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Auch Blockchain könnte einen 49-Milliarden-Euro-Konzern hervorbringen

Foto: Getty Images

Ich behaupte, dass Blockchain heute dort steht, wo die Virtualisierung vor etwa 15 Jahren stand. Aus diesem zunächst nur von spezialisierten Informatikern verstandenen IT-Thema ist mit VMware (WKN:A0MYC8) ein Unternehmen entstanden, das aktuell (26.01.) fast 50 Mrd. Euro wert ist. Es könnte gut sein, dass bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts ein ähnlicher Gigant rund um das Thema Blockchain entsteht, der etablierte Player wie SAP (WKN:716460) und IBM (WKN:851399) auf diesem Gebiet bedrängt.

Darum sind Virtualisierung und Blockchain vergleichbar

Das Konzept der Virtualisierung ist eines der großen Themen, welche die Informatik in den letzten Jahren tief geprägt haben. Dabei geht es unter anderem darum, von zugrundeliegenden technischen Details zu abstrahieren, um gepoolte Ressourcen wie Prozessoren, Speicher oder Anwendungen nach Bedarf flexibel einsetzen zu können. Die vielfältigen Einsatzgebiete der Virtualisierung und die Vermischung mit anderen Hype-Themen wie Containerisierung und Software-Defined-X machen es selbst für IT-Experten schwierig, alles zu überblicken und zu verstehen.

Vor 15 Jahren wurde die Technologie von vielen Beobachtern mit Skepsis betrachtet, denn die neue Herangehensweise versprach nicht nur Vorteile, sondern zunächst zusätzliche Komplexität, die Notwendigkeit der Einarbeitung und neue Systemschwachstellen. Vor allem VMware hat allerdings frühzeitig das Potenzial erkannt und sich nicht nur auf die Entwicklung von isolierten Virtualisierungs-Komponenten beschränkt, sondern ein komplettes integriertes Paket mit umfassender Funktionalität geschnürt.

Gleichzeitig investierten die Kalifornier viel in das Marketing, um die Wahrnehmung zu erhöhen und die potenziellen Kunden zu schulen, womit es gelang, eine schnell wachsende Nutzerbasis zu schaffen. Trotzdem dachten lange Zeit viele, dass VMware nicht die Kraft haben wird, sich komplett durchzusetzen. Schließlich war da ja auch noch die mächtige Microsoft (WKN:870747), welche schon damals konkurrierende Lösungen in petto hatte und natürlich über die größeren Taschen und eine viel stärkere Marktposition verfügte. Aber der Spezialist konnte sich gegen den Windows-Konzern behaupten und wuchs unter den Fittichen von EMC und später Dell munter weiter.

In einer ähnlichen Situation wie Microsoft bei der Virtualisierung befinden sich heute SAP, IBM und Co. beim Thema Blockchain. Wie Microsoft mit Windows sind die Walldorfer mit ihrer Business-Software weltweit in einem Großteil der Unternehmen präsent. Wenn sie jetzt den Standard für die Realisierung von Blockchain-basierten Lösungen setzen wollen, dann haben sie offensichtlich einen Startvorteil. Trotzdem ist mit aufkommenden Spezialisten zu rechnen, die auf neue Art und Weise mit einem umfassenden Ansatz an das Thema herangehen und die etablierten Spieler rechts überholen.

Aber Blockchain steht noch ganz am Anfang

Gelegentlich kann man derzeit Kommentare lesen, welche den grundsätzlichen Nutzen der Blockchain in Frage stellen. Auch hier wird vieles vermischt. Blockchain sei gleich Kryptowährung oder gleich verteilte Datenbank (bzw. Distributed Ledger): Richtig ist, dass jede Art von Blockchain typischerweise eine Verrechnungseinheit mitbringt und richtig ist auch, dass Blockchain eine besondere Implementierung einer verteilten Datenbank mit ausgefeilten Mechanismen für die Datenintegrität ist.

Aber zu behaupten, dass das mit der Blockchain wohl doch keine so gute Idee gewesen sei, nur weil der Bitcoin-Kurs gerade in Turbulenzen gerät, ist schlicht Unsinn. Denn gerade Bitcoin ist ein besonders schlechtes Beispiel für eine zukunftsfähige Blockchain-Variante. Dort können vereinfacht gesagt nur Kontostände notiert werden.

Ganz anders sieht es bei Ethereum aus, wo sich komplette Algorithmen fälschungssicher abspeichern lassen, wodurch digitale Verträge (Smart Contracts) realisiert werden können. Auf dieser Basis ist mittlerweile ein großes Anwendungs-Universum rund um diese Blockchain-Variante entstanden. Auf dem Webdienst „State of the Dapps“ werden aktuell fast Tausend dezentrale Ethereum-basierte Anwendungen, ÐApp genannt, aufgeführt. Auch wenn vieles davon verspielt oder experimentell wirkt, gibt es doch auch einige interessante Projekte, die zeigen wie zukünftig Mittelsmänner und zentrale Plattformen aus dem Spiel genommen werden können.

Allerdings glaube ich nicht, dass Ethereum bereits der Weisheit letzter Schluss ist, zumal ich von der Verrechnungseinheit Ether wenig halte. Wahrscheinlich werden schon in Kürze neue Rivalen auf den Plan treten, welche das Thema Blockchain im Stile von VMware noch umfassender begreifen und eine Überzeugungsarbeit leisten, um auch zurückhaltende Unternehmer dafür zu interessieren. Aber ob beispielsweise Projekte und Plattformen wie die gerade Fahrt aufnehmenden EOS, NEO oder Cardano ihren Ambitionen gerecht werden können, muss sich erst noch zeigen.

Es bleibt spannend

Es ist im Moment kaum absehbar, ob Blockchain die Marktbedeutung von Virtualisierung erreichen oder sogar übertreffen kann. Die gesamte Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist riesig, viele Fragen sind noch offen und das allgemeine Verständnis ist gering ausgeprägt. Allerdings bin ich sicher, dass Blockchain irgendwann völlig unkompliziert in neuartige intelligente Lösungen eingearbeitet werden kann, genauso wie es heute sehr viel einfacher als noch vor einigen Jahren ist, dynamische interaktive Webanwendungen zu entwickeln.

Vielleicht wird SAP oder ein anderer etablierter IT-Konzern es schaffen, die Blockchain einem weiten Anwenderfeld zugänglich zu machen. Für mindestens genauso wahrscheinlich halte ich allerdings, dass ein neuer spezialisierter Herausforderer den Weg von VMware gehen wird.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien oder Kryptowährungen. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. LinkedIn gehört zu Microsoft. The Motley Fool empfiehlt VMware.

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