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Game Over für medizinisches Marihuana in Colorado?

Foto: Getty Images

Colorados Pionierarbeit für Marihuana im Jahr 2014 mag zu einer unbeabsichtigten Konsequenz mit weitreichenden Folgen geführt haben: die Zerstörung des staatlichen Marktes für medizinisches Marihuana. Kann medizinisches Marihuana neben Freizeit-Marihuana existieren?

Was?

Die meisten Staaten, die solche Marihuana-Gesetze eingeführt haben, haben damit begonnen, die Gesetze für medizinisches Marihuana festzulegen und Colorado ist dabei keine Ausnahme.

Der medizinische Marihuana-Markt des Bundesstaates wurde etwa im Jahr 2000 geschaffen und erst 2014 konnten die Cannabis-Besitzer legalerweise in ein Pot-Shop gehen und Marihuana zum persönlichen Gebrauch ohne eine entsprechende Karte kaufen.

Jetzt, da Marihuana jedem Erwachsenen zugänglich ist, der es kaufen möchte, sind diese Marihuana-Karten nicht mehr so wichtig. Colorado verabschiedete vor kurzem ein neues Gesetz zum Verkauf von Marihuana für das Jahr 2017. Darin erkannte der Staat an, dass die Verkäufe aus medizinischem Marihuana im letzten Jahr rückläufig gewesen waren.

Die Marihuana-Umsätze betrugen im Jahr 2016 430 Millionen US-Dollar, im Jahr 2017 aber nur noch 420 Millionen. Das war der erste Rückgang bei der Nachfrage nach medizinischem Marihuana seit Marihuana für den nicht-medizinischen Gebrauch legalisiert wurde.

Warum das passiert

Es ist wahrscheinlich keine Überraschung, dass die Nachfrage nach medizinischem Marihuana in Colorado zwar einbricht, die Umsätze aus nicht-medizinischem Marihuana aber steigen. Im Jahr 2017 stiegen die Umsätze in diesem Bereich um 30 % im Jahresvergleich auf 1,07 Milliarden US-Dollar.

Der Rückgang beim medizinischen Marihuana und der Anstieg beim nicht-medizinischen ergibt Sinn. Die Bearbeitung von Anträgen, um medizinisches Marihuana zu bekommen, kann in Colorado 1 bis 3 Arbeitstage dauern. Wenn die Bewerbung einen Fehler enthält, dann dauert es sogar noch länger.

Um eine solche Karte zu bekommen, müssen die Halter eine entsprechende medizinische Bescheinigung haben. Laut dem Department of Public Health and Environment in Colorado bekommt man eine solche Karte nur wenn man Krebs, HIV oder Aids, anhaltende Muskelspasmen, Kachexie, Glaukom, Anfälle, schweren Brechreiz, starke Schmerzen oder PTSD hat. Das ist eine ziemlich umfassende Liste, aber es kann sein, dass viele Patienten niemals eine medizinische Diagnose gestellt bekommen haben und auf den Ärger verzichten möchten, der mit einer Bürokratie verbunden ist.

Was bedeutet das?

Medizinisches Marihuana ist auf dem Vormarsch und wird immer mehr akzeptiert, aber es könnte auch sein, dass die Gesetze begünstigen, dass einige medizinische Marihuana-Kunden nicht in dieser Kategorie erfasst werden. Das könnte etwas Schlechtes sein, wenn das bedeutet, dass die Patienten nicht mehr die Primärbehandlung bekommen, die sie vielleicht brauchen.

Nichtsdestotrotz bietet Colorados neuer Marihuana-Markt Einblicke darin, wie wichtig nicht-medizinisches Marihuana für den Haushalt eines amerikanischen Bundesstaats sein kann. Die 1,5 Milliarden US-Dollar aus Marihuana-Umsätzen generierten 247,4 Millionen US-Dollar an Marihuana-Steuern, Lizenzen und Gebühren im Jahr 2017. Im Jahr 2016 waren es noch 193,6 Millionen US-Dollar gewesen.

Das ist viel Geld und sollte nicht unterschätzt werden. Bisher haben nur acht Staaten entsprechende Gesetze verabschiedet, aber es gibt 30 Staaten, die Gesetze zum medizinischen Marihuana haben. Wenn mehr Staaten wie Kalifornien bedeutende Steuereinnahmen aus dem Verkauf von nicht-medizinischem Marihuana melden, können wir davon ausgehen, dass andere Staaten folgen werden und das Verbot aufheben werden.

Die gute Nachricht für die Marihuana-Konsumenten und die Unternehmen in diesen Staaten ist, dass es aufwärts geht, aber der amerikanische Markt stellt für die Investoren immer noch einige Herausforderungen dar. National ist Marihuana nämlich immer noch illegal und die Republikaner in Washington sind dafür, die Gesetze strikter durchzusetzen als bisher. Daher ist es unwahrscheinlich, dass die Gesetze auf Bundesebene bald geändert werden.

Ohne eine Reform auf Bundesebene wird der Markt fragmentiert bleiben, wobei es nur wenige gute Investmentoptionen gibt, die an den größeren Börsen gehandelt werden wie an der New Yorker Börse. Stattdessen werden die meisten dieser kleinen Aktien weiterhin ein Betrugsrisiko ausstrahlen.

Fürs Erste sollten sich Investoren, die sich für Marihuana-Aktien interessieren, sich weiterhin auf Märkte konzentrieren, die Marihuana auf nationaler Ebene legalisiert haben, wie Kanada. Der expansive Markt für medizinisches Marihuana treibt das Umsatz- und Gewinnwachstum in diesem Land für eine Vielzahl von Unternehmen an. Darunter Canopy Growth (WKN:A140QA) und Aphria (WKN:A12HM0). Diese kanadischen Unternehmen investieren viel in das Wachstum, und eine erwartete Öffnung des Marktes für nicht-medizinisches Marihuana im ganzen Land in diesem Jahr lässt die Branchenbeobachter davon ausgehen, dass sich der Markt verdoppeln könnte.

Alles in allem scheint es, dass der Markt für medizinisches Marihuana in den verschiedenen Staaten, die entsprechende Gesetze eingeführt haben, zu einem Rückgang bei der Nachfrage führen wird. Daher ist es vielleicht nicht besonders sinnvoll, in Unternehmen zu investieren, die sich nur auf den medizinischen Markt konzentrieren.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Todd Campbell auf Englisch verfasst und wurde am 19.01.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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