MENU

Wal-Mart steht auf der Bremse und will 2018 wieder Gas geben

Foto: The Motley Fool.

Das Management von Wal Mart Stores (WKN:860853) hat im vergangenen Jahr eine Entscheidung getroffen, die auf den ersten Blick etwas untypisch schien. Die Geschäftsleitung entschied sich nämlich für eine langsamere Expansion der physischen Lagerfläche des Unternehmens, was zu einer drastischen Reduzierung der Neuentwicklungen führte. In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 hat der globale Einzelhandelsriese die Ausgaben für die Entwicklung von Geschäften und Clubs um fast 60 % von 1,7 Mrd. US-Dollar auf 712 Mio. US-Dollar gesenkt.

Ein Entwicklungsbudget von ca. 700 Mio. US-Dollar, zu dem auch Umzüge und Erweiterungen von Filialen gehören, erscheint angesichts der letzten 12-Monatsumsätze des Unternehmens von fast 500 Mrd. US-Dollar fast sparsam. Tatsächlich hat Wal-Mart für die neun Monate vor dem 31. Oktober seinen globalen Fußabdruck um nur 3 Millionen Quadratmeter gegenüber dem Vorjahreszeitraum vergrößert und den Zeitraum mit 1,1 Milliarden Quadratmetern beendet.

Doch gleichzeitig ließ Wal-Mart die Ausgaben für die Umgestaltung der Geschäfte in den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 um 24 % auf 1,6 Milliarden US-Dollar ansteigen. Die Ausgaben für E-Commerce, einschließlich Technologie- und Supply-Chain-Initiativen, stiegen um 10 % auf fast 2,9 Milliarden US-Dollar.

Das Management nennt diese Verschiebung der Ausgabenprioritäten „strategische Kapitalzuteilung“. Die Wal-Mart-Führungsetage ist der Überzeugung, dass bessere Umsätze und eine höhere Kapitalrendite (ROA) erzielt werden können, indem die Ausgaben für E-Commerce-Aktivitäten erhöht und gleichzeitig die bestehenden physischen Läden so erweitert werden, dass sie sich als traditionelle Einzelhandelsstandorte und als Vertriebsstützpunkte für E-Commerce-Verkäufe eignen.

Eine Idee, die sich seit einigen Jahren in der Entwicklung befindet

Bisher scheint sich die Strategie der Kapitalzuteilung, insbesondere die Neuausrichtung der Investitionen auf das Wachstum des E-Commerce, auszuzahlen. Die Umsätze in vergleichbaren Märkten des Unternehmens stiegen im um 2,7 %. Rund 80 Basispunkte oder 30 % dieser Verbesserung sind auf steigende E-Commerce-Umsätze zurückzuführen. Der Gesamtumsatz des Quartals stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 % – eine attraktive Wachstumsrate für den expandierenden Konsumgüterriesen.

Obwohl die Verschiebung der Ressourcen im laufenden Geschäftsjahr, das am 31. Januar endet, dramatisch war, hat Wal-Mart sein Geschäft auf eine Produktivitätssteigerung in den letzten zwei Jahren vorbereitet. Dies geschah durch die Eindämmung des Wachstums in seinem größten Segment, Wal-Mart U.S., in dem alle Aktivitäten außerhalb von Sam’s Club U.S. zusammengefasst sind.

Zwischen 2012 und 2015 fügte das US-Segment von Wal-Mart neue Flächen hinzu — bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 2,75 %. Im Geschäftsjahr 2016 hat das Management jedoch begonnen, diese Expansion zu bremsen und die Wachstumsrate um fast die Hälfte auf 1,4 % zu halbieren, gefolgt von einer Expansion um 1,4 % im Jahr 2017. Im laufenden Geschäftsjahr, in dem noch ein Quartal zu melden ist, ist die Quadratmeterzahl im Vergleich zum Vorjahr nur um ein halbes Prozent gestiegen.

