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Warren Buffett investierte in diesen 3D-Drucktrend. Sollten wir das auch tun?

Foto: The Motley Fool.

Wenn Warren Buffett bei einer großen Übernahme das Scheckbuch rausholt, spricht er gerne von einem „Elefantentöter“. Aber einige Elefanten sind besonders groß.

Das galt sicherlich auch für den Hersteller von Präzisionsteilen für die Luft- und Raumfahrtindustrie Precision Castparts, den Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) 2016 für atemberaubende 32,3 Milliarden US-Dollar erwarb. Es bleibt Buffetts größte Übernahme überhaupt — ohne die Schulden des Unternehmens miteinzubeziehen, die den realen Preis bei 37,2 Milliarden US-Dollar ansetzt.

Das war ein saftiger Preis für ein Unternehmen, das in einen historisch zyklischen Industriebereich nur 1,5 Milliarden US-Dollar Jahreseinkommen erwirtschaftet. Buffett erntete bei der Ankündigung des Deals eine Menge Kritik. Aber das Orakel von Omaha mag Wachstumschancen gesehen haben, die der Rest des Marktes weitgehend übersehen hat – die führende Marktposition im Bereich technisch komplizierte technische Metalle und das aufstrebende Potenzial des 3D-Metalldrucks.

Buffetts Langzeitwette

Ende Januar 2016 wurde der Deal abgeschlossen. Bis Ende des Jahres würde Precision Castparts Atlantic Precision kaufen, ein Start-up-Unternehmen im Bereich des 3D-Metalldrucks, das sich auf das direkte Metall-Laser-Sintern (DMLS) konzentriert. Die Technologie verschmilzt Metallpulverlegierungen, die in Additivherstellungsmaschinen verwendet werden, zu komplexen Formen mit feinen Geometrien. Aber warum?

Eines der Versprechen des 3D-Metalldrucks ist die Vereinfachung des Prozesses zur Herstellung komplexer Metallteile und Beschläge in Hochleistungsindustrien wie der Luft- und Raumfahrt, wo Precision Castparts 70 % seines Jahresumsatzes erwirtschaftet. Beispielsweise könnte die additive Fertigung die Anzahl der Teile, die für verschiedene Komponenten eines Triebwerks benötigt werden, deutlich reduzieren und Reparaturen und Wartung vereinfachen. Oder es könnte den Zeit- und Kostenaufwand für die Herstellung von Titanteilen für Fahrwerke reduzieren und damit das Gewicht eines Flugzeugs und den Treibstoffverbrauch reduzieren.

Die Übernahme von Atlantic Precision mag für sich allein betrachtet nicht nach viel erscheinen, aber die Gesamtstrategie hat es in sich. Precision Castparts erwarb den Lieferanten von Primärtitanprodukten Timet für 2,9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 und den Hersteller von Nickellegierungen Special Metals im Jahr 2006, der die technischen Möglichkeiten für die Entwicklung von Titan- und Nickellegierungspulvern bot. Zusammen mit der DMLS-Technologie könnte man argumentieren, dass der Hersteller von Teilen für die Luft- und Raumfahrtindustrie einen integrierten Lieferanten aufbaut, um die wachsende Kundennachfrage nach 3D-Druckteilen aus Metall zu befriedigen.

Obwohl Precision Castparts führend in seinem Bereich ist, ist es im riesigen Portfolio von Berkshire Hathaway ziemlich klein. Es gibt bessere Möglichkeiten für die Investoren, sich direkt in die Zukunft des 3D-Metalldrucks einzukaufen – nicht zuletzt deshalb, weil ähnliche Strategien von anderen Herstellern von technischen Werkstoffen mit starkem Fokus auf die Luft- und Raumfahrtindustrie schon eingesetzt werden.

So investiert man in den 3D-Druck von Metallen

Ein Unternehmen braucht drei Dinge, um es in der additiven Fertigung mit Metallen zu schaffen:

  1. Pulverlegierungen
  2. Verfahren und/oder Maschinen für das zu bauende Teil
  3. Technisches Know-how über die geforderten Leistungskriterien des Bauteils (Temperaturtoleranz, Spannungs- und Dehnungsverhalten u.ä.)

Die ersten beiden scheinen trivial zu sein, aber es gibt jede Menge Geld, das für die Forschung ausgegeben wird, um festzustellen, welche Arten von pulverförmigen Legierungen und Prozessen zu den widerstandsfähigsten Teilen führen. Die dritte Anforderung ist ein Unternehmen, das direkt mit der Herstellung von Metallteilen befasst ist und über die Bedürfnisse des Endkunden Bescheid weiß. Alle drei Erfolgsfaktoren sind wichtig, aber die Industrie wird nicht weit kommen ohne ein Technologie-Ökosystem, das von den ersten beiden unterstützt wird.

Gute Nachrichten: Der Marktführer für Metalllegierungen Allegheny Technologies (WKN:931083) und der Industriekonzern General Electric (WKN:851144) haben kürzlich ein Joint Venture gegründet, um ein Herstellungsverfahren zur Herstellung von schmelzfreien Titanlegierungspulvern für 3D-Druckanwendungen zu entwickeln und zu vermarkten.

Schmelzfreies Titan könnte zu einer grundlegenden Veränderung in der Art und Weise führen, wie die Welt mit Titan umgeht.

