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NASA kauft 3 weitere russische Raketenflüge — für jeweils 75 Millionen US-Dollar

Foto: The Motley Fool.

2017 endete positiv für das Raumfahrtprogramm – Russlands Raumfahrtprogramm.

Seitdem die NASA ihr Space Shuttle-Programm im Jahr 2011 eingestellt hat, ist Amerika auf russische Raketen angewiesen, um Zugang zur Internationalen Raumstation zu erhalten. Die NASA kaufte Eintrittskarten für ihre Astronauten auf dem russischen Sojus-Raumschiff für bis zu 82 Millionen US-Dollar pro Sitzplatz und subventionierte damit das russische Raumfahrtprogramm (Roscosmos) auf Kosten unserer eigenen.

Und jetzt machen wir es wieder. Wie das Wall Street Journal im vergangenen Monat meldete, hat sich die NASA verpflichtet, in den nächsten zwei Jahren drei weitere russische Raumfahrten für NASA-Astronauten zu kaufen, und das zu Kosten von über 200 Millionen US-Dollar. Dafür können wir Boeing (WKN:850471)… und SpaceX verantwortlich machen.

Das Kleingedruckte

Die Spezifika dieser Transaktion sind ein wenig kompliziert, aber wenn du kurz Zeit hast, werde ich sie dir erklären. Im Mai 2016 gewann Boeing ein Gerichtsurteil in Höhe von 320 Millionen US-Dollar gegen das russische Raumfahrtunternehmen RSC Energia, das aus einem Rechtsstreit im Zusammenhang mit dem bankrotten Joint Venture Sea Launch hervorgegangen war. Nach Angaben von S&P Global Market Intelligence befand sich RSC Energia zu diesem Zeitpunkt im Mehrheitsbesitz der United Rocket and Space Corporation JSC, die sich gerade im Prozess der Fusion mit dem russischen Staatskonzern Roscosmos (wörtlich „Russian Space“) befand (und nun Teil davon ist). Dies macht RSC Energia selbst im Wesentlichen zu einer Tochterunternehmung von Roscosmos – Russlands Version der NASA.

Energia (d.h. Roscosmos) übertrug Boeing das Recht, 2017 und 2018 zwei „Sitze“ auf Roscosmos Sojus-Flügen zu besetzen, mit der Option, weitere drei Sitze für Flüge im Jahr 2019 zu kaufen. (Aus den Einzelheiten der Ankündigung der NASA geht nicht ganz klar hervor, ob Boeing für die Ausübung der Option zusätzliche Mittel an Roscosmos zahlen muss, aber das scheint unwahrscheinlich.

Boeing wiederum verkaufte seine beiden Sojus-Sitze sowie die Option auf drei weitere Sitze im Februar 2017 an die NASA. Die potenziellen Kosten aller fünf Sitze, vorausgesetzt, dass die Option ausgeübt wurde, beliefen sich auf insgesamt 373,5 Mio. US-Dollar – etwa 74,7 Mio. US-Dollar pro Sitzplatz.

Nun übt die NASA die Option aus und verpflichtet sich, den gesamten vertraglich vereinbarten Betrag an Boeing zu zahlen. Wenn Energia/Roscosmos die Sitze zur Verfügung stellt (d.h. sie mit Astronauten füllt und in den Weltraum schickt), wird seine Verpflichtung gegenüber Boeing in vollem Umfang erfüllt. Damit zahlt die NASA die Schulden von Roscosmos ab.

Fortschritt…. verzögert

So sollte es nicht sein. Im Jahr 2014 erteilte die NASA Boeing (und dem privat gehaltenen SpaceX) den Zuschlag für die Entwicklung von Raumfahrzeugen, die Astronauten zur Internationalen Raumstation befördern können. Boeing sollte 4,2 Milliarden US-Dollar erhalten, um bis zu sechs bemannte Missionen zur ISS an Bord der neuen Raumkapsel CST-100 in den Weltraum zu bringen. SpaceX sollte 2,6 Milliarden US-Dollar erhalten, um das Gleiche mit seinem neuen Raumschiff Crew Dragon zu tun.

Wie ursprünglich geplant, würden beide Unternehmen im Jahr 2017 „mindestens einen bemannten Flugversuch pro Unternehmen mit mindestens einem NASA-Astronauten an Bord durchführen, um das vollständig integrierte Raketen- und Raumfahrtsystem zu testen, um im Orbit zu manövrieren und an die Raumstation anzudocken.

Falls du es noch nicht bemerkt haben solltest, es ist jetzt 2018, und keine der beiden Firmen hat einen unbemannten Testflug durchgeführt – geschweige denn einen Astronauten ins All geschickt. Verzögerungen in der Entwicklung sowohl bei Boeing als auch bei SpaceX haben den ersten unbemannten Testflug von SpaceX auf April 2018 und von Boeing auf August 2018 verschoben. SpaceX hofft, im August eine bemannte Mission durchführen zu können; Boeing hofft, bis November seinen ersten Testflug zu absolvieren.

Hoffen wir das Beste, zahlen wir für das Schlimmste

Aber es kommt noch schlimmer, so das Journal: „Leitende NASA-Beamte sind zunehmend besorgt, dass der aktuelle Zeitplan für 2018 sich als zu ehrgeizig erweisen könnte“. D.h., nach wiederholten Verzögerungen hat die NASA wenig Vertrauen, dass SpaceX oder Boeing in diesem Jahr überhaupt liefern werden. Deshalb übt die NASA ihre Option aus, die zusätzlichen Sojus-Raketenfahrten von Roscosmos über Boeing zu kaufen -für 75 Millionen US-Dollar pro Sitzplatz.

Je länger SpaceX und Boeing verzögern, desto mehr Geld werden wir Russland zahlen, um Amerikaner in den Orbit zu bringen.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Rich Smith auf Englisch verfasst und am 05.01.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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