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Gilead Sciences: Das Onkologie-Unternehmen?

Foto: Getty Images

Gilead Sciences (WKN:885823), das für seine revolutionären Behandlungen von Infektionskrankheiten wie Viread für HIV und Harvoni für Hepatitis C bekannt ist, ist gerade dabei, zellbasierte Krebstherapien als einen seiner zentralen Werttreiber zu machen.

Der Grund? Neue Wettbewerbsbedrohungen von Mavyret für Hep C von AbbVie (WKN:A1J84E) und Tivicay und Epivir für HIV von GlaxoSmithKline (WKN:940561) stellen derzeit die Dominanz des Biotech-Unternehmens in diesen beiden wichtigen Märkten in Frage. Aus diesem Grund hat Gilead nach neuen Wegen gesucht, um sowohl diese kurzfristigen Bedrohungen zu überwinden als auch eine nachhaltigere und langfristigere Wachstumskurve zu generieren.

Anscheinend hat Gilead eine Antwort in der adoptiven Zelltherapie gefunden — wie man an zwei neuen strategischen Zügen erkennen kann:

  1. Die jüngsten Übernahmen von Kite Pharma und Cell Design Labs durch Gilead haben den Grundstein für das Unternehmen gelegt, um eine branchenführende adoptive-Zelltherapie-Franchise aufzubauen.
  2. Der kürzlich abgeschlossene Lizenzvertrag mit Sangamo Therapeutics (WKN:936386) für die Zinkfingernuklease-Technologie hat Gilead in die Pflicht genommen, um womöglich eine Zelltherapie „von der Stange“ zu entwickeln.

Sollten die Investoren Gileads Vorstoß in die adoptive Zellentherapie begrüßen? Finden wir es heraus.

Die Risiken verstehen

Als Gilead schließlich eine dringend benötigte Übernahme tätigte, geschah dies auf eine außerordentlich riskante Art und Weise. Die Hep-C-Umsätze von Gilead sind nämlich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit geschrumpft, wofür zu einem großen Teil Mavyret von AbbVie verantwortlich ist.

Anstatt sofortige Umsätze zu generieren, entschied sich Gilead jedoch dafür, Kite Pharma mit der B-Zell-Lymphom-Behandlung Yescarta sowie die breitere Pipeline des Unternehmens mit zellbasierten Krebstherapien zu erwerben. Abgesehen davon, dass diese Übernahme keinen unmittelbaren Gewinnschub bringen wird, ist Gileads Vorstoß in die adoptive Telltherapie aus drei wesentlichen Gründen ein risikoreiches Unterfangen:

  1. Die gegenwärtigen adoptiven Zelltherapien weisen ernsthafte Sicherheitsprobleme auf, die ihren Einsatz auf spätere Behandlungslinien beschränken können (d.h. nur die Patienten, die nicht mehr auf den derzeitigen Standard der Versorgung ansprechen). Wenn diese Sicherheitsprobleme nicht überwunden werden können, werden adoptive Zelltherapien einfach nicht ihrem beträchtlichen kommerziellen Potenzial gerecht.
  2. Autologe CAR-T-Therapien wie Yescarta erfordern, dass die Patienten in spezialisierte Kliniken reisen, wo ihnen T-Zellen entnommen und dann gentechnisch verändert werden können. Dieser hochindividuelle Prozess ist sowohl zeitaufwändig und erfordert eine sehr spezielle Ausbildung. Menschliche Fehler, die zu unnötigen Todesfällen führen, ist auch hier ein echtes Problem, denn der Prozess lässt sich aus heutiger Sicht nicht standardisieren.
  3. Die Entwicklung sogenannter „von der Stange“- oder allogener Zelltherapien, die die beiden erstgenannten Risikofaktoren überwinden können, stecken noch in den Kinderschuhen. Tatsächlich könnte Gileads Position in der Zinkfingernuklease-Technologie zur Entwicklung von Zelltherapien von der Stange ein großer Fehler gewesen sein. Billigere und nutzerfreundlichere Plattformen wie CRISPR/Cas9 könnten schließlich zu schnelleren Innovationsraten bei Gileads Hauptkonkurrenten in der adoptiven Zelltherapie führen. Das wird sich zeigen.

