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Wie konnte Warren Buffett sich nur so irren?

Foto: The Motley Fool

„Und Wells … Man kann Wells Fargo nicht die Kundenbasis wegnehmen. Sie wächst mit jedem Quartal. Und auch nicht das Geld, das man mit diesen Kunden verdient. Man verdient Geld damit, indem man eine große Gewinnspanne auf die Vermögenswerte hat und nichts Dummes macht. Und das ist genau das, was sie eigentlich tun.“

Das ist ein Zitat aus einem Interview, das der CEO von Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2), Warren Buffett, 2009 mit dem Fortune Magazin führte.

Wenn du schon seit einiger Zeit Leser von The Motley Fool bist, dann weißt du, dass wir dazu neigen, eine ziemlich hohe Meinung von Mr. Buffett zu haben. Und wenn du irgendwelche Nachrichten über Wells Fargo (WKN:857949) in den letzten Tagen gelesen hast – wovon Berkshire etwa 10 % besitzt und was ungefähr 29 Milliarden US-Dollar entspricht – dann hast du vielleicht bemerkt, dass es in letzter Zeit für die Bank nicht so toll läuft.

Die Bank ist aktuell mit zahlreichen Governance- und Management-Skandalen konfrontiert. Vor allem die Eröffnung von 3,5 Millionen unautorisierten Konten für seine Kunden hat eingeschlagen. Die US-Notenbank hat Wells Fargo kürzlich einen ziemlichen Denkzettel verpasst, indem das Wachstum der Bank eingeschränkt wurde, bis sinnvolle Änderungen an der Unternehmensführung vorgenommen werden. Daraufhin verlor die Aktie 10 % ihres Wertes.

So sehr wir Buffett für seine Erfolge loben, so sehr müssen wir seine Fehltritte genau unter die Lupe nehmen – wenn auch aus keinem anderen Grund, als zu sehen, was wir daraus lernen können.

Das Erste, was bei Wells Fargo schief gelaufen ist: unvermeidliche Veränderung

Buffett begann im Jahr 1989, seine Position von Wells Fargo aufzubauen. Damals lobte er das Management als einen der Hauptgründe, warum er die Aktien der Bank kaufte:

„Unser Kauf von einem Zehntel der Bank kann also gleichwertig mit einem Kauf von 100 % einer 5-Milliarden-Dollar-Bank mit identischen finanziellen Merkmalen angesehen werden … eine 5-Milliarden-Dollar-Bank mit einem Spitzenpreis würde uns allerdings vor ein weiteres Problem stellen: Wir könnten keinen Carl Reichardt finden, der sie managt.“

Das heißt, die damaligen Top-Banker von Wells, Carl Reichardt und Paul Hazen, waren, wie Buffett schrieb, „die besten Manager im Geschäft“, wobei Buffett zugab, dass „das Bankgeschäft nicht unser Favorit ist“.

Im Jahr 1998 erwarb Dick Kovacevich, der Leiter der Norwest Bank, Wells Fargo. Das fusionierte Unternehmen behielt den Namen und Kovacevich wurde CEO.

Buffett war ein großer Fan von Kovacevich. Es gibt auch gute Argumente dafür, dass er das gesamte Bankgeschäft in den USA revolutioniert hat: Zum Beispiel, indem man es eher als ein individuell ausgerichtetes Einzelhandelsgeschäft betrachtet. Darüber hinaus benutzte er sehr viel Cross-Selling, um Produkte an bestehende Kunden zu verkaufen.

Im Jahr 2007 trat Kovacevich als CEO zurück und John Stumpf sprang ein. Im Jahr 2010 übernahm Stumpf auch den Vorsitz der Bank.

War Stumpf so gut wie Kovacevich oder Reichardt? Wie wir jetzt gerade herausfinden, ist das die große Frage im Wells-Fargo-Debakel. Aber offensichtlich scheiterte er in erheblichem Maße. In dem Bericht, der die Fehltritte von Wells umreißt, schrieben die Ermittler:

„Stumpf war bei Wells Fargo für das Enterprise Risk Management verantwortlich, wurde aber nicht als jemand wahrgenommen, der schlechte Nachrichten hören oder mit Konflikten umgehen wollte.“

Das ist alles andere als ideal für einen CEO, der letztendlich die Verantwortung für die Ausführung und das Verhalten in einem Unternehmen hat.

Nun stellt sich die Frage: Hätte Buffett das wissen sollen oder können? Ich denke, er hätte es wissen können, wenn er gewusst hätte, wie Stumpf als Führungskraft ist: einer, der bei schlechten Nachrichten gern mal seinen Kopf in den Sand steckt. Aber ich denke nicht, dass man sagen kann, dass er es hätte wissen müssen. Wenn man in ein Unternehmen investiert, dann bemüht man sich als Investor nach bestem Wissen und Gewissen, das Management zu bewerten und manchmal kann diese Bewertung auch einfach falsch sein.

