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Deutsche Bank nach den Zahlen – das sind die größten Probleme

Bild: Public Domain

Flashback 2006 – Auszug aus dem Jahresbricht der Deutschen Bank (WKN: 514000) :

„Die Gesamterträge sind 2006 gegenüber dem Vorjahr um 11% auf 28,3 Mrd € gestiegen, die wir in eine 33%ige Ergebnissteigerung auf 8,1 Mrd € vor Steuern umsetzen konnten. Der Jahresüberschuss erhöhte sich um 70% auf 6,0 Mrd €.“

Und jetzt kommen wir zurück in die Gegenwart – Auszug aus dem aktuellen Quartalsbericht vom 2. Februar 2018:

„Im vierten Quartal machte die Deutsche Bank 2,2 Milliarden Euro Verlust nach Steuern, was ebenfalls zum größeren Teil die Belastungen durch die US- Steuerreform widerspiegelt. Im Vorjahresquartal lag der Nettoverlust bei 1,9 Milliarden Euro.“

Und jetzt stelle ich die Frage: Was ist in den letzten elf Jahren passiert? Die „Deutsche“ war vor einem Jahrzehnt eines der Aushängeschilder der Bundesrepublik und wurde in einer Reihe mit den großen Investmenthäusern der Branche genannt. Dann kam die Finanzkrise und damit begann der stetige Abstieg. Hin zu dem Trümmerhaufen, den wir heute in den Zahlen für das vierte Quartal 2017 und den vorläufigen Zahlen für das Gesamtjahr 2017 sehen können.

Aber was sind die Probleme, die mit dem aktuellen Bericht dargestellt werden und die du als Investor kennen solltest? Im Folgenden werde ich mich den aus meiner Sicht größten Herausforderungen der Deutschen Bank widmen.

Ertragslage wird immer schlechter

Die Deutsche Bank hat ein enormes Ertragsproblem. Seit Jahren sinken die wichtigsten Erträge der Bank. Besonders dramatisch zeigte sich das in diesem Jahr wieder einmal bei den Gesamterträgen, die um rund 12 % im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind. Am schwersten traf es in diesem Jahr die Unternehmensbereiche rund um das früher so ertragsstarke Investmentbanking. Sowohl das Geschäft mit Aktien sank um gut 25 %, als auch der wichtige Anleihe- und Währungshandel ging um fast 30 % zurück.

Und das ist kein neues Problem. Seit Jahren geht das Geschäft im Investmentbanking bei der Deutschen Bank zurück. Ja, auch andere große Geldhäuser haben ein Ertragsproblem, allerdings ist es bei nur sehr wenigen so schlimm wie bei der „Deutschen“. Bei den meisten anderen großen Playern der Branche blieb unterm Strich trotzdem noch ein Gewinn übrig.

Ja, wenn die Zinsen steigen …

Interessant war in diesem Zusammenhang ein Kommentar vom Vorstandsvorsitzenden John Cryan bei der Pressekonferenz am Freitag, wie die Erträge der Bank wieder steigen könnten. Laut interner Modellrechnungen der Deutschen Bank würden die Zinserträge bei einer Erhöhung des Leitzinses der Europäischen Zentralbank um einen Prozentpunkt im ersten Jahr um 1,4 Milliarden Euro steigen. Nicht erwähnt hat Herr Cryan, dass ein Anstieg der Zinsen den einen oder anderen Kreditnehmer der Deutschen Bank in Schwierigkeiten bringen könnte, was wiederum die Möglichkeit von Kreditausfällen erhöht. Dadurch könnte sich der „theoretische“ Gewinn sehr schnell wieder in Luft auflösen.

Herr Cryan spielt darauf an, dass durch die sehr niedrigen Zinsen die Zinsmarge für Banken sinkt. Wenn eine Bank z. B. 1 % Zinsen auf ein Tagesgeldkonto zahlt und die Einlagen darauf dann für 2 % weiter verleiht, bleibt nur rund 1 % an Zinsmarge übrig. Früher betrugen diese Margen 3 % und mehr. Hinzu kommt, dass Banken häufig Geld kurzfristig (z. B. bei der EZB) leihen und es langfristig wieder verleihen. Steigt der Zins an, müssen die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit höheren Zinsen refinanziert werden. Das drückt auf den Wert der langfristigen Forderung, die zu einem niedrigen Zinssatz verkauft wurde. Von daher sollte Herr Cryan sehr vorsichtig mit seinen Wünschen sein.

Fragwürdige Boni-Kultur

Zusätzlich zur schlechten Ertragslage kommt eine sehr fragwürdige Boni-Kultur bei der Deutschen Bank. Das Geldhaus macht 500 Millionen Euro Verlust, die Erträge des Sektors Investmentbanking schrumpfen in einem beängstigenden Maße und gleichzeitig werden vor allem für das Investmentbanking Boni in Höhe von sage und schreibe EINER Milliarde Euro ausgezahlt. Neben der Öffentlichkeit wird dieser Sachverhalt sicher dem einen oder anderen Investor sehr sauer aufstoßen.

Man kann es drehen und wenden wie man will, die Deutsche Bank hat nicht nur einfach Probleme. Sie steht vor enormen Herausforderungen, die sich auch mit der Zeit nicht leichter lösen lassen. Allein die Ertragsrückgänge sind sehr besorgniserregend. Hinzu kommt der dritte Jahresverlust in Folge, ob nun durch Sondereffekte ausgelöst oder nicht – Verlust bleibt Verlust! Sollten nun noch die Probleme beim chinesischen Großinvestor HNA außer Kontrolle geraten, sieht es für die DeuBa alles andere als gut aus. Ich bleibe damit bei meiner Prognose, dass die Wahrscheinlichkeit für deutlich niedrigere Kurse bei der Deutschen Bank äußert hoch erscheint.

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David Ehlers besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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