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Gazprom startet den Preiskampf gegen die USA

Foto: Gazprom

Auf den ersten Blick ist Gazprom (WKN:903276) in einer hervorragenden Position. Das russische Gasunternehmen hat zwei langfristig sehr vielversprechende Märkte in Russlands Nähe.

Europas Hunger nach Gas nimmt nicht ab, der Ausstieg aus Kohle und Gas sowie die versiegenden eigenen Vorräte machen den Kontinent zum perfekten Exportmarkt. Am anderen Ende Eurasiens führt das wirtschaftliche Erwachen Chinas zu einem fast unersättlichen Energiehunger, und auch Peking will angesichts immenser Umweltverschmutzung vermehrt auf das vergleichsweise umweltfreundliche Erdgas setzen.

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Gasnachfrage dürfte also auf absehbare Zeit genug vorhanden sein, aber ob Gazprom auch margenstarke Preise erreichen kann, ist mittel- bis langfristig nicht mehr ganz so sicher. Die amerikanischen Schiefergasproduzenten lassen nämlich zunehmend ihre Muskeln spielen.

Die Russlandsanktionen waren der Startschuss

Als Trump im letzten Jahr eher widerwillig die Sanktionen gegen Russland unterschrieben hat, waren die Hintergedanken der US-Politiker eigentlich nur schlecht versteckt. Einerseits wollte man der russischen Regierung in Moskau einen Warnschuss geben, dass man sich nicht alles gefallen lassen wird, gleichzeitig hat man aber auch die Gelegenheit genutzt, um ein bisschen Protektionismus unterzumischen.

Trump macht keinen Hehl daraus, dass er die USA als mächtigen Energieexporteur positionieren will. Dementsprechend sollte es nicht überraschen, dass es die Russland-Sanktionen explizit auf Energieexportprojekte abgesehen hatten. Sogar internationalen Unternehmen, die sich an solchen Projekten beteiligen, können laut den Sanktionen Strafen auferlegt werden.

Die USA suchten im letzten Jahr mehrfach die Nähe zu russlandkritischen europäischen Ländern wie Polen. Im August kam die erste amerikanische Flüssiggaslieferung in Litauen an, mit Polen wurde ein mehrjähriges Abkommen über die Lieferung von Flüssiggas abgeschlossen, welches das Land deutlich weniger abhängig von Lieferungen aus Russland macht. Das dürfte erst der Anfang sein, denn bisher haben die USA nur ein einziges Flüssiggas-Terminal, das sich am Golf von Mexiko in Sabine Pass befindet.

Die Kapazitäten dürften nun aber rapide hochgefahren werden. Die U.S. Energy Information Administration erwartet sechs verschiedene Standorte für den Export von Flüssiggas bis Ende 2019, die dann eine tägliche Kapazität in Höhe von 9,5 Mrd. Kubikfüßen, umgerechnet ungefähr 0,27 Mrd. Kubikmeter, haben sollen. Das wäre rein rechnerisch eine Kapazität von über 98 Mrd. Kubikmeter pro Jahr. Zum Vergleich: Die Nord Stream-Pipeline hat eine jährliche Kapazität in Höhe von 55 Mrd. Kubikmetern.

Russland will sich das nicht gefallen lassen

Man sieht also, dass die Konkurrenz aus den USA durchaus ernst zu nehmen ist. Deswegen antwortete die russische Regierung jetzt auch entschieden. Die Regierung hat Gazprom erlaubt, amerikanisches Flüssiggas preislich aggressiv zu unterbieten.

Dafür wurde die bisherige indirekte Preisregulierung von Flüssiggas aufgehoben. Es darf nun auch an Unternehmen geliefert werden, die Flüssiggas zu unregulierten Preisen verkaufen. Das heißt, dass schon ab diesem Jahr russische Flüssiggasterminals Gas zu Dumpingpreisen liefern können, lange bevor die USA beginnen, Polen und das Baltikum mit relevanten Mengen zu beliefern.

Was das für Gazprom bedeutet

Für Gazprom heißt das natürlich, dass jetzt teilweise Gas mit sehr geringen oder vielleicht sogar negativen Gewinnspannen geliefert wird. Das ist nicht unbedingt erfreulich, schließlich sprudelten die Gewinne in den letzten Jahren ohnehin nicht in sonderlich großem Maße.

Es könnte aber durchaus langfristig Sinn machen, die amerikanische Konkurrenz im Keim zu ersticken. So sichert man sich womöglich Absatzmärkte, die ansonsten verloren gehen. Wobei die genaue wirtschaftliche Bilanz solcher Maßnahmen ohne Frage unsicher ist. Vielleicht werden hier Gewinne in den Rachen von politischen Machtspielchen geworfen.

Gazprom-Aktionäre sollten die Entwicklungen jedenfalls aufmerksam verfolgen, denn falls die USA tatsächlich irgendwann umfangreiche Marktanteile gewinnen, sie mit einer Gasschwemme den Preis nach unten drücken oder im schlimmsten Fall sogar beides passiert, wird es Gazprom nicht einfach haben, seine Gewinne zu steigern.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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