie „sowohl die nationale Sicherheit als auch die Unternehmenssatelliten immer kleiner und leichter werden“ – und billiger.

Kleiner, schneller, billiger, besser

Das sind gute Nachrichten für kleine Raketenstarts wie die von Vector Launch, Virgin Orbit und Rocket Lab (die kürzlich ihren ersten Satelliten in den Orbit gebracht haben). Sie hoffen, von der steigenden Nachfrage nach einem billigem On-Demand-Zugang zum Orbit profitieren zu können. Somit scheint sich der Markt günstig zu entwickeln für Satelliten, deren Masse in Kilogramm, nicht in Tonnen gemessen wird. Dagegen wirkt der Start der Falcon Heavy von SpaceX – der darauf abzielt, 70 Tonnen Fracht in eine niedrige Erdumlaufbahn zu bringen – wie eine Lösung ohne Problem. Unter Berufung auf die mit dem Start verbundenen Ziele von SpaceX weist das Wall Street Journal darauf hin, dass das Unternehmen nur vier Verträge unterzeichnet hat, die die Schwerlastfähigkeiten der Falcon Heavy fordern. SpaceX‘ extrem niedrige Preise für den Weltraumstart haben die Falcon 9 unglaublich beliebt bei kommerziellen Satellitenstartern gemacht. Aber es scheint einfach nicht viel Nachfrage nach noch größeren Raketen wie der Falcon Heavy zu geben.

Krise und Chance

Und das ist in Ordnung. Musk scheint nicht wirklich mit kleinen Satellitenstarts konkurrieren zu wollen. Stattdessen ist er offenbar damit einverstanden, dass Unternehmen wie Virgin Orbit, Rocket Lab und Vector (gegründet von einem der ursprünglichen Partner von Musk bei SpaceX) diesen Markt erobern können.

Musk hat ganz andere Visionen: Er will den Mars besiedeln – einen Planeten, der Monate von der Erde entfernt ist. Selbst unter optimistischsten Voraussetzungen ist der Weg zu weit, um ihn in einer vergleichsweise winzigen Kapsel wie der Falcon Heavy zu erreichen. Damit eine Marsmission Aussicht auf Erfolg hat, braucht man entweder (1) ein wirklich großes Raketenschiff, das von der Erde zum Mars abhebt, oder alternativ beziehungsweise zusätzlich (2) eine wirklich große Rakete, die mehrere Teilstufen in die Erdumlaufbahn bringen kann, sie dort zusammenbauen und dann mit Treibstoff und Besatzung zum Mars bringen kann.

Wie dem auch sei, der ein oder andere träumt vielleicht davon, das weltweit größte Raketenschiff zu bauen. So hat Musk, nachdem er Anfang des Monats die Falcon Heavy gestartet hatte, darüber nachgedacht, dass das derzeit größte Raketenschiff der Welt für seine Zwecke eigentlich noch „ein bisschen klein“ sei.

Um seine Mars-Träume Wirklichkeit werden zu lassen, glaubt Musk, dass er ein noch größeres Raketenschiff braucht. Ein Schiff, das er BFR nennt. Bei einer Höhe von fast 350 Fuß und einem Gewicht von 4400 Tonnen wird die BFR wahrscheinlich aus zwei Hauptteilen bestehen: einem 190 Fuß hohen, 3200 Tonnen schweren Booster-Abschnitt der ersten Stufe und einem 157 Fuß hohen, 30 Fuß breiten, 1200 Tonnen schweren Raumschiff, das darüber angebracht ist. Das ist groß genug, um einige wirklich große Teile für die Montage im Orbit einzupacken.

Alternativ wäre die BFR groß genug, um ein Team von Kolonisten  den ganzen Weg zum Mars zu transportieren, und zwar relativ komfortabel.

Musk will ein Raumschiff, das groß genug ist, um so gut wie jede denkbare Mission zu bewältigen: Astronauten zum Mond oder Mars schicken, gigantische Raumschiffe im Orbit bauen, diese betanken und sogar Fracht (und Menschen) zwischen den Kontinenten auf der Erde transportieren.

Die BFR könnte übrigens auch supermassive Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen – genau wie die Falcon Heavy, aber in noch größerem Umfang. Ehrgeizige Ziele angesichts der Prognosen, dass sich der Markt auf Kleinsatelliten verlagert. Aber Elon Musk stört das offenbar nicht: Andere Unternehmen können den „Kleinkram“ haben, während er sich auf den großen Plan konzentriert, wirklich große Raketenschiffe für die interplanetare Raumfahrt zu entwerfen.

Was das Ganze für die Investoren bedeutet

Das wirft die Frage auf, was aus Boeing (WKN:850471), Lockheed Martin (WKN:894648), Orbital ATK, Aerojet Rocketdyne wird, die so hart daran arbeiten, ein Space Launch System (SLS) für die NASA zu bauen? Bis das SLS gebaut und getestet wird, wird SpaceX‘ Falcon Heavy das größte Raketenschiff der Erde bleiben – und dazu noch billiger. Wenn man rein wirtschaftliche Aspekte betrachtet, dann ist es wahrscheinlich, dass die Falcon Heavy den Hauptteil der großen Satellitenstartverträge bekommen wird.

Darüber hinaus ist SpaceX mit der Falcon Heavy flugerprobt und macht sich auf den Weg, die BFR zu bauen, die noch größer als das SLS und vermutlich auch günstiger zu betreiben sein wird. Wenn Musk und SpaceX mit ihrem neuesten kühnen Plan Erfolg haben, ist es durchaus möglich, dass die BFR, falls sie gebaut wird, nicht nur die Falcon Heavy überflüssig macht, sondern auch die SLS. Was werden Boeing, Lockheed und alle anderen dann tun?

Ich kenne die Antwort darauf nicht. Vielleicht wird Musk mit etwas Glück so beschäftigt sein, dass er nur an den Mars und andere Planeten denkt, so dass die Konkurrenz die Chance bekommt, Luft zu holen. Vielleicht aber auch nicht.

Was ich weiß, ist, dass ich nicht in Boeing und Lockheed investieren würde, da ich ein sehr hohes Risiko sehe, dass sie mit ihrem SLS-Projekt scheitern.

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The Motley Fool empfiehlt Orbital ATK.

Dieser Artikel wurde von Rich Smith auf Englisch verfasst und am 25.02.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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