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Neue Konkurrenten für Daimler, BMW, VW und Tesla

Foto: Getty Images

Kann BMW (WKN:519000), Daimler (WKN:710000) oder VW (WKN:766403) gegen den E-Mobilitäts-Pionier Tesla (WKN:A1CX3T) bestehen? Gefühlt spitzt sich die Diskussion über die heimische Automobilbranche aktuell auf diese einfache Frage zu. Die Antwort wird dabei zur Glaubensfrage und führt zu hitzigen Diskussionen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl Tesla als auch viele der traditionellen Autobauer in zehn Jahren noch am Markt zu Gange sind, in meinen Augen sehr viel wahrscheinlicher.

Als ebenso wahrscheinlich erachte ich es aber auch, dass bedingt durch die vielen Trends des Mobilitätssektors – unter anderem Elektromobilität, autonomes Fahren und Mobilitätsservices – die Branche in zehn Jahren deutlich anders aussehen wird als noch heute.

Autonomes Fahren: IT-Kompetenz wird wichtiger

Autonomes Fahren ist für die einen die Zukunftsvision schlechthin, für die anderen aber eher eine Horrorvision. Egal was es für einen persönlich bedeutet, dahinter steckt massenhaft künstliche Intelligenz. Da es weltweit einige Unternehmen gibt, die schon sehr lange an künstlicher Intelligenz arbeiten, gibt es auch viele Unternehmen außerhalb der Automobilbranche, die aufgrund dieses Trends ihre große Chance wittern, die Automobilbranche zu erobern.

An vorderster Front ist hier wohl Alphabet mit seinem ausgegründeten Tochterunternehmen Waymo zu nennen. Aber auch Baidu aus China, arbeite mit namenhaften Partnern an Software-Lösungen zum autonomen Fahren. Ebenfalls sehr ambitioniert ist der Grafikchip-Hersteller Nvidia.

Die spannende Frage in diesem Bereich bleibt für mich, ob die genannten IT-Experten es sich in naher Zukunft zutrauen, nicht nur die Softwarelösungen zum autonomen Fahren zu entwickeln, sondern ganze Fahrzeuge. Waymo hat zu Beginn bereits genau das getan, nimmt nun aber wieder etwas Abstand von diesen Plänen. Auch bei Apple wird immer wieder spekuliert, ob und wann nun endlich das Apple-Auto präsentiert wird oder ob Apple nur an der Entwicklung von Software rund um das Auto der Zukunft interessiert ist.

Der Start mit der Software zum autonomen Fahren ist der einfache und logische Schritt der genannten Unternehmen. Die Entwicklung und Massenproduktion von eigenen Fahrzeugen ist aber eine ganze andere Herausforderung und liegt meiner Meinung nach zumindest derzeit noch nicht im Kompetenzbereich dieser Unternehmen.

Die Option, einen solchen Schritt zu wagen, werden sich sicherlich aber einige IT-Experten offen lassen. Denn, es gibt nicht vieles was Alphabet & Co. mehr lieben als eine Vielzahl von Optionen.

Elektrifizierung: Die Eintrittsbarrieren werden geringer

Ein Elektroauto hat gegenüber einem Verbrennungsmotor einen entscheidenden Vorteil: es gibt viel weniger Teile und in Summe ist es einfach weniger kompliziert und auch günstiger derartige Autos zu entwickeln und herzustellen. Die allermeisten Komponenten lassen sich heute einfach dazukaufen. Diese neue Einfachheit ruft neue Konkurrenten auf den Plan, die hier große Chancen sehen, den Markt aufzumischen.

In Deutschland ist dabei wohl vor allem die Deutsche Post ein Paradebeispiel. Vor drei Jahren kaufte der Versanddienstleister ein universitäres Spin-Off. Und seit nun über einem Jahr fertigt das Unternehmen das eigene Zustellfahrzeug mit Elektromotor, den Streetscooter. Im Kleinen stellt die Post die Nutzfahrzeuge übrigens auch schon anderen Unternehmen zur Verfügung. Dieses externe Geschäft möchte die Post gar noch ausbauen.

Ein weiteres Projekt aus Deutschland plant für 2018 den Verkauf eines Elektroautos zum Kampfpreis von 15.900 Euro – inklusive Batterie und in einer Kleinstserie von 10.000 Stück wohlgemerkt. Natürlich lassen die technischen Daten PS-Liebhaber und Autonarren derzeit nur müde schmunzeln, aber: Mit einer Reichweite von rund 100 km, einer Beschleunigung von 0 auf 50 km/h in fünf Sekunden, vier Sitzen und einer überschaubaren Länge von 3,35 m ist der e.Go Life womöglich der Traum vieler Großstädter.

Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt der schwedischer Hersteller Uniti. Mit dem Uniti One plant das Unternehmen ein dem e.Go Life ähnliches Modell im Jahr 2019 auf den Markt zu bringen. Die günstigste Variante soll dabei sogar noch 1.000 Euro günstiger sein als der e.Go Life.

