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Ist Bitcoin too big too fail?

Foto: Getty Images

Als es vor wenigen Wochen steil bergab ging mit Bitcoin und den meisten anderen Kryptowährungen, haben viele Skeptiker bereits triumphiert: das war´s, Ende Gelände, Schluss mit dem Spektakel!

Aber Fehlanzeige: Die Hintermänner und Groß-„Investoren“ des Systems werden immer wieder von vielen Seiten maßlos unterschätzt (zugegebenermaßen anfangs auch von mir). Man muss sich in deren Lage versetzen, um eine Idee davon zu bekommen, wie es mit Bitcoin weitergehen könnte.

Das System muss leben

Halbleiter-Lieferanten wie NVIDIA (WKN:918422) haben sich über die letzten Jahre ein schönes Zubrot mit den „Schürfern“ (Miner) verdient. Weltweit wurden wohl mehrere Milliarden Euro allein in Bitcoin-Hardware investiert. Zudem wurden Millionen Tonnen real geschürfte Braun- und Steinkohle verbrannt, um diese Hardware mit Volllast zu betreiben.

Das sind gewaltige Summen, die erst mal eingespielt werden müssen. Je länger das System aufrechterhalten werden kann, desto besser stehen die Chancen, dass eine gute Rendite für die Betreiber herauskommt. Schließlich verdienen die Schürfer nicht nur an den Prämien für den Abschluss eines Blocks, sondern auch an den Transaktionsentgelten.

Allerdings erfolgt die Bezahlung ja lediglich in Bitcoins, mit denen zunächst relativ wenig anzufangen ist. Es müssen also auch Wege gefunden werden, diese möglichst gut zu monetarisieren.

Wohin mit den vielen Coins?

Wenn du einer der Hintermänner wärst, der in der Frühzeit des Systems extrem günstig viele Tausend Bitcoins eingesammelt hätte – oder ein Miner, der Millionen in sein Equipment investiert hat – was würdest du jetzt tun?

Der erste Gedanke ist vielleicht, alles auf einmal zu verkaufen, solange noch vier- oder gar fünfstellige Preise bezahlt werden. Aber das würde nicht ganz so viel einbringen, weil der Kurs rapide in den Keller ginge. Im Extremfall bräche das System sogar völlig zusammen, weil die Anzahl der schürfenden Knoten mangels Ertrag ebenfalls einbrechen würde. Folglich ist es aus Sicht der Bitcoin-Könige besser, die Stücke langsam in den Markt zu geben und darauf zu hoffen, dass die Illusion des ewigen Wachstums noch lange erhalten bleibt.

Wer dafür sorgt

Es gibt eine kleine, aber einflussreiche Teilnehmergruppe, die ein noch stärkeres Interesse am Erhalt des Krypto-Hypes hat: die ganzen Handelsplattformen, einschließlich den Plattformen für hochspekulative Differenzkontrakte (CFD). Deren Betreiber, darunter CMC Markets (WKN:A0J2VP) oder auch die deutsche Bitcoin Group (WKN:A1TNV9), verbuchen zum Teil stattliche Gewinne an diesem ganzen Spektakel und zwar direkt in Hartgeld. Sollte Bitcoin abstürzen, dann ist Schluss mit dem Reibach.

Man kann es nur vermuten, aber ich halte es für wahrscheinlich, dass einige davon sogar regelmäßig zum Mittel der Kursstützung greifen. Sie können es sich leisten: die ganze Traderei hat sie so reich gemacht, dass sie sogar bei einigen der teuersten Fußballclubs Europas als Hauptsponsor auftreten können.

Gleichzeitig haben sie großen Einfluss auf einschlägige Internetmedien, worüber sie jederzeit konzertierte Aktionen starten können. Da wird also zunächst der Kurs wie zuletzt über die psychologisch wichtige Marke von 10.000 US-Dollar gehievt und dann werden die üblichen Pressemeldungen lanciert – von den Wahnsinnskurszielen, von den plötzlich einsteigenden Milliardären, von neuen Akzeptanzstellen, von angeblich begeisterten Banken und von neuen Rahmenbedingungen in fremden Ländern.

Wer sich wie Peter Thiel dafür hergibt, der hat wahrscheinlich selbst Anteile an einer der Geldmaschinen – so richtig wissen tut man es aber nur bei den berüchtigten Winklevoss-Zwillingen, die auf dem Papier mit Bitcoins Milliardäre geworden sind und deren Gemini-Plattform als Basis für die Kursfeststellung der noch neuen Futures von Cboe Global Markets (WKN:A1CZTX) dient. Da scheint alles mit allem verwoben, sodass man fast paranoid werden könnte (nebenbei bemerkt: ob die sagenumwobenen Illuminati hinter Bitcoin stehen, ist tatsächlich eine häufig gestellte Frage im Internet).

Nicht umsonst nennt Jordan Belfort (bekannt als „Wolf of Wall Street“) das System den „größten Betrug aller Zeiten“. Es ist jedenfalls ein überaus ausgefeiltes Spiel, das immer wieder genug Interessierte anlockt. Somit gelingt es bisher in der Regel wohl auch problemlos, die in den vermuteten Stützungsaktionen aufgekauften Coins kursschonend und ohne Verluste wieder an den Markt abzugeben.

So könnte es jetzt weitergehen

Bitcoin darf nicht sterben, es steht einfach zu viel auf dem Spiel für diejenigen, die bereits riesige Bestände aufgehäuft, in massive hochspezialisierte Rechenzentren investiert oder mit einigem Aufwand erfolgreiche Handelsplattformen etabliert haben.

Mit schwer durchschaubaren Tricks gelingt es erfolgreich, die Erfolgsstory auszudehnen, selbst wenn jetzt schon einige Monate keine neuen Höchstkurse mehr erzielt werden konnten. Ich rechne daher damit, dass die Plattformbetreiber noch eine gute Zeit lang schöne Gewinne einfahren können, während die Bitcoin-Könige auf leisen Sohlen aus ihren Coins ein reales Vermögen machen.

Trotzdem stößt das System aus meiner Sicht mehr und mehr an seine Grenzen, denn der Aufwand, um Neueinsteiger anzulocken, wird immer größer. Der für dieses Jahr von mir vorausgesagte Bitcoin-Krieg ist in vollem Gange!

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien und Kryptowährungen. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Nvidia. The Motley Fool empfiehlt Cboe Global Markets.

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