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Netflix kümmert sich nicht um seinen freien Cashflow und das sollten die Investoren auch nicht

Foto: The Motley Fool

Netflix (WKN:555750) hat in dieser Woche ein weiteres Blockbuster-Quartal beendet. Das Unternehmen verzeichnete einen neuen Rekord bei dem Abonenntenzuwachs im.  Außerdem gab es einen Umsatz-und Gewinnanstieg, der die Aktie zweistellig nach oben trieb, da der Marktwert des Streamers die 100-Milliarden-Dollar-Marke überschritt.

Die Bullen feierten und die Bären wiesen auf den freien Cashflow hin. Was ist, wenn das Unternehmen jedes Jahr Milliarden von Dollar auf Cashbasis verliert?

Die Stimmen der Partymuffel

Will Meade

@realwillmeade

Netflix sagte, dass sie im nächsten Jahr 4 Milliarden Dollar an freiem Cashflow verbrennen werden. Dies ist die ultimative Blasenaktie, die eines Tages unter 100 $ gehandelt wird.

Suresh Singh

@Sureshsinghn

Netflix prognostiziert für das Jahr 2018 einen Free Cash Flow von 3 bis 4 Milliarden US-Dollar.  Und die Aktie ist trotzdem in die Höhe geschnellt? WTF?!?!?!

Steve Matthews

@SteveMatthews12

Ist das normal? Netflix hat eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar, generiert aber keinen freien Cashflow….

Tatsächlich rechnet Netflix mit einem weiteren Jahr hoher Investitionen in sein Geschäft. Nachdem das Management im Jahr 2017 einen freien Cashflow von minus 2 Milliarden US-Dollar verbucht hat, erwartet das Management nun, dass sein Cashflow-Defizit in diesem Jahr auf 3 bis 4 Milliarden US-Dollar ansteigen wird. Das bedeutet, dass der Betrag, den es für Inhalte, Marketing, Forschung und Entwicklung im Jahr 2019 ausgibt, mindestens 3 Milliarden US-Dollar mehr betragen wird, als es an Einnahmen durch die Abonnenten generiert.

Netflix muss mehr Schulden aufnehmen, um diese Ausgaben zu finanzieren.

Das Management hat in seinem Aktionärsbrief eine hervorragende Begründung für diese Strategie geliefert. Man erklärte, dass die operative Marge und das Einkommen steigen und dass die Produktion von Filmen wie „Bright“ bis zu drei Jahre dauern kann, bis sie den Abonnenten zur Verfügung steht. Mit anderen Worten, es gibt eine lange Investitionsperiode, bevor man den Nutzen aus dem Streaming einer neuen Show oder eines neuen Films ziehen kann. Netflix produziert seine Originale selbst und das treibt die Kosten in die Höhe.

Netflix geht davon aus, dass der freie Cashflow letztendlich positiv wird, wenn die Betriebsgewinne steigen und die Ausgaben für Inhalte sich verlangsamen. Aber das Management sagt auch, dass die Mitgliederzahlen und der Umsatz boomen und das Geschäft schneller wächst als erwartet. Daher sieht das Unternehmen die Chance, weiteres Wachstum durch die Erhöhung des Content-Budgets voranzutreiben.

Eine schnelle Buchhaltungslektion

Wenn die Herdentiere an der Wall Street sich immer noch gegen diese Erklärung wehren, dann deshalb, weil sie gelernt haben, den Free Cash Flow vor allem dann zu bewerten, wenn sie Unternehmen bewerten. Denn das Discounted Cash Flow Modell, das auf dem Free Cash Flow basiert, ist im Wesentlichen der Goldstandard an der Wall Street und den Business Schools für die Bewertung von Unternehmen.

Während FCF-Bewertungen ein nützliches Werkzeug für Investoren sind, gibt es Grenzen dabei, da sie nur Bargeld, nicht aber buchhalterische Gewinne verfolgen.

Schauen wir uns dieses hypothetische Beispiel an:

Ich eröffne eine Hotelkette mit dem Namen Bowman Hotels.  im ersten Jahr habe ich keine Immobilien, also gebe ich 20 Millionen US-Dollar aus, um mein erstes Hotel zu bauen und gebe mir negative 20 Millionen im FCF.  Im zweiten Jahr ist das Hotel erfolgreich, was mir eine Bargeldgewinn von 5 Millionen  einbringt, also beschließe ich im folgenden Jahr fünf weitere zu bauen.