Möglicherweise ist die interessantere Frage, ob Buffett sich nicht die Mühe gemacht hat, Stumpf einer genaueren Betrachtung zu unterziehen, weil er einfach glücklich mit seiner Investition war und nach 20 Jahren vielleicht faul geworden ist. Ich weiß nicht, ob das der Fall ist, aber ich bezweifle es.

Buffetts anderes Problem mit Wells Fargo: Man kann nicht alles wissen.

Wenn wir uns die Berichte ansehen, dann hatte Stumpf sicher einen Anteil an diesen Problemen, aber er ist sicher nicht der alleinige Verantwortliche.

Es scheint, als hätte eine Frau namens Carrie Tolstedt entscheidenden Anteil daran gehabt. Wells Fargo wurde lange Zeit dezentralisiert verwaltet, sodass die Regionalmanager wie Tolstedt ihre eigenen Entscheidungen treffen konnten. Tolstedt galt als hochtalentiert – wenn auch aggressiv – und erhielt viel Spielraum.

Buffetts Herausforderung besteht darin, dass er nicht mit Carrie Tolstedt oder den anderen internen Wells-Fargo-Managern gerechnet hat. Wells Fargo ist eine der größten Banken der Welt und beschäftigt 250.000 Mitarbeiter. Als externer Investor musste Buffett die Natur des Unternehmens und das Top-Management unter die Lupe nehmen, aber er war nicht in der Lage, das Verhalten der Führungskräfte in dieser einen Sparte zu beurteilen – das ist die Aufgabe des CEO, des Managementteams und des Vorstands.

Ein weiteres Problem für Buffett: Er hatte Recht.

Hier ist ein Zitat von Warren Buffett über die Bankenindustrie aus demselben Brief an die Aktionäre, indem er die Investition in Wells Fargo verkündet hatte:

„Bei vielen Großbanken waren Fehler eher die Regel als die Ausnahme. Die meisten von ihnen sind auf ein Versagen des Managements zurückzuführen, was wir letztes Jahr bei der Diskussion des „institutionellen Imperativs“ beschrieben haben: die Tendenz von Führungskräften, das Verhalten ihrer Kollegen gedankenlos nachzuahmen, ganz gleich, wie töricht es auch sein mag. Bei der Kreditvergabe spielten viele Bankiers mit lemmingähnlichem Eifer nach der Geige ihres Anführers und jetzt erleben sie ein ähnliches Schicksal.“

Das war für die langfristige Investition in Wells Fargo von zentraler Bedeutung. Andere Banken folgten diesem Muster und sprangen nichtsahnend über die Klippe. Wells Fargo ging seinen eigenen Weg und war damit eine sicherere und erfolgreichere Bank als der Durchschnitt.

In diesem Punkt hatte Buffett Recht. Während der Finanzkrise, als Banken auf der ganzen Welt Milliarden von Dollar verloren, meldete Wells Fargo kein einziges unrentables Jahr. Zwischen 2007 und 2008 sanken die Gewinne von 8 auf 2,4 Milliarden US-Dollar, stiegen dann aber wieder auf 8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 und 11,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010.

Wells Fargo war in der Lage dazu, weil die Bank nicht so viele dumme Sachen machte wie andere Banken während der Finanzkrise.

Das tatsächliche Risiko kam also nicht von dem, was Buffett als zentrales Bankenrisiko betrachtete – das Lemming-Risiko – sondern von einem Bereich, in dem das Unternehmen Unachtsamkeit walten ließ.

Buffetts Problem und unsere Lektion

Wir können nicht alles über ein Unternehmen wissen, in das wir investieren. Das ist nun mal so und es ist egal, ob es sich dabei um dich, mich oder Buffett handelt. Manchmal ist das Wissen, das einem fehlt, der Grund für ein unbekanntes Risiko.

Wir werden auch nicht bei jeder Investition, die wir tätigen, Recht haben. Das trifft ebenfalls auf dich, mich und Warren Buffett zu.

Beim Investieren geht es nicht um richtig oder falsch. So klar ist die Sache leider nicht. Beim Investieren geht es darum, immer wieder nach bestem Wissen und Gewissen Einschätzungen vorzunehmen. Einige davon werden sich als richtig erweisen und zu einem Gewinn führen. Andere nicht und wenn das Glück nicht auf unserer Seite ist, dann werden wir mit dieser Investition etwas verlieren. Aber durch solide Analysen können wir die Erfolgswahrscheinlichkeit drastisch zu unseren Gunsten beeinflussen.

Abgesehen davon hilft es auch, die richtige Perspektive zu behalten.

Zwischen Mitte 1989 und heute ist die Wells Fargo Aktie um 2.278 % gestiegen. Das sind 11,5 % pro Jahr. Der bereinigte Preis für die Wells-Aktie lag 1989 bei rund 2,50 US-Dollar – was ziemlich erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass die Bank jetzt eine Dividende von 1,56 US-Dollar zahlt.

Mit anderen Worten, die Investition war für Onkel Warren doch nicht so schlecht.

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Matt besitzt Aktien von Berkshire Hathaway und Wells Fargo. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Berkshire Hathaway.

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