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Wie oft gibt es einen Börsencrash?

Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer

Alle großen Indizes der Welt bewegen sich von Rekord zu Rekord und schließen auf einem immer höheren Niveau. Seit Jahren kennen die Weltbörsen fast nur eine Richtung – gen Norden. Viele Anleger können sich an keine größeren Crashs mehr erinnern oder haben selbst noch nie welche erlebt.

Wir befinden uns mittlerweile sowohl in Deutschland als auch in allen anderen großen Volkswirtschaften im neunten Jahr eines Bullenmarktes. Es ist in meinen Augen an der Zeit, sich Gedanken über ein mögliches Ende dieses Trends zu machen. Und da in der Regel der Aufstieg immer länger dauert als der Abstieg, habe ich mir im Folgenden mal ein paar Gedanken zur Häufigkeit von Crashs an den Börsen gemacht.

Was ist überhaupt ein Crash?

Bevor wir in die Kurshistorie der großen Indizes einsteigen, müssen wir erst einmal klären, was genau unter einem Börsencrash verstanden wird. Dazu habe ich einmal bei Wikipedia nachgeschaut. Dort steht zu „Börsencrash“ folgendes:

Als Börsenkrach (oder Börsencrash) wird ein extremer Kurseinbruch an der Börse bezeichnet. Er dauert einige Tage bis hin zu wenigen Wochen. In dieser Zeit dominieren – meist panikartige – Verkäufe, die (…) zu drastisch fallenden Kursen führen.

Börsenkräche treten meist am Ende einer Spekulationsblase auf. (…)

Es gibt keine eindeutige Definition eines Börsenkrachs. Im Gegensatz zur Baisse fallen die Kurse schneller und plötzlicher, ein Ausdruck von Panikverkäufen.“

Also ist ein Börsencrash ein starker Kurseinbruch, der innerhalb einer kurzen Zeit stattfindet. Okay, dann lässt sich ja sehr schön an einem Chart ablesen, wie oft es einen Crash in den letzten Jahren gegeben hat.

Starten wir mit dem DAX

Den DAX (WKN: 846900) gibt es erst seit knapp 30 Jahren. Also scannen wir die letzten drei Jahrzehnte deutscher Börsengeschichte nach den acht größten Crashs:

1 16.10.1989 1.589,28 1.385,72 -12,81 %
2 19.08.1991 1.653,33 1.497,93 -9,40 %
3 19.10.1987 1.458,50 1.321,60 -9,39 %
4 11.09.2001 4.670,13 4.273,53 -8,49 %
5 28.10.1997 3.879,12 3.567,22 -8,04 %
6 26.10.1987 1.292,70 1.193,30 -7,69 %
7 21.01.2008 7.314,17 6.790,19 -7,16 %
8 06.10.2008 5.797,03 5.387,01 -7,07 %

Der mit Abstand größte prozentuale Tagesverlust im DAX fand Ende der 80iger Jahre statt. Hier gibt es eine interessante Parallele zu heute: auch damals boomten kreditfinanzierte Übernahmen und die Unternehmen waren hoch verschuldet. Das Fass zum Überlaufen brachte die geplatzte Übernahme von United Airlines. Schnell machte sich Panik breit, dass auch andere Übernahmen platzen könnten. Aktien wurden verkauft und es kam zu einer Kettenreaktion. Der DAX schloss damals mit einem unglaublichen Verlust von 12,81 %.

Werfen wir einen Blick auf die Wall Street

Auch in der Geschichte des bekannten amerikanischen S&P500 (WKN: A0AET0) gibt es einige Crashtage. Die größten acht Tagesverluste der letzten drei Jahrzehnte habe ich in folgender Tabelle dargestellt:

1 19.10.87 282,7 224,84 -20,47 %
2 15.10.08 998,01 907,84 -9,04 %
3 01.12.08 896,24 816,21 -8,93 %
4 29.09.08 1.213,27 1.106,42 -8,81 %
5 26.10.87 248,22 227,67 -8,28 %
6 09.10.08 984,94 909,92 -7,62 %
7 27.10.97 941,64 876,99 -6,87 %
8 31.08.98 1.027,14 957,28 -6,80 %

Auf Platz eins liegt hier der 19. Oktober 1987. Der berühmte „schwarze Montag“ hat dem Index einen Tagesverlust von 20,47 % beschert. Die Hintergründe des Crashs sind vielfältig.

Vorangegangen war eine Leitzinserhöhung des amerikanischen FED nach einer langen Phase ohne Zinsanpassung (das kommt mir irgendwie bekannt vor). Außerdem herrschte viel Unsicherheit über die Stabilität des Dollars (auch das ist heute nicht ganz unbekannt).

Hinzu kam, dass die Händler seit den 80iger Jahren Computer einsetzten und die Leistungsfähigkeit schlicht überschätzt wurde. Die Programme hatten alle ähnliche Absicherungsstrategien und somit kam es nach den ersten Verkaufswellen zu sich verstärkenden Effekten, da die Programme immer weiter verkauften.

Große Tagesverluste sind eher selten …

An den größten Verlusten kannst du schön erkennen, dass es bis auf jeweils einmal keine zweistelligen Tagesverluste gab. Das liegt unter anderem daran, dass es seit vielen Jahren automatische Handelsunterbrechungen gibt, die bei Verlusten von mehr als 10 % eingreifen und so die Panik etwas bremsen und den Verlust zumindest verteilen können.

Auch spielt die aktuelle Notenbankpolitik  bei den immer „glimpflicher“ ablaufenden „Crashs“ der letzten Jahre eine große Rolle. Durch die nahezu unbegrenzte Liquidität und die krampfhafte Suche nach Rendite der Märkte wird jeder größere Rücksetzer quasi „sofort“ gekauft.

Allerdings hat diese Entwicklung in den letzten 20 Jahren dazu geführt, dass zwar die Tagesverluste kleiner geworden sind, dafür aber die meist in Verbindung mit einem Crash stattfinde Baisse deutlich härter ausgefallen ist. So waren z.B. die Bärenmärkte von 2000 bis 2002 und von 2007 bis 2009 mit einem Gesamtverlust von 49 % und 52 % beim S&P500 jeweils deutlich stärker ausgeprägt als in den Jahrzehnten zuvor.

Du kannst an den Übersichten allerdings gut sehen, dass ein Börsencrash in Form eines sehr starken Tagesverlustes nur „relativ“ selten vorkommt. Jetzt solltest du natürlich nicht fröhlich losgehen und z.B. Aktien des DAX kaufen, nur weil ich hier schreibe, dass ein Börsencrash selten vorkommt!

Es kommt auf die Auswahl an

Vielmehr solltest du deine Investments sehr gezielt auswählen und versuchen, die Aktie zu einem für dich fairen Preis zu kaufen. Dabei spielt der Zeitpunkt des Kaufs eher eine untergeordnete Rolle. Wenn du am 18.10.87 gekauft hast, war das sicherlich nicht der perfekte Zeitpunkt. Aber selbst wenn du am 18.10.87 gekauft hättest, wäre dein Investment schon knapp zwei Jahre nach dem größten Tages-Crash der letzten Jahrzehnte wieder mehr wert gewesen als vor dem Kauf. Meist gibt es in den Folgetagen nach einem starken Abverkauf Anschlusskäufe, die den Kurs zumindest wieder etwas besser aussehen lassen, und wenn du geduldig bist, steigt der Kurs auch im stärksten Bärenmarkt irgendwann wieder.

Also beim nächsten Crash: Cool bleiben, selber nachdenken und die Lage analysieren … und erst dann Maßnahmen ergreifen! Keine Panik!

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