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Celgene kauft Juno Therapeutics: Weitere mögliche Übernahmeziele Bellicum Pharmaceuticals, Cellectis und Kiadis Pharma

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Dass Celgene (WKN:881244) seinen Partner Juno Therapeutics (WKN:A12GMP) eines Tages übernehmen würde, war zu erwarten. Dass es jetzt schon zu dieser Übernahme des CAR-T-Spezialisten für ca. 9 Mrd. US-Dollar kommt, mag auch an der US-Steuerreform liegen. Gerade im Biotech-Sektor ist mit weiteren Übernahmen zu rechnen, damit die großen Fische den CAR-T-Markt nicht verschlafen.

Warum übernimmt Celgene seinen Partner Juno?

Celgene hatte sich frühzeitig mit rund einer Mrd. US-Dollar bei Juno eingekauft und damit neben einem 9,7 % Anteil am Unternehmen einige klinische Programme gesichert. Dass es so kurz nach Übernahme von Impact Biomedicines für ca. 7 Mrd. US-Dollar bei Celgene so schnell weiter geht mit Akquisitionen, offenbart deren ehrgeiziges Ziel, weiter kräftig wachsen zu wollen.

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Celgenes Hauptumsatzträger ist Blutkrebsmittel Revlimid mit allein 3,3 Mrd. US-Dollar Umsatz im dritten Quartal 2017. Und trotz neuer Medikamente auf dem Markt, wirken all diese meist besser, wenn sie zusammen mit Revlimid eingesetzt werden statt dieses zu ersetzen. Zwar läuft das Patent im wichtigsten Markt USA bis 2027 (in Europa bis 2024), doch ist es weise, sich schon jetzt über schwindende Umsätze durch dann aufkommende Biosimilars Gedanken zu machen.

Deshalb ist auch Juno Therapeutics als Übernahmeziel interessant, da es mit führend bei der CAR-T-Zelltherapie ist. Juno konnte mit JCAR017, das übrigens ähnlich wie das kürzlich zugelassene Yescarta von Gilead Sciences (WKN:885823) arbeitet, sehr gute Resultate präsentieren. Nur 2 % von insgesamt 44 Patienten hatten einen Zytokinsturm, und nur 18 % zeigten Anzeichen von Neurotoxizität.

Bei Gilead waren es zum Vergleich 13 % für Zytokinstürme und 28 % für Neurotoxizität, d. h. das Sicherheitsprofil scheint für JCAR017 deutlich besser zu sein, so dass ein signifikanter Wettbewerbsvorteil für Celgene vorliegen dürfte. Schon dieses Jahr soll der Zulassungsantrag eingereicht werden.

Warum Bellicum ein Übernahmeziel ist

Bei CAR-T-Therapien werden T-Zellen mit sogenannten chimären Antigenrezeptoren (CAR) ausgestattet, um an bestimmte Antigene auf der Oberfläche von Krebszellen zu binden und damit die Abtötung solcher Zellen durch unser Immunsystem zu ermöglichen.

Leider kam es in den meisten bisherigen Anwendungen zu Todesfällen, da diese CARs oft so starke Immunreaktionen auslösen, dass Patienten an solch einem Zytokinsturm sterben. Hier hat Bellicum Pharmaceuticals (WKN:A12GT1) einen chemischen An- und Ausschalter namens CaspaCIDe entwickelt.

Indem die angewendeten CAR-T-Zellen entsprechend gentechnisch verändert werden, können sie durch Zugabe von Rimiducid gezielt zum Absterben gebracht werden, falls sich Nebenwirkungen wie Zytokinstürme oder Hirnschwellungen lebensbedrohend entwickeln.

Zuletzt hatte Gilead sich schon durch Übernahme von Cell Design Labs im Dezember 2017 eine ähnliche Technologie eingekauft, um CAR-T insgesamt sicherer zu machen. Gut möglich also, dass Celgene oder Novartis (WKN:904278) shoppen gehen und ein Auge auf Bellicum werfen werden.

