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Auch du? Der deutsche Staat investiert besser als seine Bürger

Foto: Getty Images

Anhänger einer liberalen Wirtschaftsordnung argumentieren immer für einen möglichst schlanken Staat mit niedrigen Steuersätzen, weil der souveräne Bürger besser mit seinem Geld umgehen könne. Das ergibt auch für mich durchaus Sinn. Aber in Deutschland ist die Lage trotzdem nicht ganz so klar. Macht uns der Fiskus vielleicht sogar einen großen Gefallen, dass er einen guten Teil unseres Arbeitsentgelts gemeinschaftlich verwaltet?

Insgesamt betrachtet erscheint der Gedanke gar nicht so weit hergeholt, wenn man die Zahlen betrachtet, aber letztlich kommt es auf jeden Einzelnen von uns an, also auch auf dich und wie du mit deinem Geld umgehst.

Was die Bürger falsch machen

Ich sehe in Deutschland zwei große Gruppen, die unklug mit ihrem Geld umgehen. Die erste umfasst diejenigen, die völlig auf das Sparen verzichten und stattdessen ständig versuchen, auf maximal großem Fuß zu leben. Dann wird das Haus mit einer großen Hypothek finanziert, das schicke Fahrzeug mit einem Autokredit und die riesige Heimkinoanlage per Konsumkredit.

Um dann noch beim Ausgehen mithalten zu können werden zusätzlich noch die Kreditkarte und der Dispo bis zum Anschlag belastet. Der Besitz auf Pump mag kurzfristig glücklich machen, aber auf lange Sicht kommt man so kaum voran, weil man immer damit beschäftigt ist, die Raten zu begleichen.

Die zweite Gruppe umfasst die braven Sparer. Sie überweisen Monat für Monat einen Teil ihres Einkommens auf ein Festgeldkonto, einen Geldmarktfonds oder etwas Ähnliches. Leider gibt es auf diese Weise inflationsbereinigt meistens keinerlei Ertrag, seit längerer Zeit sogar negativen.

Laut aktuellen Berechnungen der DZ-Bank liegen etwa 1.500 Milliarden Euro einfach so herum, ohne für ihre Eigentümer zu arbeiten und den magischen Zinseszinseffekt zur Entfaltung zu bringen. Die vermeintliche Sicherheit der Ersparnisse wird so teuer erkauft.

Was der Staat besser macht

Nun wird der Staat ja vor allem von Wirtschaftsverbänden, aber auch von liberal gesinnten Professoren und Bürgern regelmäßig dafür kritisiert, dass er so aufgebläht sei und die arbeitende Bevölkerung schröpfen würde. Mit einer Staatsquote von gut 44 % liegt Deutschland international im oberen Mittelfeld unter den Industrienationen.

Dass Länder wie die USA und Großbritannien nun einen Steuerwettbewerb anzetteln, erhöht den Druck noch zusätzlich, die Abgabenlast zu senken. Da könnte was dran sein. Aber wenn man sieht, was ein großer Teil der Deutschen mit ihrem Geld anstellt, kommt die Frage auf, ob es vielleicht trotz der Bürokratie ganz gut ist, dass der Staat es an sich nimmt, denn er verdient immerhin rund 4 % auf seine Ersparnisse.

Lass es mich erklären: Der Bund zahlt teure Schulden zurück und refinanziert sich um ein Vielfaches günstiger. Im letzten Quartal wurden von der Deutschen Finanzagentur 31 Mrd. Euro an mittel- bis langfristigen Anleihen ausgegeben. Für den Großteil davon werden kaum Zinsen bezahlt (genauso wie auf den Konten der braven Sparer). Für eine in diesen Tagen auslaufende 10-jährige Bundesanleihe hatten wir es hingegen beispielsweise mit einem jährlichen Kupon von 4 % zu tun. Einige alte Langläufer zahlen noch wesentlich mehr.

Da zusätzlich mehr getilgt als neu aufgenommen wird, sinkt der Schuldendienst beschleunigt. Von fast 70 Mrd. Euro vor einigen Jahren sanken die Zinsausgaben der öffentlichen Haushalte auf 38 Mrd. Euro p. a. Das ist eine gute Sache, denn Zinsen, die ich nicht mehr bezahlen muss sind letztlich genauso gut, wie Zinsen, die ich gutgeschrieben bekomme.

Warum es auf dich ankommt

Aber du und ich, wir können es noch besser machen und dann auch mit vollem Recht eine niedrigere Steuerlast einfordern. Wer hochverzinste Darlehen hat, der sollte sich zunächst auf deren schnellstmögliche Rückzahlung oder Umschuldung konzentrieren. Für alle anderen gilt, sich eine kluge Anlagestrategie zurechtzulegen. Es spricht nichts dagegen, eine gewisse Summe auf einem Bankkonto flüssig zu halten. Aber nur wenn der größere Teil der Ersparnisse eine Rendite abwirft, kannst du irgendwann an den hübschen Punkt kommen, dass dein Kapitaleinkommen größer als dein Arbeitseinkommen wird.

Dafür musst du dich nicht unbedingt in riskante Wetten stürzen. Gerade jetzt gibt es genug fair bewertete und robuste Unternehmen, die oft auch gute Dividenden zahlen. An den Börsen gibt es für jeden Investorentyp den passenden Anlagestil, was die Auswahl der Unternehmen und Wertpapiere angeht. Für was auch immer du dich entscheidest, gilt: Diejenigen, die langfristig engagiert bleiben, erwirtschaften regelmäßig gute Erträge.

Man muss es sich immer wieder vor Augen führen: Wer über die kommenden 20 Jahre monatlich 500 Euro auf die Seite legt, der wird am Schluss etwa 140 Tausend haben, wenn sich das Geld im Schnitt zu 1 % verzinst, immerhin 190 Tausend bei 4 %, aber erstaunliche 300 Tausend bei für Indexinvestoren typischen 8 %.

Es kommt noch viel besser: Richtig erfolgreiche Stockpicker, die im Schnitt 16 % schaffen, haben dann nämlich schon über 800 Tausend, da ist die Million nur noch zwei weitere Jahre entfernt.

Schon nach zwei Jahrzehnten könnte der besonders smarte Aktieninvestor also sage und schreibe fünfmal so viel auf der hohen Kante haben wie der eifrige Sparer — und das einfach nur über das sehr sorgfältige Auswählen von Unternehmen, ohne aufwändiges Traden oder sonstige Tricks.

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