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Der Kryptowährungs-Crash ist da! Das ist daran am bemerkenswertesten

Foto: Getty Images

2017 konnten Kryptowährungen scheinbar nichts falsch machen. Die virtuellen Währungen sorgten für das beste Jahr einer Anlageklasse. Anfang 2017 lag der gesamte Wert aller digitalen Währungen bei unter 18 Milliarden US-Dollar. Am Jahresende hingegen betrug die gesamte Marktkapitalisierung über 613 Milliarden US-Dollar. Das ist eine Steigerung um mehr als 3.300 %. Der Aktienmarkt hätte für solch eine Entwicklung Jahrzehnte benötigt.

Und damit war das Ende noch nicht erreicht. In der letzten Januarwoche 2018 kletterte die Marktkapitalisierung auf ein Allzeithoch von 835 Milliarden US-Dollar.

Halt dich fest: Der Kryptowährungs-Crash ist da

Dann begann der Absturz und die Party war zu Ende. Am 6. Februar fiel die gesamte Marktkapitalisierung auf 278,5 Milliarden US-Dollar, was den niedrigsten Punkt seit dem 25. November 2017 darstellt. In weniger als einem Monat verloren die Kryptowährungen zwei Drittel ihres Wertes.

Mit der Ausnahme stabiler Coins wie Tether sind fast alle Kryptowährungen gefallen. Bitcoin, das Aushängeschild der Rallye und die bekannteste virtuelle Währung, ist von 20.000 US-Dollar am 17. Dezember auf fast 6.100 US-Dollar pro Token gestürzt. Damals standen 330 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung in den Büchern, heute droht ein Wert von unter 100 Milliarden US-Dollar.

Auch Ethereum, Ripple und Litecoin haben Probleme. Sie hatten ihre Höchststände bei 1.432,88 US-Dollar, 3,84 US-Dollar bzw. 375,29 US-Dollar. Seitdem haben Sie 59 %, 84 % und 70 % ihres Wertes eingebüßt. Der Rückgang von Ripple war besonders deutlich, als die auf Finanztransaktionen spezialisierte Kryptowährung von fast 150 Milliarden US-Dollar auf 24 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung abstürzte.

Es gibt eine Menge Gründe für den Crash

Du fragst dich, warum es plötzlich so stark bergab ging?

Manche Länder haben die Regeln für Bitcoin und andere Kryptowährungen verschärft. Südkorea beispielsweise, welches einer der wichtigsten Märkte für den weltweiten Bitcoinhandel ist, kündigte neue Regeln an, die die Offenlegung der Identität erfordern, wenn man Bitcoin handeln will. Neue Geldmittel können nur dann investiert werden, wenn sie von einem bestätigten Bankkonto kommen. Die Bank hat dabei die Pflicht, die Identität des Kunden zu verifizieren, bevor die Verbindung hergestellt wird. Da Anonymität ein großes Verkaufsargument von Kryptowährungen ist, ist diese Entwicklung nicht positiv zu sehen.

Gleich besorgniserregend ist, dass manche weltweit agierenden Banken keine Kryptowährungstransaktionen mehr unterstützen, die mit deren Kreditkarten ausgeführt werden. Dies geht aus einem Bericht von Bloomberg hervor. Die Banken – Bank of America (WKN:858388), JPMorgan Chase (WKN:850628) und Citigroup (WKN:A1H92V) sagen, dass der Kauf von Kryptowährungen auf Kredit viel Ärger mit sich bringt, wenn der Kunde das geliehene Geld nicht zurückzahlen kann oder wenn die Karte gestohlen wurde und damit nicht nachverfolgbare virtuelle Coins gekauft werden. Da die Kreditzinsen steigen, achten die Bank of America, JPMorgan Chase und Citigroup auf ihre eigene finanzielle Sicherheit und auf die ihrer Kunden.