Das Ergebnis? Da das Umsatzwachstum höher ist als die zusätzlichen Einzelhandelsflächen, erzielt Wal-Mart in seinem US-Segment eine deutlich bessere Verkaufsrendite pro Quadratmeter. Der Trend beginnt mit dem Wendepunkt 2016:

GRAFIK

Natürlich verursachen die höheren Einnahmen, die diesen Trend forcieren, auch Kosten. Das Unternehmen verzichtet auf einen gewissen Anteil am Gewinn, da es investiert, um Traffic in die Geschäfte zu ziehen und auch um Marktanteile im E-Commerce vom Konkurrenten Amazon.com (WKN:906866) zu gewinnen. Der Umsatz pro Quadratmeter steigt, aber kurz- bis mittelfristig ist das Unternehmen bestrebt, seine Kernkundenposition EDLP (Daily Low Price) zu stärken.

Damit ist die operative Marge im laufenden Geschäftsjahr um 3,6 % gesunken. In den nächsten Jahren wird Wal-Mart möglicherweise weiterhin eine geringere Rendite tolerieren, um seinen Wunsch nach größeren Marktanteilen realisieren zu können – ein sehr Amazon-ähnlicher Kompromiss.

Wettbewerbsfähiger

Die Aktionäre von Wal-Mart haben erlebt, wie die E-Commerce-Strategie des Unternehmens in den letzten Quartalen umgesetzt wurde. Der Kauf des Online-Einzelhändlers Jet.com half dem Unternehmen, den E-Commerce-Umsatz zu steigern und, was noch wichtiger ist, neue Online-Verkaufskategorien im Einzelhandel zu erforschen. Dazu gehören Premiumprodukte und innovative Eigenmarkenprodukte wie die von Jet.com entwickelte und vertriebene Seife „Uniquely J“.

Mit der Übernahme des in New York ansässigen Zustellunternehmens Parcel hat Wal-Mart in jüngster Zeit die Voraussetzungen geschaffen, in Ballungsräumen zu verkaufen, in denen es oft unpraktisch ist, Supermarktformate zu eröffnen.

Zusammenfassend kann die gesamte aktuelle Strategie von Wal-Mart als Versuch betrachtet werden, die Rendite zu steigern. Durch die Einschränkung der Expansion in den letzten zwei Jahren und die noch stärkere Begrenzung im Geschäftsjahr 2018 hat sich das Unternehmen in ein produktiveres und wettbewerbsfähigeres Unternehmen verwandelt. Es ist kein Wunder, dass die Investoren einen zweiten interessierten Blick auf diesen einstmals stolzen Einzelhändler werfen.

Das einfache Geheimnis, die besten Aktien zu kaufen

Wie Warren Buffett einmal sagte, musst du keinen IQ eines Genies haben, um ein großartiger Investor zu sein. Alles was du dafür brauchst ist einfache Mathematik, das Wissen auf welche Zahlen du schauen musst und etwas gesunden Menschenverstand. In unserem kostenlosen Spezialbericht "15 Bilanzkennzahlen, die dich zu einem besseren Anleger machen" teilen wir 15 Bilanzkennzahlen mit dir, mit Hilfe derer du die Aktien mit den besten Zukunftsaussichten identifizieren kannst. Klick hier, um kostenlosen Zugang zu diesem Sonderbericht zu erhalten.

John Mackey, CEO von Whole Foods Market, eines Tochterunternehmens von Amazon, ist Mitglied des Vorstand von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon.

Dieser Artikel wurde von Asit Sharma auf Englisch verfasst und wurde am 07.01.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

 

Kostenlos: Aktientipps, Börsen-Nachrichten, Anlage-Erkenntnisse

Registriere dich kostenlos für den Newsletter "Bilanz Ziehen", deine wöchentliche E-Mail von The Motley Fool

Ich würde gerne E-Mails von euch zu Produktinformationen und –angeboten von The Fool und seinen Geschäftspartnern erhalten. Jede dieser E-Mail wird einen Link zum Abbestellen zukünftiger E-Mails beinhalten. Mehr Informationen dazu, wie The Fool persönliche Daten sammelt, speichert und handhabt finden sich in den Datenschutzhinweisen von The Fool.