Heute wird fast alles Titan im Kroll-Verfahren hergestellt. Es geht darum, Titandioxid in riesige Reaktoren einzuspeisen und Temperaturen nahe 1.000 Grad Celsius zu erreichen. Dabei entstehen unsaubere Reaktionen, die zu Kohlendioxid-Emissionen und unerwünschten Nebenprodukten führen. Aber es funktioniert gut genug, so dass die Industrie die negativen Aspekte toleriert.

Auf der anderen Seite bieten Verfahren, die aus Titandioxid schmelzfreie Titanlegierungen herstellen, Fortschritte in fast jedem Schritt der Produktion (und insgesamt weniger Schritte), von reduzierten Temperaturen und Emissionen bis hin zu höheren Ausbeuten beim beabsichtigten Produkt. Diese Prozesse können auch kleinere Partikel und bessere Titanlegierungen erzeugen, die mit dem Kroll-Prozess nicht möglich sind, was ein neues Zeitalter der technischen Werkstoffe eröffnen und Titananwendungen weit über die Luft- und Raumfahrtindustrie hinaus erweitern könnte – es könnte auch die Metall-3D-Druckindustrie in ein neues Zeitalter führen.

General Electric ist seit Jahrzehnten führend in der Erforschung von schmelzfreiem Titan und die jahrelangen Investitionen zahlen sich jetzt enorm aus. Das Unternehmen ist seit einem Jahrzehnt führend im 3D-Drucken von Metallen und stellt alles her, von Turbinen für Strahltriebwerke bis hin zu Lokomotivmotoren. GE besitzt Arcam, das rund 70 % des Metallpulvermarktes für Additive Manufacturing beherrscht. Des Weiteren ist das Unternehmen ein bedeutender Investor in das führende Start-up-Unternehmen für 3D-Metalldruckmaschinen, Desktop Metal, das industrieorientierte Maschinen verkauft (ungeachtet dessen, was der Name vermuten lässt).

Zusätzlich ist General Electric mit dem viel kleineren Allegheny Technologies verbunden, einem führenden Hersteller von technisch komplexen Metalllegierungen. Das Unternehmen ist seit langem ein wichtiger Zulieferer in der Luft- und Raumfahrtindustrie und bringt dem Joint Venture einen guten Ruf in der Fertigung ein. Das wird entscheidend sein, um die Produktion von schmelzfreiem Titan auf ein kommerzielles Niveau zu bringen, vor allem wenn man bedenkt, dass Arcam mit einem Marktanteil von 70 % nur 750 Tonnen Jahreskapazität zur Verfügung steht.

Auch der Alcoa-Spin-off Arconic (WKN:A2ATUW) rüstet sich, um Marktanteile im noch jungen Bereich des 3D-Metalldrucks zu gewinnen. Das Unternehmen verfügt bereits über Kundenbeziehungen zu führenden Herstellern in der Automobil- und Luftfahrtindustrie, ist ein führender Anbieter von Aluminium-, Titan- und Nickellegierungen und bietet seit kurzem Metallpulver für Additive Manufacturing-Anwendungen an.

Und ähnlich wie General Electric und Allegheny Technologies investiert Arconic in neue Prozesse, um einen Mehrwert für seine Kunden zu schaffen. Das Ampliforge-Verfahren des Unternehmens wird im eigenen Haus entwickelt, um „die Produktionsgeschwindigkeit zu verbessern, die Kosten zu senken und um Geometrien zu erreichen, die mit herkömmlichen Methoden nicht möglich sind“.

Die Investoren können auch in den 3D-Metalldruck investieren, indem sie die additiven Herstellerfirmen besitzen, die die Maschinen verkaufen, obwohl es derzeit nur ExOne (WKN:A1KCMF) gibt. Abgesehen davon, dass das Unternehmen wie Allegheny Technologies und Arconic in Pittsburgh angesiedelt ist, bietet es keine überzeugende Gelegenheit in diesem Bereich.

Das Unternehmen macht langsam Fortschritte, aber es könnte noch einige Zeit dauern, bis ExOne einen Gewinn in seinem sehr zyklischen Bereich erzielt. Erschwerend kommt hinzu, dass seine Technologie sich vielleicht nicht durchsetzen wird, was ein technisches Risiko darstellt.

Solltest du Warren Buffett beim 3D-Metalldruck folgen?

Das wirft einen wichtigen Punkt auf: Der Bereich befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Die Gewinner und Verlierer müssen noch ermittelt werden, wobei interessierte Investoren keine besseren Möglichkeiten finden werden, direkt in die sich bietenden Gelegenheiten zu investieren als General Electric, Allegheny Technologies und Arconic.

Natürlich stellt der Mischkonzern das gleiche Hindernis dar wie Berkshire Hathaway mit Precision Castparts. Das heißt, die additive Fertigung hat heute relativ wenig Einfluss auf die finanzielle Gesamtperformance von General Electric. Doch angesichts der Dominanz in der gesamten Lieferkette des 3D-Drucks im Metallbereich sind nur wenige Unternehmen besser positioniert, um Wachstumschancen in diesem Bereich wahrzunehmen.

Allegheny Technologies und Arconic erwirtschaften heute auch relativ wenig Umsatz oder Gewinn aus der Additivherstellung, aber beide verfügen über langjährige Kundenbeziehungen, die in der Zukunft einen Unterschied machen könnten.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Berkshire Hathaway (B-Aktien).

Dieser Artikel von Maxx Chatsko erschien am 8.1.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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