Unrealistische Erwartungen an die Blockchaintechnologie können auch ein Grund sein. Blockchain ist die digitale, dezentrale und verteilte Technologie, die virtuellen Währungen zugrunde liegt. Sie ist verantwortlich für die Aufzeichnung aller Transaktionen, ohne einen Finanzintermediär wie eine Bank zu benötigen. Die Nutzung von Blockchain soll die Abwicklung von Transaktionen beschleunigen, Transaktionsgebühren senken und die Netzwerksicherheit stärken. Sie kann über Finanzen hinaus eingesetzt werden, wie z. B. im Management des Internet der Dinge und dem Supply Chain Management.

Leider ist die Blockchain bisher nur in kleinen Projekten oder Demos getestet worden, obwohl sie schon zehn Jahre existiert. Selbst dort, wo große Partner eingestiegen sind, können wir nur interne Tests oder sehr kleine, beschränkte Projekte erkennen. Selbst wenn die Blockchaintechnologie erfolgreich sein sollte, könnte es bei dieser Geschwindigkeit Jahre dauern, bis sie im Alltagsgeschäft Einsatz findet. Diese Erkenntnis könnte zu fallenden Kryptowährungsbewertungen führen.

Der interessanteste Aspekt des Kryptowährungs-Crashs

Was aber besonders bemerkenswert an der platzenden Blase der virtuellen Währungen ist, ist dass sie mit einem Absturz des amerikanischen Aktienmarktes zusammenfällt.

Am Freitag und Montag fiel der Dow Jones Industrial Average (WKN:969420), einer der bekanntesten Aktienindizes, um 666 und 1.175 Punkte. Dies ist der siebenthöchste Verlust in der 122-jährigen Geschichte. Die Angst, dass das überdurchschnittlich hohe Wirtschaftswachstum zu einer höheren Inflation und damit zu höheren Zinsen führt, befeuert den Verkauf. Aber auch der computerbasierte Handel wurde beschuldigt.

2017 wurden Kryptowährungen häufig als Wertspeicher angesehen, als der Dollar an Stärke verlor. Zudem wurde ihnen die Rolle als Alternative zu traditionellen Anlagemöglichkeiten auf dem Aktienmarkt zugeschrieben. Letztes Jahr lohnte es sich, auf Kryptowährungen zu vertrauen. Die jüngste Entwicklung zeichnet jedoch ein ganz anderes Bild. Trotz, dass der Dow Jones seit dem 26. Januar um 2.200 Punkte gefallen ist, sind Kryptowährungen weiter abgestürzt. Mit anderen Worten, trotz der Angst, die Investoren vor dem Aktienmarkt haben, wenden sie sich nicht den digitalen Währungen zu, um sie als sicheren Hafen ihres Vermögens zu nutzen. Dies ist das erste Mal, dass Investoren den Kryptowährungen als Solches den Rücken kehren. Das könnte eine große Veränderung in der Wahrnehmung individueller Investoren bedeuten.

Du solltest bedenken, dass die Kryptowährungen hauptsächlich von individuellen Investoren kontrolliert werden. Das unterscheidet sie von traditionellen Anlageformen. Institutionelle Investoren sind nicht gewillt, digitale Währungen auf dezentralisierten Börsen zu kaufen oder zu verkaufen. Individuelle Investoren jedoch sind anfälliger für Gefühle, die die Kontrolle über ihre Entscheidungen übernehmen. Die Folge ist, dass sie häufig nach oben oder unten überreagieren. Da die Kryptowährungen im Einklang mit dem Aktienmarkt fallen, scheint es, als ob die individuellen Investoren eher negative Gefühle gegenüber alternativen Coins hegen.

Mein Rat ist genau der, den ich schon seit Monaten gebe. Halte Abstand. Obwohl die Blockchaintechnologie vielversprechend ist, ist sie wahrscheinlich noch Jahre davon entfernt, breit Einsatz zu finden. Dies verstärkt die Gefahr weiterer unschöner Entwicklungen bei Kryptowährungen.

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The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien oder Kryptowährungen.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 6.02.2018 auf fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können

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