Ganz andere Hausnummern sind nun die neuesten Ankündigungen vom chinesischen Newcomer Byton und vom britischen Staubsaugerhersteller Dyson. Byton ist die 2017 gegründete Automobilsparte des chinesischen Unternehmens Future Mobility Corporation (FMC). 2019 will das Unternehmen einen High-Tech SUV auf den Markt bringen, der zu einem Kampfpreis von 45.000 Euro über die Ladentheke geht.

Der exzentrische Gründer Sir James Dyson hat für das Jahr 2020 ebenfalls ein eigenes Elektroauto angekündigt. In Summe möchte Dyson dafür rund 2,3 Milliarden Euro ausgeben und damit nicht nur das Fahrzeug, sondern auch die eigene Batterie entwickeln.

Die Vielfalt der neuen Ankündigungen lässt schon erahnen, wie stark die Elektromobilität den Automobilmarkt durcheinanderbringen könnte. Die allergrößte Veränderung könnte aber der nächste Trend liefern. Denn dieser Trend ruft nicht nur neue Konkurrenten auf den Plan, sondern könnte das gesamte Geschäftsmodell der Branche auf den Kopf stellen.

Mobilitätsdienstleistungen: Eine andere Denkweise ist gefragt

Ein eigenes Auto bedeutet Komfort und Bequemlichkeit. Ein eigenes Auto bedeutet für viele auch ein kleines Stückchen Freiheit und Selbstverwirklichung. Dennoch steht ein durchschnittliches Auto täglich 23 Stunden nutzlos herum. Dieser Leerlauf macht die Nutzung eines privaten Autos pro Fahrt oder Kilometer so unglaublich teuer.

Anbieter von Mobilitätsservices möchten sich diesen Umstand zu Nutze machen. Geteilte Fahrzeuge sollen die Auslastung deutlich erhöhen und so den Grundnutzen eines eigenen Autos – von A nach B zu kommen – deutlich günstiger machen.

Derzeit sind solche Car-Sharing-Dienste, wie etwa car2go von Daimler oder DriveNow von BMW noch etwas umständlich, da das Angebot begrenzt ist. Wer in einer Großstadt keine Lust hat, durchschnittlich einige Minuten zum geteilten Auto laufen zu müssen, für den sind solche Angebote leider nichts.

Aber auch hier streben neue Konkurrenten auf den Markt und wollen den etablierten Automobilkonzernen die Butter vom Brot nehmen. An vorderster Front sind dabei die amerikanischen Unternehmen Lyft und Uber, die in den letzten Jahren rasant gewachsen sind.

Und umso bequemer und komfortabler solche Angebote werden, desto größer die Verbreitung. Denke nur einmal an ein Robo-Taxi, das dich pünktlich direkt vor deiner Haustüre abholt. Irgendwie ziemlich genial, oder nicht?

Die größte Herausforderung für etablierte Autokonzerne ist dabei aber das grundlegend andere Geschäftsmodell. Bei Mobilitätsservices geht es nicht mehr darum, ein Auto zu verkaufen und es möglicherweise noch zu finanzieren. Es geht darum, den Kunden nicht nur einmal alle paar Jahre zu begeistern, sondern viele Male pro Woche oder gar viele Male pro Tag. Es geht darum, tagtäglich Millionen einzelner Transaktionen abzuwickeln und mehrere Millionen Kunden zu begeistern.

Am Ende könnte das die Automobilbranche auf den Kopf stellen. Von einer bisher zyklischen Industrie mit Nachfrageschwankungen von Marktzyklus zu Marktzyklus, hin zu einer nicht-zyklischen Konsumgüterbranche. Das konsumierte Gut ist dabei nicht der Döner um die Ecke, sondern ein kleines Stück Mobilität, ein kleines Stückchen Freiheit und Selbstverwirklichung.

Die Zeit wird es zeigen

Natürlich sind einige Facetten der genannten Trends heute noch Zukunftsmusik. Ob künstliche Intelligenz einen Autofahrer jemals vollwertig ersetzen kann, ob die vollmundigen Ankündigungen von supergünstigen Elektroautos realisiert werden und ob die Mehrzahl der heutigen Autofahrer sich von Mobilitätsdiensten überzeugen lassen, all das steht in den Sternen.

Dennoch zeigt sich bereits heute eines: Die Autobranche ist in Aufruhr, viele neue Unternehmen drängen auf den Markt und versuchen sich ein Stück vom Kuchen zu schnappen. Jetzt müssen sich die etablierten Herstellern diesen Herausforderungen stellen und die Marktanteile verteidigen.

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Sven besitzt Aktien von Apple, Baidu, BMW und Daimler. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien), Apple, Baidu und Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple.

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