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Die Probleme mit dem A320neo-Triebwerk von Airbus gehen einfach nicht weg

Foto: The Motley Fool.

Die hochmodernen GTF-Triebwerke von Pratt & Whitneys fanden bei den Fachbesuchern viel Anerkennung. Die Tochtergesellschaft von United Technologies (WKN:852759) hat umfangreiche Verbesserungen in Bezug auf Kraftstoffeffizienz, Emissionen und Lärm vorgenommen. Jedoch hat Pratt & Whitneys Schwierigkeiten, zuverlässige Versionen ihres revolutionären Motors zu produzieren.

Solche „Kinderkrankheiten“ kommen bei neuen Motorkonstruktionen relativ häufig vor. Allerdings steht hier besonders viel auf dem Spiel, denn das GTF-Triebwerk von Pratt & Whitney ist eine von zwei Triebwerksoptionen für die außerordentlich beliebte Airbus (WKN:938914) A320neo-Familie. Wenn United Technologies die aktuellen Probleme nicht schnell behebt, könnten potenzielle Kunden zu einem konkurrierenden Triebwerkshersteller überlaufen: CFM, ein Joint Venture von General Electric (WKN:851144) und Safran.

Hinterherlaufen

Die Airbus-A320neo-Familie ist die am schnellsten verkaufte Jet-Familie der Geschichte. Airbus schloss den Januar 2018 mit einem Auftragsbestand von 5750 Aufträgen ab – genug, um seine Produktionslinien für fast ein Jahrzehnt am Laufen zu halten.

Doch hat Airbus Schwierigkeiten, die Jets an die Kunden auszuliefern und sicherzustellen, dass sie danach zuverlässig arbeiten. In den ersten zwei Jahren nach ihrer Einführung waren die Motoren von Pratt & Whitney von Fehlern betroffen, die mit der Ventilatorschaufel, einer Öldichtung und der Brennkammerauskleidung zusammenhingen.

Obwohl Pratt & Whitney all diese Probleme lösen konnte, verlangsamten diese Schwierigkeiten die Produktion. Zudem mussten zahlreiche Triebwerke ersetzt werden, sodass nicht mehr genug Triebwerke für neue Jets zur Verfügung stehen. Inzwischen wuchs die Frustration über die Verzögerungen und Probleme bei Airbus und dessen Kunden.

Doch auch das konkurrierende Triebwerk CFM LEAP hatte einige Anlaufschwierigkeiten. Die Produktion von CFM liegt etwa einen Monat hinter dem Zeitplan. Dennoch liegt Pratt & Whitney sowohl bei der Termintreue als auch bei der Zuverlässigkeit weit hinter seinem Konkurrenten zurück.

Ein neues Problem taucht auf

Die Produktionsprobleme von Pratt & Whitney führten in den Jahren 2016 und 2017 dazu, dass sich A320neo-Käufer CFM zuwandten. Doch Ende 2017 schien es, als hätte die United-Technologies-Tochter endlich alles unter Kontrolle. Dies führte zu einer Belebung der Auftragslage.

Diese Hoffnungen wurden Ende letzter Woche zunichte gemacht, als Airbus und Pratt & Whitney ein neues Problem im Zusammenhang mit einer „Versiegelung“ an bestimmten Triebwerken vermeldeten. Dieses Problem hatte offenbar mehrere Triebwerksabschaltungen während des Fluges verursacht. Die beiden Unternehmen arbeiten daran, dass eine Lösung von den Aufsichtsbehörden genehmigt wird. In der Zwischenzeit haben sie alle Lieferungen von A320neos mit GTF-Antrieb von Pratt & Whitney gestoppt.

Von diesem Defekt sind laut Bloomberg 43 in Betrieb befindliche Triebwerke sowie zahlreiche noch nicht ausgelieferte Triebwerke betroffen. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit hat die Fluggesellschaften angewiesen, Flugzeuge mit zwei defekten Triebwerken zu sperren. Flugzeuge, bei denen nur ein Triebwerk betroffen ist, dürfen bestimmte Langstreckenrouten nicht bedienen.

Es ist noch zu früh für eine Prognose, ob Pratt & Whitney und Airbus sich von diesem Rückschlag erholen werden und ihre Auslieferungsziele für 2018 erreichen können. Allerdings sind die Aussichten heute deutlich schlechter als zu Beginn des Jahres.

Eine Möglichkeit für GE?

Da Pratt & Whitney bei der Ausweitung der GTF-Produktion vor neuen Schwierigkeiten steht, hat General Electric eine gute Chance, den Auftragsbestand in seinem CFM-Joint-Venture auszubauen. Schließlich wollen die Fluggesellschaften sicher sein, dass sie ihre Flugzeuge pünktlich erhalten und diese zuverlässig arbeiten.

Bei einem erheblichen Teil der ausstehenden A320neo-Bestellungen wurde noch keine Triebwerksauswahl getroffen. So gibt es eine Vielzahl von Triebwerksaufträgen, die es zu gewinnen gilt. Darüber hinaus verkauft Airbus jedes Jahr Hunderte von A320neos. Und wenn sich Fluggesellschaften wegen der Produktionseinschränkungen von Airbus an Boeing wenden, wird CFM gewinnen, weil das Unternehmen der einzige Triebwerkslieferant für die 737 ist.

Analysten sehen die Aktie von General Electric auf ein Mehrjahrestief fallen und warnen vor schwachen Renditen sowie möglichen Liquiditätsengpässen. Diese Analysten scheinen jedoch die glänzende finanzielle Performance und den starken Wachstumskurs des Luftfahrtgeschäfts von GE völlig zu ignorieren. Die anhaltenden Produktionsprobleme von Pratt & Whitney werden die Wachstumschancen von GE Aviation nur noch verstärken.

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The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Adam Levine-Weinberg auf Englisch verfasst und am 13.02.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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