Basierend auf diesem Muster werde ich im dritten Jahr einen negativen freien Cashflow von 95 Millionen US-Dollar haben. Das kann wie eine Fehlentscheidung aussehen, aber in Anbetracht des Gewinns aus dem ersten Hotel, sollte ich erwarten, freien Cashflow von 30 Millionen bis zum vierten Jahr zu generieren, wenn ich sechs Hotels am Laufen habe.

Netflix befindet sich in dieser Phase des Wachstums von „Jahr 3“, und es ist nicht annähernd so beängstigend, wie es scheint. Der freie Cashflow schwankt je nach Investitionszyklen ständig zwischen den Geschäftsbereichen.  Der Spielwarenhersteller Mattel beispielsweise verzeichnet drei von vier Quartalen im Jahr einen negativen freien Cashflow, da er in die Weihnachtszeit investiert, wenn die Spielzeugverkäufe steigen.

Daten: Ycharts

Die Strategie des Unternehmens ist nachvollziehbar. Dass die Spielzeugverkäufe zu Weihnachten steigen ist ziemlich sicher. Netflix befindet sich im Vergleich zu Mattel in einer langwierigeren Version dieses Investitionszyklus.

Nicht carpe diem sondern Carpe- Stream

Die Netflix-Bären scheinen zu denken, dass diese Strategie viel zu riskant ist, aber in Wirklichkeit ist sie nicht riskanter als die Strategie von Mattel, die auf einen sprunghaften Anstieg im Spielzeugverkauf zu Weihnachten setzt.

Tatsächlich ist das, was Netflix tut, für ein Unternehmen, das im Bereich der Videounterhaltung konkurriert, weniger riskant als das, was Hollywood-Studios normalerweise tun. Große Studios wie Walt Disney machen große Investitionen mit jedem Film, den sie veröffentlichen. Vor ein paar Jahren sagte Disney, dass er einen Verlust von 190 Millionen US-Dollar für den Lone Ranger erwartete, nachdem man im Jahr zuvor einen Verlust von 200 Millionen Dollar für John Carter erlitten hatte. Sony hat vor einem Jahr eine Goodwill-Abschreibung in Höhe von 962 Millionen US-Dollar vorgenommen, da sie die zukünftigen Rentabilitätsprognosen für das Filmgeschäft gekürzt hat.

Die Gewinne an guten Filmen in Hollywood Studios neigen dazu, die Flops auszugleichen, aber die Kasseneinnahmen sind nicht immer vorhersehbar. Mit der Abonnentenbasis von fast 120 Millionen, die eine stetige Einnahmequelle bedeuten, muss sich Netflix keine Sorgen machen. Diese Abonnenten machen einen einzelnen Film wie „Bright“ zu einem Hit. Und wenn er seinen Mitglieder nicht gefällt, dann finden sie etwas anderes zum Anschauen.  Die Leute werden Abonnenten wegen der riesigen Bibliothek von Netflix, dem hohen Wert und der Bequemlichkeit, die sie bietet. Im Vergleich zu einer Netflix Mitgliedschaft für 11 US-Dollar pro Monat ist es eine viel größere Investition 14 US-Dollar für einen Platz im Kino zu bezahlen.

Netflix sorgt auch weiterhin für Nachschub. Neueinsteiger wie Apple und Disney tragen dazu bei die Wettbewerbsvorteile von Netflix zu festigen. Sogar Apple, mit jährlichen Gewinnen um die 50 Milliarden Dollar, ist nicht in der Lage 8 Milliarden US-Dollar an Inhalten zu investieren.  Stattdessen versprach der iPhone-Hersteller in diesem Jahr eine bescheidene Summe von einer Milliarde Dollar zu investieren. Disney hat ebenfalls eine beeindruckende Bibliothek, muss aber die Abonnenten noch davon überzeugen, für den kommenden Streaming Service zu bezahlen.

Du kannst die Strategie von Netflix Geldverbrennerei nennen, wenn du magst, aber es ist keine Grube in der das Geld verschwindet. Der Streaming Champion investiert klug in seine Zukunft. Ich wünschte ich könnte dasselbe über Bowman Hotels sagen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Apple, Netflix und Walt Disney.

Dieser Artikel wurde von Jeremy Bowman auf Englisch verfasst und wurde am 27.01.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple, Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple.

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