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4 Methoden für das Risikomanagement und die Depot-Absicherung im aktuellen Check

Foto: Getty Images

Es kommt Bewegung in die Börsenkurse und zwar zur Abwechslung mal in beide Richtungen. Unvorbereitet in einen möglichen Absturz zu geraten, das ist für viele Anleger furchterregende Vorstellung und der Wunsch nach Absicherung ist oft groß. Aber nicht alle Methoden sind wirklich effektiv und die optimale Auswahl hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Methode Nr. 1: Alles verkaufen

Die Kurse sind über die letzten Jahre trotz vieler negativer Entwicklungen und geopolitischen Risiken stark gestiegen. Von daher erscheint es nicht ganz dumm, jetzt einfach „basta“ zu sagen und der Börse den Rücken zu kehren, bis die allgemeine Lage sich wieder günstiger präsentiert.

Ein Problem dabei ist allerdings, dass du dann zunächst mit einem Berg von Bargeld dastehst, der nicht für dich arbeitet. Auf dem Bankkonto gibt es keine Zinsen und alternative Anlagen wie Immobilien oder Rohstoffe bringen auch nicht unbedingt mehr. Wenn zudem der erwartete Crash ausfällt und die Börsenkarawane ohne dich weiterzieht, wird es schwer, zurückzukommen. Dann hast du eine Menge Transaktionsentgelte bezahlt und musst mühsam neue Einstiegsgelegenheiten recherchieren.

Deshalb ist es in den meisten Fällen besser, sich den Aufwand zu sparen und seinen Unternehmen treu zu bleiben. Wenn es allerdings um eher risikoreiche Titel mit wenig Substanz geht, die jetzt stärker im Plus sind, als du dir anfangs erträumt hast, dann könnte eine Reduzierung der Position natürlich schon in Frage kommen.

Methode Nr. 2: Alles absichern

Anstatt viele Einzelpositionen zu verkaufen, kann man alternativ auch kostengünstig über Derivate Risiken aus dem Depot nehmen. Im Fall, dass du diverse DAX-Werte in deinem Depot hast, bietet es sich an, einen entsprechenden Put-Optionsschein oder -Turbo zu kaufen, der gehebelt an Wert gewinnt, wenn der Gesamtmarkt abtaucht. Richtig dimensioniert, kann das Risiko über die Laufzeit auf ein Minimum reduziert werden. Je nach Bedarf kann das Risiko beispielsweise auch nur halbiert werden, womit diese Methode sehr flexibel ist.

Zur Umsetzung braucht man natürlich im Gegensatz zu Methode Nr. 1 zusätzliche Geldmittel, die nicht jeder immer flüssig hat. Andererseits wirst du bei einem etwaigen profitablen Verkauf besonders viel Bargeld für neue Investments zur Verfügung haben, was ziemlich cool sein kann.

Zu beachten ist jedoch, dass Optionsscheine aktuell wieder teurer sind und somit über einen höheren Zeitwert verfügen, der sich kontinuierlich bis zum Stichtag abbaut. Ein kritischer Blick auf die Entwicklung der Volatilitätsindizes VDAX und VIX ist vor einer Investition deshalb ratsam.

Bei der Preisbildung von Turbos und Mini-Futures spielt die Schwankungsbreite nur eine untergeordnete Rolle. Dort dreht sich alles um die Knock-Out-Schwelle, welche je nach Ausgestaltung den Totalverlust bedeuten kann. Solche Papiere sind daher mit großer Vorsicht zu genießen, gerade jetzt, wo die Kurse wild hoch und runter schießen. Bei einem kleinen Hebel von 2,5 oder weniger ist man weitgehend auf der sicheren Seite, benötigt dafür aber auch recht viel Kapital für eine effektive Risikominderung.

Methode Nr. 3: Stop-Loss-Limits setzen

Eine ganz andere Möglichkeit, sich gegen den großen Crash abzusichern, sind Stop-Loss-Limits, also ein Verkaufsauftrag, der erst bei Unterschreiten einer definierten Schwelle ausgelöst wird. Die Idee dahinter ist, dass man raus ist, bevor die Märkte richtig den Bach runterrauschen. Viele Börsenkommentatoren und Anlageberater empfehlen, dass man „unbedingt“ mit diesem Instrument arbeiten müsse. Echte „Profis“ würden auch regelmäßig ihre Limits in Bullenmärkten „nachziehen“.

Sind Leute, die darauf verzichten, also eher blutige Anfänger? Ich denke nicht. Es gibt gute Gründe dafür, keine Limits zu setzen. Denn wer sagt eigentlich, dass auf absehbare Zeit überhaupt ein Crash kommt? Der Abverkauf von Anfang Februar war ja bisher nicht wirklich ein großes Ding, viele Aktien haben ihre Verluste zwischenzeitlich schnell wieder zum großen Teil aufgeholt. Wer sich da hat „ausstoppen“ lassen, der ist vielleicht erst mal in die „Bärenfalle“ getappt und steht plötzlich ohne Aktien da.

Wer nicht so schnell raus sein will, kann natürlich einen weiteren Abstand von 20 % oder mehr wählen. Ob das aber dann mehr Sinn ergibt, erscheint mir fraglich. Wenn du glaubst, dass eine Aktie ihr Potenzial vollkommen ausgereizt hat und nur noch auf der Momentum-Welle reitet, dann ist es vielleicht schlauer, auf hohem Niveau zu verkaufen und in etwas zu investieren, wovon du wirklich überzeugt bist.

Zusammengefasst möchte ich behaupten, dass das Setzen von Stopp-Loss-Limits eher für Leute ist, die kurzfristig orientiert sind oder ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, weil sie keine klare Vorstellung vom Wert ihrer Beteiligungen haben. Sie starren dann nur auf den Kurs statt auf das Unternehmen dahinter und wissen nicht, was teuer und was billig ist.

Methode Nr. 4: Discount-Zertifikate

Während eine hohe Schwankungsbreite Optionsscheine verteuert, vergünstigen sich damit Discount-Zertifikate. Das ist auch kein Wunder, denn bei der Konstruktion dieser speziellen Wertpapiere wird eine Kaufoption verkauft. Dadurch wird der Maximalgewinn begrenzt, während man im Gegenzug zum günstigen Preis, also mit „Discount“, auf ein Unternehmen oder einen Index setzen kann.

Das reduziert das Verlustrisiko, weil der in der verkauften Option enthaltene Zeitwert bis zum Stichtag für dich arbeitet. Solange der zugrundeliegende Wert, das „Underlying“, nicht völlig abhebt, stehen die Chancen für eine Überrendite je nach Wahl der Obergrenze derzeit gut. Die Beimischung von solchen Papieren kann folglich einen Beitrag zum Risikomanagement leisten, wobei die Laufzeit nicht zu kurz gewählt werden sollte.

Fazit

Über die Wahl von Wertpapieren mit günstigem Risikoprofil sowie der Bereinigung von Hochrisikopositionen hat man schon die halbe Miete. Ob man dann noch zusätzliche Absicherungsinstrumente braucht, um stressfrei über turbulente Zeiten zu kommen, ist Geschmacksache. Das Setzen von Stop-Loss-Limits halte ich hingegen nur ausnahmsweise für sinnvoll. Etwas Geld flüssig zu haben, um bei sich möglicherweise ergebenden Chancen jederzeit zugreifen zu können, ist hingegen in jedem Fall eine gute Idee.

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