Zusammenfassend stellt die adoptive Zelltherapie bezüglich ihrer Kommerzialisierung viele einzigartige Herausforderungen dar — keine von denen Gilead jemals zuvor mit seinen HIV- oder Hepatitis-C-Medikamenten konfrontiert wurde.

Die Gelegenheit

Die reale kommerzielle Chance, die sich aus zellbasierten Therapien ergibt, ist derzeit schwer, wenn nicht gar unmöglich, in irgendeiner sinnvollen Weise zu quantifizieren. Wenn die adoptive Zelltherapie nicht in z.B. früheren Behandlungslinien für verschiedene Blutkrebsarten Anwendung finden kann, werden sich die Multimilliarden-Dollar-Umsatzschätzungen für Yescarta und seine engsten Konkurrenten als völlig falsch herausstellen.

Auf der anderen Seite gibt es die wachsende Möglichkeit, dass adoptive Zelltherapien, wenn sie in Verbindung mit anderen Immuntherapien wie PD-1-Hemmern eingesetzt werden, letztendlich in den lukrativeren Markt für solide Tumore eindringen können. Darüber hinaus könnten diese neuartigen Zelltherapien sogar in der Behandlung von Nicht-Krebserkrankungen wie HIV angewandt werden. Adoptive Zelltherapien wären ihr Gewicht in Gold wert, wenn eine dieser Möglichkeiten Realität würde.

Die große Idee ist, dass es mindestens noch ein paar Jahre dauern wird, bis ein vernünftiger Umgang mit der Entwicklung des Marktes für adoptive Zelltherapie möglich ist. Mit anderen Worten könnte die adoptive Zelltherapie durch die Decke gehen. Sie könnte aufgrund von Herstellungsschwierigkeiten und Sicherheitsbedenken aber auch Probleme dabei haben, sich im Massenmarkt zu etablieren.

Ist Gileads Investiton in die Zelltherapie das Risiko wert?

Die Entscheidung von Gilead, in den Sektor der adoptiven Zelltherapie einzusteigen, ist sicherlich ein mutiger Schritt. Schließlich hätte das Biotech-Unternehmen seine beträchtlichen Geldmittel nutzen können, um mehrere ertragsgenerierende Konkurrenten nahezu risikofrei zu kaufen.

Wenn alles nach Plan verläuft, sollte diese strategische Investition in die adoptive Zelltherapie jedoch für ein gesundes Wachstum über einen außergewöhnlich langen Zeitraum sorgen. Neuartige Krebstherapien neigen dazu, im Allgemeinen ziemlich lange haltbar zu sein, und adoptive Zellentherapien gelten aufgrund ihres umfangreichen Herstellungsprozesses als besonders resistent gegenüber generischen (Biosimilar-)Fälschungen.

Allerdings hat sich die adoptive Zelltherapie aus kommerzieller Sicht immer noch nicht bewiesen, und viele potenzielle Gefahren liegen noch vor uns. Der Sektor wird sich in rasantem Tempo weiterentwickeln. Ob Gileads Übernahmen von Kite und Cell Design Labs sowie der Lizenzvertrag mit Sangamo ausreichen werden, um Schritt zu halten, bleibt abzuwarten.

Alles in allem nimmt das zellbasierte Onkologieprojekt von Gilead erst allmählich Gestalt an, und es gibt noch zahlreiche Herausforderungen. Aus diesem Grund sollten die Anleger diesem unvollständigen Bereich aus Bewertungssicht wahrscheinlich noch nicht viel Gewicht beimessen. In diesem sehr frühen Stadium überwiegen nämlich die bestehenden Risiken einer adoptiven Zelltherapie noch.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Gilead Sciences. The Motley Fool empfiehlt EDIT.

Dieser Artikel wurde von Todd Campbell auf Englisch verfasst und am 23.02.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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