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Gazproms gefährdetes Milliardenprojekt Nord Stream 2: Können wenigstens China und Türkei die Aktionäre belohnen?

Foto: Gazprom

Zuletzt gab es wieder neue Nachrichten um Nord Stream 2, die arg an das erinnern, was wir in der Vergangenheit immer wieder zu hören oder lesen bekamen. Die Kritik an Gazproms (WKN:903276) Großprojekt reißt einfach nicht ab.

So hat die polnische Regierung bei einem Treffen in Berlin wieder ihre Ablehnung gegen die geplante Gaspipeline klargestellt und arbeitet anscheinend sogar daran, eine eigene Ostsee-Pipeline zu bauen. Auch die USA sprachen vor wenigen Tagen wieder einmal von ihrer „entschiedenen Ablehnung“ gegen Nord Stream 2.

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Es gibt allerdings nicht nur Kritik. Deutschland beharrt weiterhin auf einer rational wirtschaftlichen Logik und verteidigt das Projekt. So hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel erst vor wenigen Tagen für Nord Stream 2 ausgesprochen und Außenminister Sigmar Gabriel forderte einen Abbau der Russland-Sanktionen, die den Bau von Nord Stream 2 enorm beeinträchtigen könnten.

Das heißt, es besteht weiterhin erhebliche Unsicherheit und als Gazprom-Aktionär kann man sich nun fragen, ob es für den Fall des endgültigen Scheiterns des Großprojekts andere Wachstumsprojekte gibt, die kompensieren könnten. Die sich gerade im Bau befindlichen Pipelines in die Türkei und nach China machen Hoffnung.

TurkStream und Power of Siberia heißen die anderen Großprojekte

Auch wenn in Europa natürlich die gesamte Aufmerksamkeit auf Nord Stream 2 gerichtet ist, sollte man nicht vergessen, dass Gazprom auch andere Exportmärkte erschließt.

So wird gerade die Pipeline TurkStream durch das Schwarze Meer gelegt, die bereits circa zur Hälfte fertiggestellt ist. Sie soll einerseits den bevölkerungsreichen türkischen Markt bedienen, aber russisches Gas auch für Südosteuropa zugänglich machen. Um die Nähe zu mehreren Märkten zu gewährleisten, wurde als Endpunkt Lüleburgaz westlich von Istanbul gewählt, das sich einerseits nah an der Millionenmetropole sowie an Bulgarien und Griechenland befindet.

Noch offensichtlicher als die Türkei benötigt China große Mengen Erdgas. Die Regierung in Peking will weg von der schmutzigen Kohle, um endlich die Luft in den Ballungszentren zu verbessern, weshalb es nicht überrascht, dass Gazprom hier von einem stark wachsenden Erdgasmarkt ausgeht. Laut Gazprom dürfte der jährliche Bedarf in China von circa 200 Mrd. Kubikmetern im Jahr 2016 auf bald 300 Mrd. Kubikmeter steigen. Deshalb wird Gazprom diesen riesigen Markt auch schon bald mit der Pipeline Power of Siberia versorgen, die bereits zu mehr als der Hälfte fertiggestellt worden ist.

Kein Nord Stream 2, aber immerhin

Das heißt, dass Gazprom gerade an drei großen neuen Exportprojekten arbeitet, von denen nur Nord Stream 2 droht wegzufallen. Die Frage ist nun, ob TurkStream und Power of Siberia ähnliche Größenordnungen wie Nord Stream 2 haben:

geplante Pipeline jährliche Kapazität, in Mrd. Kubikmeter
Nord Stream 2 55
TurkStream 31,5
Power of Siberia 38

Quelle: Präsentation Gazprom Investor Day 2018

Wie man sieht, ist an der Kapazität gemessen Nord Stream 2 zwar das größte geplante Pipelineprojekt, allerdings werden auch TurkStream und Power of Siberia Gazproms Exportkapazitäten umfangreich erweitern, zusammen sind sie mit einer jährlichen Kapazität in Höhe von 69,5 Mrd. Kubikmetern sogar deutlich größer als Nord Stream 2. Zum Vergleich: 2017 hat Gazprom nach Europa, sein wichtigster Exportmarkt, 193,9 Mrd. Kubikmeter geliefert.

Auch wenn mit verschiedenen Pipelines verschiedene Kosten verbunden sind und verschiedene Durchschnittspreise erzielt werden (besonders den Chinesen sagt man hartes Verhandeln nach), hat Gazprom auch andere Möglichkeiten als Nord Stream 2, um seine Exportkapazitäten zu steigern.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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