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BMWs verlorenes Jahr 2017: Das müssen Investoren jetzt wissen

Foto: BMW

Das Jahr 2017 war für die Aktionäre von BMW (WKN:519000) ein Jahr zum Vergessen. Der Aktienkurs verlor exklusive Dividenden 3,5 % in einem Jahr in dem der DAX um über 11 % zulegen konnte.

Ein guter Grund, das wirre Auf und Ab des Aktienkurses hinter uns zu lassen und auf die drei Dinge zu schauen, die derzeitige Investoren und künftige Investoren wissen müssen.

Die Geschäftsentwicklung

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 zeigt die Entwicklung des Geschäfts einen anderen Trend als der Aktienkurs suggerieren würde. Die wichtigsten Finanzkennzahlen lassen sich im Vergleich zu den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 durchaus sehen:

  1. Auslieferungen: +4,1 %
  2. Umsatz: +5,0 %
  3. EBIT: +4,2 %
  4. EBIT-Marge: -0,1 Prozentpunkte

Vergleicht man die Zahlen mit dem schwäbischen Konkurrenten Daimler, dann haben die bayerischen Motorenwerke aber deutlich das Nachsehen. In Stuttgart stieg der Umsatz in den ersten drei Quartalen um 7,6 % und das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) gar um 18,7 %.

Betrachtet man die bisherigen Zahlen getrennt nach Segmenten, wird insbesondere die relative Stärke des Motorradgeschäfts (EBIT +25,4 %) und des Geschäfts mit Finanzdienstleistungen (EBIT +6,1 %) im Vergleich zum Automobilgeschäft (EBIT +1,5 %) deutlich.

Für das Gesamtjahr erwartet BMW, dass das Konzernergebnis vor Steuern (EBT) „im Vergleich zum Vorjahr solide steigen wird“. Was auch immer solide in Zahlen bedeuten mag.

Kurz vor Weihnachten gab es noch ein Weihnachtsgeschenk aus Amerika. Die US-Steuerreform führt für das Jahr 2017 wohl durch die Neubewertung von Bilanzpositionen zu positiven Einmaleffekten in Höhe von 950 bis zu 1.550 Mio. Euro. Ob und wie sich die US-Steuerreform ab 2018 auswirken wird, dazu möchte das BMW-Management noch keine Aussagen tätigen.

Das hat sich 2017 getan

Der größte Hammer für BMW war im vergangenen Jahr wohl die „Medienberichterstattung im Zusammenhang mit der Skandalisierung des Dieselantriebs“ wie es BMW selbst nennt. Es stellt sich hier die Frage, ob auch BMW bei den Abgaswerten geschummelt hat und ob es geheime und unzulässige Absprachen mit Wettbewerbern über die Reinigung von Dieselabgasen gab. BMW bestreitet dies vehement. Das letzte Wort ist in dieser Sache aber wohl noch nicht gesprochen, wie die weiterhin offenen Gerichtsverfahren zeigen.

Für den Aktienkurs war die Berichterstattung Ende Juli aber alles andere als gut. Dieser sank in den darauffolgenden Tagen auf den niedrigsten Stand des Jahres. Von diesem Tiefpunkt konnte er sich dann erst im September wieder erholen. Ob diese Kursausschläge nun als rational betrachtet werden können? Wahrscheinlich nicht.

Erfreulichere Nachrichten sind dagegen die steigenden Absatzahlen der Elektromobile. Im September 2017 konnten erstmal über 10.000 elektrifizierte Fahrzeuge abgesetzt werden. Durch den Aufbau eines Kompetenzzentrums Batteriezelle möchte BMW auch weiterhin auf der Höhe der technischen Entwicklung bleiben um durch die Produktion von Batteriezell-Prototypen die „Wertschöpfungsprozesse der Zelle vollständig zu analysieren und zu verstehen“. Diese Kompetenz sei notwendig, egal ob man die Batteriezellen von Lieferanten bezieht oder selbst produziert.

Ein weiterer Schritt, um bei der Elektrifizierung des Automobilsektors den eigenen Fußabdruck zu vergrößern ist ein Gemeinschaftsunternehmen zum Aufbau eines flächendeckenden Ladeinfrastrukturnetzes. Das Unternehmen wurde schon vor längerer Zeit zusammen mit Ford, VW und Daimler gegründet, erwacht aber nun unter dem Namen Ionity erst so richtig aus dem Dornröschenschlaf. Es hieß, bis Ende 2017 sollten europaweit 20 Ladesäulen stehen. Bis 2020 soll das Netz auf 400 Ladestationen mit jeweils mehreren Ladepunkten anwachsen.

Einen kleinen Dämpfer erhielt die Elektrooffensive von BMW allerdings durch die UBS-Studie „Global Autos / UBS Evidence Lab: Electric cars: Highway to Margin Hell?“. Dort wird unter anderem jedes Jahr gefragt, welcher Anbieter die Top-Wahl bei einem Kauf von einem Batterie-elektrischem Fahrzeug wäre. Hier verlor BMW zwei Prozentpunkte, wohingegen die Marke Mercedes ein Prozentpunkt und Tesla gar vier Prozentpunkte gewinnen konnte.

Das bringt die Zukunft

Die nächsten Jahre werden bei BMW von unzähligen neuen Modellen geprägt sein. Allein für 2017 und 2018 wurden bereits 40 neue Modelle angekündigt. In den Folgejahren werden viele weitere vollelektrische Modelle und auch Plug-in-Hybride hinzukommen.

Ein spannenderes Thema bleibt aber, wie BMW die großen Zukunftsthemen der Automobilbranche meistern wird. In der Konzernstrategie NUMBER ONE > NEXT hat BMW zumindest in der Öffentlichkeit kundgetan, den klaren technologischen Fokus auf die Themen Elektromobilität, Vernetzung, autonomes Fahren und Services zu legen.

Für die Entwicklung des autonomen Fahrens verlässt sich BMW dabei auf eine Partnerschaft mit Intel, inklusive dem von Intel kürzlich aufgekauftem Unternehmen Mobileye und seit neuestem nun auch Fiat Chrysler Automobiles. Die drei Konzerne wollen gemeinsam eine Plattform für weitgehend automatisiertes Fahren (Level 3) und vollautonomes Fahren (Level 4 und 5) bis zum Jahr 2021 auf den Markt bringen. Diese Plattform soll von einer Vielzahl von Autobauern auf der ganzen Welt verwendet werden können, ohne dass die einzelnen Hersteller ihre einzigartige Markenidentität dabei aufgeben müssen.

Ob, wie und wann das gelingt, bleibt abzuwarten. Das einzig Sichere ist meiner Meinung nach, dass die gesamte Autobranche vor spannenden Jahren steht, und nur die Zukunft zeigen wird, wie sich die Branche entwickelt und welche Anbieter sich am Ende durchsetzen werden.

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Sven besitzt Aktien von BMW und Daimler. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Ford und Tesla. The Motley Fool empfiehlt Intel.

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