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Machst du den gleichen Fehler wie Donald Trump?

Foto: Getty Images

Donald Trump hat einen Fehler gemacht.

Ok, vielleicht muss ich etwas genauer sein. Und wenn du denkst, dass wir alle in letzter Zeit genug über Donald Trump (und seine Fehler) gehört haben, schlage ich vor, dass du weiterliest, weil es diesmal eine gute Erinnerung an einen Fehler ist, den wir Investoren nicht machen wollen.

Anfang dieser Woche gab Trump seine „State of the Union Address“ an das amerikanische Volk. Während dieser Rede sagte er folgendes:

Seit der Wahl haben wir 2,4 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, darunter 200.000 neue Arbeitsplätze allein im verarbeitenden Gewerbe. Nach Jahren der Lohnstagnation sehen wir endlich steigende Löhne.

Die Arbeitslosenzahlen haben ein 45-Jahres-Tief erreicht. Die Arbeitslosigkeit unter Afroamerikanern und Hisspanics steht auf dem niedrigsten Stand, der jemals verzeichnet wurde.

Das Vertrauen der kleinen Unternehmen ist auf einem Allzeithoch. Die Börse hat einen Rekord nach dem anderen eingefahren und dabei 8 Billionen Dollar an Wert gewonnen. Das ist eine gute Nachricht für die Amerikaner und ihre 401k-Pläne, die Pensionen, Renten und College-Sparkonten.

Vielleicht ist das nur „politics as usual“ und Trump glaubt nicht, was er sagt. Aber die Realität sieht so aus, dass die Wirtschaft einfach nicht so schnell reagiert. Die Ergebnisse, die wir in der Wirtschaft zu jeder Zeit „A“ sehen, sind die Ergebnisse von Aktionen und politischen Maßnahmen, die  einige Jahre zuvor durchgeführt wurden. Oftmals kann das auch „sehr viele Jahre früher“ sein.

Jemand könnte argumentieren, dass das Gleiche mit dem Aktienmarkt nicht stimmt – diese Stimmung, die nichts mit Fundamentaldaten zu tun hat, kann die Börse nach oben treiben. Das ist wahr. Und ein Teil des Anstiegs des Aktienmarktes im vergangenen Jahr oder so wurde mit Trump in Verbindung gebracht. Die Erwartung von Gesetzen, die den Unternehmen gegenüber freundlicher sind und Steuersenkungen haben fast sicher zu höheren Kursen geführt.

Aber gleichzeitig stiegen die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 für die 12 Monate bis zum 30. September 2017 um fast 17 %. Die Erwartung einer günstigen Regierungspolitik kann Aktien helfen. Starkes zweistelliges Gewinnwachstum hilft oft mehr.

Der Punkt ist, dass Trump in seiner Rede die Anerkennung für wirtschaftliche und geschäftliche Ergebnisse erhält, die größtenteils nichts mit ihm oder seiner Präsidentschaft zu tun haben.

Wenn du weitere Beweise dafür möchtest, wie lächerlich das ist, überleg dir, was passiert, als Barack Obama sein Amt antrat. Obama wurde im Januar 2009 Präsident der Vereinigten Staaten. Die Gewinne des S&P 500 für die 12 Monate bis 30. September 2009 lagen um 39 % unter dem Vorjahreswert.

Liegt das an Obama und seiner Politik? Offensichtlich nicht, das wäre lächerlich anzunehmen. Der Ergebnisrückgang ist auf die Auswirkungen der Immobilien- und Finanzkrise zurückzuführen, die ihre Wurzeln in Jahren der Spekulation, achtloser Investitionen und der Verschuldung von Banken und Privatpersonen hat.

Was wir von Trump lernen können

Wir neigen dazu, den gleichen Fehler zu machen, den Trump hier gemacht hat. Nämlich, dass wir nicht sorgfältig beurteilen, was zu den Ergebnissen geführt hat, die wir sehen.

Stell dir vor, eine Aktie steigt, nachdem wir gekauft haben, und wir nehmen an, sie steigt, weil wir brillant sind. Vielleicht stimmt das ja. Aber es kann auch blindes Glück sein. Nur wenn wir genau hinschauen, was passiert ist und was zu dem Ergebnis geführt hat, können wir unser Handeln bewerten.

Die gleiche Art von Fehleinschätzung kann auch bei Unternehmensleitungen vorkommen. Wenn die Gewinne fallen, suchen viele CEOs gerne nach externen Quellen, um Schuldzuweisungen zu machen. Es könnte die Wirtschaft sein, es könnten die Medien sein, es könnte das Wetter sein. Und manchmal sind das tatsächlich die Treiber für den Ergebnisrückgang. Aber wir müssen genau abwägen, wann ein Managementteam diese Erklärungen abgibt.

Wenn im Unternehmen intern etwas schief läuft und das Management fälschlicherweise externe Faktoren beschuldigt, ist es vielleicht an der Zeit zu verkaufen – nicht nur, dass es im Betrieb des Unternehmens Probleme gibt, sondern auch, dass das Management entweder zu langweilig oder zu egoistisch ist, um das den Aktionären zu vermitteln.

Wenn Trump nach meiner Ansicht gefragt hätte, wie man sein „Problem“ beheben kann (keine Sorge, das hat er nicht!), würde ich vorschlagen, dass er, wenn er ein Programm oder eine Politik auf den Weg bringt, klar umreißt, was es bezweckt und welche wirtschaftlichen oder geschäftlichen Kennzahlen es beeinflussen sollte. Darüber hinaus sollte er über ein Team verfügen, das diese Zahlen verfolgt, so dass eine klare Beurteilung der Auswirkungen der neuen Richtlinien vorgenommen werden kann.

Ich würde auch vorschlagen, dass er das mit etwas Bescheidenheit verbindet. In einer komplexen Welt spielt Glück fast immer eine Rolle.

Für Investoren würde ich einen sehr ähnlichen Ansatz vorschlagen. Wenn du eine Investition tätigst, schreibe das „Warum“ – die Analyse – für die Investition auf. Während die Investition sich über ein Jahr, zwei Jahre, zehn Jahre hinzieht, kann man dann die Performance anhand der anfänglichen Analyse bewerten. Dabei muss man aber noch feststellen, wo die anfänglichen Erwartungen mit der tatsächlichen Performance übereinstimmen oder sich davon unterscheiden.

Ich würde vorschlagen, dass man nach Managern sucht, die diesen Ansatz zur Bewertung ihrer Unternehmen und sich selbst verfolgen. Wir wollen zusammen mit Menschen investieren, die nüchterne, realistische Einschätzungen abgeben, und sich nicht für Ergebnisse rühmen, für deren Zustandekommen sie nichts getan haben.

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