Die französische Cellectis ist attraktiv

Während zugelassene CAR-T-Therapien von Novartis und Gilead und auch Junos Entwicklungen auf Patienten-eigenen (autologen) T-Zellen basieren, entwickelt Cellectis (WKN:A0MKPR) CAR-T-Therapien auf Basis von Spender-T-Zellen (allogen). Gravierende Vorteile sind die bessere Qualitätskontrolle, vereinfachte Logistik sowie eine Verfügbarkeit ab Lager.

Dazu muss man wissen, dass bisherige Prozesse für die beiden zugelassenen CAR-T-Therapien extrem aufwändig und teuer sind und zudem mehrere Wochen brauchen, bis dem Patienten geholfen wird. Zudem geht bei der Produktion ab und zu etwas schief, so dass der Patient erneut zur Ader gelassen werden muss. Daher auch der Preis von bis zu 475.000 US-Dollar pro Behandlung.

Cellectis setzt daher konsequent auf allogene T-Zellen. Das am weitesten fortgeschrittene Projekt UCART19 zusammen mit Servier und Pfizer richtet sich gegen die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) und den CD19-Rezeptor, der auch schon Ziel der CAR-T-Therapien von Gilead und Novartis ist.

In klinischer Phase I konnte mit UCART19 bei niedriger Dosierung und relativ geringen Nebenwirkungen bei 83 % der Patienten eine Heilung erreicht werden. Cellectis hat die meisten CAR-T-Studien im Bereich Blutkrebs angesiedelt und wäre daher ideales Übernahmeziel für all die Unternehmen, die sich hier verstärken wollen.

Zudem hat Cellectis wichtige Patente und Knowhow bei der Anwendung der TALEN-Genschere für die gentechnische Veränderung der T-Zellen. Da schon eine Zusammenarbeit mit Servier und Pfizer existiert, wären diese beiden als potenzielle Käufer sicherlich als erstes zu nennen.

Kiadis Pharma steht kurz vor erster Zulassung

Kiadis Pharma (WKN:A14VE3) entwickelt keine CAR-T-Zelltherapien, aber auch Zelltherapien bei Blutkrebs. Denn zum heutigen Zeitpunkt ist die Stammzelltransplantation ein häufiges Mittel bei Leukämie. Leider kommt es immer wieder zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Abstoßungsreaktionen (engl.: Graft-versus-Host-Disease, GvHD), die als Immunreaktion lebensgefährliche Schäden an der Haut und den inneren Organen verursachen kann.

Um dies zu verhindern, vermischt Kiadis Zellen des Patienten und des Spenders im Labor. Ein Teil der Spender-T-Zellen wird aktiviert und würde in diesem Fall eine Immunreaktion und GvHD auslösen. Durch Zugabe von 4,5-Dibromorhodamin Methylester häuft sich diese Chemikalie nur in aktivierten T-Zellen an, die durch Bestrahlung mit grünem Licht abgetötet werden.

Die überlebenden Zellen werden dann dem Patienten als Transfusion verabreicht mit dem Resultat, dass GvHD viel weniger häufig auftritt. Zudem müssen keine Immunsuppressiva zur Unterdrückung des Immunsystems gegeben werden, so dass auch die Gefahr von Infektionen reduziert ist.

Mit der jetzt gestarteten Phase III-Studie müssen die vorherigen Ergebnisse noch statistisch belegt werden, so dass bei positivem Ausgang schon Ende 2018 mit einer vorläufigen Zulassung gerechnet werden kann.

Da diese Methode noch eleganter als ein molekularer Schalter für T-Zellen ist, sollte das Interesse der Industrie entsprechend groß sein, wenn es zur Zulassung kommt. Denn Nebenwirkungen wie GvHD, Zytokinstürme oder Hirnschwellungen können Klinische Studien zu Fall bringen und bergen unvorhersehbare Risiken für ohnehin schon schwer kranke Patienten.

Fazit

Alle drei der genannten Unternehmen haben Alleinstellungsmerkmale, die den nächsten Schritt in der medizinischen Entwicklung darstellen könnten. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Bewertung werden sich sicherlich einige Unternehmen Gedanken machen, ob man hier nicht günstig an führende Technologien herankommen könnte.

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Stefan Graupner besitzt Aktien von Kiadis Pharma. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Celgene und Gilead Sciences. The Motley Fool empfiehlt Juno Therapeutics.

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