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Autonomes Fahren: Deutsche Zulieferer blasen zur Gegenoffensive und Hella entwickelt sich zum Geheimtipp

Bild: continental-mediacenter.com

Uber, Tesla (WKN:A1CX3T) und Alphabets Waymo trommelten bisher am lautesten, wenn es um autonome Fahrzeuge und Robotertaxis ging. Die Analysten von Navigant Research schätzen hingegen derzeit klassische Hersteller wie General Motors, Ford und Renault-Nissan am fortschrittlichsten ein. Aber wo bleiben die großen deutschen Zulieferer? Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass die einen wichtigen Trend verpasst hätten.

Noch wird es jedoch ein paar Jahre dauern, bis komplett selbständig fahrende Autos in größerer Stückzahl auf die Straßen kommen und bei ZF, Hella (WKN:A13SX2), Continental (WKN:543900) und Bosch hat sich zuletzt eine Menge getan. Die Chancen stehen gut, dass sie nun auf die Überholspur kommen – wenn auch nicht ganz automatisch.

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Es gibt nicht den einen großen Spieler

Wenn es heißt, dass Ford, Daimler (WKN:710000) oder Waymo neue Lösungen für das autonome Fahren entwickelt haben, dann ist das nie die alleinige Leistung dieser Unternehmen. Das Thema ist so komplex, dass Netzwerke von Spezialisten erforderlich sind. Es werden diverse ausgefeilte Halbleiter-Chips, Software-Module, Spezialkameras und Sensoren benötigt.

Selbst ein Megakonzern wie Samsung (WKN:881823) braucht da starke Partner. Gemeinsam mit diesen präsentierten sich die Koreaner zuletzt auf der CES-Messe. Für die sichere Informationsverarbeitung werden beispielsweise Microcontroller von Infineon (WKN:623100) benötigt und für die intelligente Bildverarbeitung die Hella-Tochter Aglaia (dazu gleich noch mehr).

Was die deutschen Zulieferer beitragen

Unter den Zulieferern wird von den Experten von Navigant neben der amerikanischen Delphi Automotive (WKN:A1JPLB) die Technologiestärke der deutschen ZF am höchsten eingeschätzt. Auch sie kooperiert mit Hella Aglaia. Im Juni 2017 sind die beiden eine Allianz mit dem Chip-Hersteller NVIDIA (WKN:918422) eingegangen. Darüber hinaus streckt ZF die Fühler nach China aus: Mitte Januar wurde eine Zusammenarbeit mit dem dortigen Autohersteller Chery verkündet.

Wie bereits bei den Elektromotoren (EM-motive Joint Venture) bilden Bosch und Daimler beim autonomen Fahren eine Spätzle-Connection. Anfang Februar wurde vereinbart, dass man gemeinsam vollautomatisierte und fahrerlose Systeme zur Serienreife führen will. Chipseitig setzen auch die Stuttgarter auf NVIDIA und Infineon. Dass Bosch seit diesem Jahr ebenfalls beim Kartendienst HERE beteiligt ist, stellt sicherlich ebenfalls keinen Nachteil dar.

Dort hat sich gleichzeitig auch Continental eingekauft, welche ihrerseits umfassende Lösungen für das automatisierte Fahren vorantreibt. Die Hannoveraner haben sich Mitte 2017 bei BMW (WKN:519000) drangehängt. Gemeinsam mit den Münchnern setzt man auf Intel (WKN:855681) mit ihrer Bildverarbeitungs-Tochter Mobileye. Daneben wurde vor wenigen Wochen NVIDIA hinzugezogen, um zusammen Robotertaxis und Ähnliches (Autonomie-Level 5) realisieren zu können. Gleichzeitig arbeitet die Softwareentwicklungstochter Elektrobit mit Infineon-Konkurrent NXP (WKN:A1C5WJ), um System-Komplexität herauszunehmen und Dritten eine Architektur für die Lösungsentwicklung bereitzustellen.

Offenbar konkurrierend zu Conti helfen allerdings die Austro-Kanadier von Magna International (WKN:868610) seit Oktober sowie Delphi seit Mai 2017 den anderen Partnern dabei, die Technik zur Marktreife zu führen. BMW will mit dieser mehrgleisigen Strategie wohl sicherstellen, dass man am Ende eine globale Lösung zur Verfügung hat, die sich mit den Besten messen kann – ein kompliziertes Geschäft.

Ausgezeichnete Chancen für deutsche Technologielieferanten und -integratoren

Bei Hochleistungs-Chips für die Bildverarbeitung können deutsche Anbieter nicht mithalten. Das kann man im Silicon Valley und in Asien besser. Aber vor allem wenn es darum geht, alle Einzelteile zu einer Gesamtlösung zu integrieren, ist deren Know-how gefragt. Die Stiftungskonzerne ZF und Bosch sind sicherlich an vorderster Front dabei und auch Continental hat eine Menge zu bieten, zumal deren Tochter Elektrobit sehr stark einzuschätzen ist. Daneben ist Infineon als Systemlieferant ausgezeichnet positioniert.

Besonders spannend finde ich aber, wie sich der Lichtspezialist Hella mit seiner bereits 2006 übernommenen Tochter Aglaia auf diesem Gebiet entwickelt. Das Elektronik-Kompetenzzentrum wurde seither konsequent ausgebaut und zählt heute zu den Technologieführern, wie die hochrangigen Partnerschaften belegen. Schon nächstes Jahr soll ein Baukastensystem als offene Plattform auf den Markt kommen, mit dem Kunden individuelle und flexibel erweiterbare Fahrerassistenz-Systeme schaffen können.

Das wirkt auf mich schon sehr selbstbewusst. Wenn man bedenkt, dass Intel 2015 für den Marktführer Mobileye gut 15 Mrd. US-Dollar hingelegt hat und der gesamte Hella-Konzern mit nur gut 6 Mrd. bewertet wird (Schluss 19.02.), lässt sich das gewaltige Potenzial erahnen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A- und C-Aktien), Ford, Nvidia und Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW, Daimler, Hella, Intel und NXP Semiconductors.

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