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Warum der aktuelle Anstieg der Ölpreise nicht nachhaltig ist

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Für viele überraschend hat sich der Ölpreis in den letzten Wochen deutlich über der Marke von 60 US-Dollar etabliert. Klar, dass Dividendenjäger jetzt ein besonderes Auge auf Werte wie Shell (WKN:A0D94M), BP (WKN:850517), OMV (WKN:874341) oder Total (WKN:850727) werfen. Aber wird der steigende Trend beim Brent Nordsee-Öl und anderen Sorten anhalten oder folgt schon bald wieder ein Rückfall? Ich tendiere zu Letzterem und finde die Aktien trotzdem attraktiv.

Darum steigt der Preis

Die Gründe für die anziehenden Notierungen sind vielfältig. Zunächst scheinen die vereinbarten Förderbegrenzungen des OPEC-Kartells zumindest einigermaßen zu funktionieren. Hinzu kommt, dass der US-Dollar gegenüber dem Euro abfällt, was bei den Ölpreis-Notierungen regelmäßig gegenläufige Effekte hat. Aktuell wirkt sich auch der harte Winter in weiten Teilen Nordamerikas bei gleichzeitig vergleichsweise geringen Lagerbeständen aus. Ebenfalls zu beachten ist, dass einige Pipelines zwischenzeitlich stillstehen, darunter über den Dezember das Forties-System in der Nordsee.

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Vielleicht am wichtigsten ist aber die Befürchtung, dass die Unruhen im Iran dazu führen könnten, dass zeitweise kein persisches Öl mehr auf den Weltmarkt kommt. In dem Fall würden die Notierungen hochschießen, eine Situation, die von den Marktteilnehmern vorausschauend einkalkuliert wird. Da die Proteste von außen eifrig angefeuert werden, sowohl von Israel und den USA als auch aus Saudi-Arabien, erscheint das Szenario nicht ganz aus der Luft gegriffen. Wahrscheinlicher ist aber meines Erachtens, dass letztlich alles wie gehabt weitergeht, zumal die EU genauso wie die Türkei versucht, stabilisierend zu wirken.

So oder so könnte der Ölpreis bis zum Ende des Nordhalbkugel-Winters noch ein Stück weiter ansteigen. Aber der Markt hat offenbar noch kein großes Vertrauen in die Nachhaltigkeit des aktuellen Trends. Die Aktien der größten Ölkonzerne haben sich zwar zuletzt solide entwickelt. Echte Begeisterung kommt da jedoch noch nicht auf.

Darum werden die Preise wieder zurückgehen

Auch ein Blick auf die BRENT Crude Futures zeigt, dass eher nicht mit weiter steigenden Notierungen gerechnet wird. Es gilt derzeit je später der Liefertermin, desto günstiger der Kontraktpreis.

In vielen Ländern, allen voran den USA, werden oberhalb von 60 US-Dollar die Hähne voll aufgedreht. Dank effizienterer Technik gibt es einen regelrechten Schieferöl-Hype. So viel wie aktuell wurde dort zuletzt vor 47 Jahren gefördert und es wird mit weiterem Wachstum gerechnet. Auch in Russland stehen die Pipelines unter Hochdruck und die Explorationsaktivitäten nehmen weltweit wieder stärker Fahrt auf, je länger die positive Situation anhält.

Neue Technik etwa von der Volkswagen (WKN:766403)-Tochter MAN Diesel & Turbo erlaubt zudem zunehmend die wirtschaftliche Ausbeutung von Tiefseevorkommen in Nordeuropa, vor den Küsten Südamerikas und anderswo. Gemeinsam mit dem mittel- bis langfristig einsetzenden Rückgang der Nachfrage aus dem Verkehrssektor aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung der Fahrzeuge sehe ich eine klare Begrenzung des Ölpreises nach oben. Lediglich kurzfristig könnten Lieferstörungen für Ausschläge nach oben sorgen.

Worauf Anleger nun achten sollten

Das heißt aber trotzdem nicht, dass man Aktien von Erdölmultis meiden müsste. Die können ganz gut mit einem schwankenden Preis umgehen, fühlen sich rund um die 60 US-Dollar pudelwohl und weisen teilweise ein Kurs-Cashflow-Verhältnis von erstaunlich niedrigen 5 oder 6 auf. Da kommt eine Menge Geld rein, um in neue Geschäftsbereiche wie Wasserstoff, Flüssiggas, Elektromobilität und Offshore-Wind zu investieren oder saftige Dividenden zu bezahlen.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage zu klären, ob ein erneuter Einbruch auf die Tiefs der letzten zwei Jahre unter 40 US-Dollar denkbar ist. Auch hier gilt: über einen kurzen Zeitraum ja, aber viele Produzenten würden dann wieder lieber den Rohstoff in der Erde lassen und auf bessere Preise warten. Ein zurückgehendes Angebot würde dann stabilisierend wirken.

Für Einkommensinvestoren, die sich gerne im Energiesektor umsehen, ergeben sich also insgesamt ausgezeichnete Bedingungen, selbst wenn der Aufwärtstrend beim Ölpreis wie von mir erwartet bis zum zweiten oder dritten Quartal 2018 bricht. Gerade Total und OMV gefallen mir besonders wegen ihrer Diversifizierungsstrategie. Allerdings muss man deren Engagement im Iran natürlich im Auge behalten.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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