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Chinesische Internet-Giganten investieren in Einkaufszentren

Foto: Alibabagroup.com

Die chinesischen Internet-Giganten Alibaba (WKN:850471) und Tencent (WKN:A1138D) ändern den Kurs und richten ihren Blick auf Einkaufszentren, wobei Alibaba im November eine 36-%-Beteiligung am „Hyperstore“ Unternehmen Sun Art Retail Group übernahm (eine Mischung aus Lebensmittelhandel und Kaufhaus) und Tencent kurz darauf eine 5-%-Beteiligung an Yonghui Superstores.

Tencent setzte die Shoppingtour in der vergangenen Woche mit einer weiteren hochkarätigen Investition fort und kündigte eine Beteiligung am Immobilienunternehmen Dalian Wanda Commercial Group an. Es scheint, als ob sie dafür einen guten Preis zahlen wollen.

Was ist Wanda?

Die Wanda Commercial Properties Group ist eine Tochtergesellschaft der Wanda Group, einer Holdinggesellschaft von Wang Jianlin, einem der reichsten Männer Chinas. Das Unternehmen baut Wanda Plazas, das sind Zentren mit Einkaufs-, Unterhaltungs- und Wanda-Hotels an einem einzigen Standort. Bis Ende 2017 sind rund 287 Wanda Plazas in ganz China entstanden.

Die Wanda Commercial Property Group war früher an der Börse in Hongkong notiert, dann aber kaufte eine Investorengruppe eine 14-%-Beteiligung, um sie 2016 aus dem öffentlichen Handel zu nehmen. Dahinter stand die Idee, später das Unternehmen in Shanghai wieder an die Börse zu bringen, denn dort liegen die Bewertungen besser. Wanda hatte jedoch für den Börsengang im kommenden Jahr eine Frist einzuhalten und brauchte daher Unterstützung, wenn es länger privat bleiben wollte.

Tencents Argumente

Eine Investorengruppe, bestehend aus dem Onlinehändler für Haushaltselektronik Suning und dem Immobilienentwickler Sunac China Holdings Ltd. (der bereits den Themenpark von Wanda erworben hatte), sowie Tencent und JD.com (WKN:A112ST) in der Führungsrolle, erwarb für etwa 5,4 Milliarden US-Dollar die besagte 14-%-Beteiligung für eine 20-prozentige Prämie. Die Tencent-JD-Gruppe zahlt damit nur knapp über Buchwert,  was einen erheblichen Rabatt im Vergleich zu anderen Unternehmen in der Immobilienbranche bedeutet.

Der Grund für den Rabatt liegt darin, dass sowohl die chinesische Regierung als auch Rating-Agenturen Bedenken hinsichtlich der ausländischen Investitionen der Wanda-Gruppe geäußert haben. Das betrifft insbesondere den amerikanischen Filmproduzenten Legendary Entertainment und den Kinobetreiber AMC Entertainment (WKN:A1W90H), aber auch die beträchtliche Schuldenlast, von der etwa 1,5 Milliarden US-Dollar im Mai fällig werden. Darüber hinaus hätten ehemalige Investoren das Recht gehabt, sich bis September sich mit einem Aufschlag von 10 % loszukaufen zu lassen, wenn es keinen Börsengang gegeben hätte.

Die Investition von Tencent und JD ist daher eine gute Sache, da sich Wanda keine Sorgen um die Schuldenrückzahlung mehr machen muss, oder etwa das Relisting bis September beschleunigen müsste. Durch die Tencent-Beteiligung kann ein Relisting in Shanghai eine viel höhere Bewertung erhalten.

Für Tencent sieht es auch ohne jegliche strategische Integration zwischen den beiden Beteiligten ganz so aus, als würde das Unternehmen als Privatinvestor in der späten Phase Geld verdienen. Tencent’s „Super-App“ WeChat könnte in der Lage sein, die Kaufdaten chinesischer Kunden online und in Wanda Plazas zu nutzen, um Konsumenten über digitale Anzeigen besser ansprechen zu können. Der Kauf von Wanda könnte auch dabei helfen, das mobile Bezahlsystem Tenpay zu pushen, und damit dem rivalisierenden Alipay-Zahlsystem von Alibaba dicht auf den Fersen zu bleiben.

Tencent übernimmt China

Tencent und Alibaba, jeweils mit kapitalschwachen Kerngeschäften, scheinen in einem Wettlauf zu sein, um so viel Geld wie möglich in die chinesische Wirtschaft zu reinvestieren und verschiedene Übernahmen – plus Daten, die sie generieren – in ihre Kernplattformen zu integrieren. Tencent scheint auch seine schlagkräftige Position zu nutzen, um sehr geschickt Rabatte auszuhandeln. Mit der Übernahme von Wanda tat Tencent neben den Beteiligungen an Yonghui und an den chinesischen E-Commerce-Plattformen JD und Vipshop einen weiteren wichtigen Schritt, um die großen chinesischen Handelsplattformen außerhalb von Alibaba unter seiner indirekten Kontrolle zu konsolidieren.

Der Wanda-Coup scheint wie ein weiterer guter Deal für Tencent zu sein, das immer mehr wie eine Beteiligungsholding aussieht, ähnlich einer Tech-Version von Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Die Anleger sollten Tencent und den Konkurrenten Alibaba zur Kenntnis nehmen, da sie sich anschicken, einen Großteil der chinesischen Wirtschaft unter nur zwei Unternehmensdächern zu vereinen..

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Berkshire Hathaway (B-Aktien), JD.com und Tencent Holdings. 

Dieser Artikel wurde von Billy Duberstein auf Englisch verfasst und wurde am 7.2.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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