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Simple Mathematik zeigt, warum Bitcoin scheitern wird

Foto: Getty Images

Es ist ein erbitterter Kampf um Argumente. Die einen sehen eine glorreiche Zukunft für „Kryptowährungen“ und die anderen halten das für totalen Blödsinn. Jede Seite glaubt, dass die andere die Wahrheit nicht sehen kann. Ich versuche es mal mit einfacher Mathematik.

Das Paradox

Lass uns zunächst ein kleines Spiel betrachten: Wir werfen eine Münze, bei Kopf erhöht sich dein Einsatz um 50 %, bei Zahl halbiert er sich. Du kannst so oft weitermachen, wie du willst. Die Chancen stehen bei 50 % und das erscheint fair.

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Das Problem: einmal gewinnen, einmal verlieren und schon sind 25 % des ursprünglichen Einsatzes weg (aus 150 % bzw. 50 % werden 75 %). Das erscheint dann nicht mehr so fair. Je länger du dabeibleibst, desto geringer sind die Chancen, dass du noch mit einem Gewinn herauskommst.

Um bei einem vielfach weitergeführten Spiel eine faire Chance zu haben, muss daher statt einer Münze ein 8er-„Würfel“ genommen werden, wobei du in 5 von 8 Fällen die Hälfte hinzugewinnst (der exakte Wert liegt noch minimal höher als 5/8 bei etwa 0,631) und in den anderen 3 Fällen die Hälfte verlierst.

Das Paradox? Nun, bei Bitcoin kannst du entscheiden, ob du einmalig darauf setzt, dass der Kurs sich um 50 % erhöhen wird oder ob du den „Hodl“ machst (in der Bedeutung von „Halten bis zum Lebensende“). Liegt die Chance bei 5 Achtel, dann lohnt sich eine wiederholte schnelle Wette mit immer wieder gleichem Einsatz; das heißt, „investiert“ bleiben, bis der Kurs sich entweder halbiert oder um die Hälfte steigt (günstiger Erwartungswert von 5/8*1,5 + 3/8*0,5 = 1,125).

Wäre das so, dann würden bestimmt besonders schlaue Leute damit systematisch und dauerhaft Geld scheffeln. Grundsätzlich stehen die Chancen deshalb wohl eher Fifty-Fifty — und das hieße, dass du langfristig fast alles verlieren würdest. Wie man es auch dreht und wendet, wird kein Schuh daraus.

Was bei Bitcoin anders ist

Nun ist Bitcoin aber natürlich kein reines Glücksspiel. Wie jeder leicht am Kursverlauf sehen kann, ging es bisher trotz aller Ausschläge tendenziell fast immer nach oben.

Der Grund liegt darin, dass bei der Kryptowährung mächtige Gruppierungen — darunter etwa die Winklevoss-Zwillinge, Goldman Sachs (WKN:920332), die Bitcoin-Gründer und vielleicht auch organisierte Kriminelle aus Asien — auf zweierlei Weise starken Einfluss nehmen können: Zum einen direkt über die Handelsplattformen wie zum Beispiel von der Bitcoin Group (WKN:A1TNV9), wo sie gegebenenfalls die Kurse stützen, um die Illusion des ewigen Anstiegs aufrecht zu erhalten.

Zum anderen über die Medien, wo mit immer abstruseren Meldungen über alle Kanäle hinweg versucht wird, uns zu verklickern, dass der Aufstieg der „Kryptowährungen“ erst am Anfang stünde und dass du damit eine Menge Geld machen kannst, wenn du dich nur intensiv genug damit auseinandersetzt (der Trick hat bei den CFD-Trading-Plattformen schon blendend funktioniert).

Da heißt es dann etwa, dass alle Bitcoins zusammen mindestens so viel wert sein müssten wie alles Gold zusammen, weil beide ja bestimmte Charakteristika teilen — logo! Oder noch besser, dass die Zentralbanken geradezu gezwungen wären, Bitcoin als Reservewährung aufzunehmen, sobald eine gewisse Schwelle überschritten wird — jawoll! Gleichzeitig erfinden selbsternannte Chart-Kaffeesatzleser, dass 6-stellige Kurse nur noch eine Frage der Zeit wären.

Wer bereits Geld in das System einbezahlt hat, der ist möglicherweise geneigt, solchen Tricks Glauben zu schenken. Für viele Außenstehende ist es einfach nur absurd. Aber bisher läuft es wie geschmiert und meinem Eindruck nach haben die großen Promotoren des Systems noch ein paar Trümpfe in der Hinterhand, um alles noch eine Weile am Laufen zu halten und letztlich möglichst viel Geld aus der Blase für sich abzugreifen.

Sobald die Tricks aber ausgehen, übernimmt die Mathematik und die sagt mir, dass der Trend dann steil nach unten zeigen wird. Weder das Modell mit der ausgeglichenen Wahrscheinlichkeit noch das andere mit den gut fünf Achteln kann für dauerhafte Verhältnisse sorgen. Auf das wilde Überschießen folgt geradezu zwingend der herbe Absturz.

Was bei echten Währungen und Aktien anders ist

Man könnte auf die Idee kommen, dass das Gleiche genauso für den Euro, den Franken oder Wertpapiere gelten müsste, die zumindest kurzfristig betrachtet auch weitgehend auf Zufallspfaden wandeln. Aber echte Währungen sind dank ihrer losen Bindung an gesamte Volkswirtschaften recht stabil und auch bei Aktien sind die Ausschläge in der Regel um ein Vielfaches geringer. 50 % hoch und wieder runter, dafür braucht es üblicherweise Quartale und Jahre, weshalb das obige Modell hier keine Anwendung findet.

Das Gute bei Aktien im Vergleich ist, dass die Chancen, dass ein Kurs um die Hälfte steigt, tatsächlich erheblich höher ist, als dass es erst mal um die Hälfte nach unten geht. Das liegt daran, dass Unternehmen meistens Gewinne erwirtschaften und zudem einen Teil davon in weiteres Wachstum reinvestieren. Bei Aktien liegt das Geld nicht nur faul herum, in der Hoffnung, dass andere die Kurse — aus welchen Gründen auch immer — nach oben treiben, sondern es arbeitet für dich.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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