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Besser Investieren: Mein großer Vorsatz für 2018

Bild: Ralf Anders

Jetzt abstoßen, jetzt einsteigen, jetzt Gewinne mitnehmen, jetzt nachkaufen — jeder Investmententscheidung gehen zum Teil unzählige Überlegungen voraus, zumindest, wenn wir die Emotionen einigermaßen im Griff haben. Manchmal liegen wir goldrichtig und ein anderes Mal völlig daneben. Das ist auch völlig OK, denn letztlich kommt es nur darauf an, unter dem Strich einen guten Schnitt zu machen und möglichst den Markt zu schlagen.

Für 2018 habe ich mir vorgenommen, noch bessere Entscheidungen zu treffen. Dabei soll das Zusammenspiel von Kopf, Herz und Bauch eine entscheidende Rolle spielen.

Was das bedeutet

Eine Foolishe Grundregel besteht darin, für die lange Frist zu investieren, also nicht nur bis zum nächsten Quartalsbericht, sondern eher bis zur nächsten Dekade. Mit Charttechnik oder schnellen Tipps kommt man da nicht weiter. Wer sich so lange an ein Unternehmen binden möchte, sollte dieses gründlich aus allen Blickwinkeln prüfen.

Das alles war mir natürlich auch schon 2017 klar. Und trotzdem habe ich mich bei einzelnen Investitionsentscheidungen zu sehr auf nur eine Dimension verlassen. Manchmal sagte der Verstand, dass die Zahlen einfach zu gut aussehen und ein anderes Mal begeistert eine Technologie dermaßen, dass der grundlegenden Analyse von Bilanz und Umsatzentwicklung zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Zum Beispiel war ich überzeugt, dass Aktien von Logistikern wie der Deutschen Post (WKN:555200) oder auch der Lufthansa (WKN:823212) schon in diesem Jahr Probleme bekommen würden, weil der ständige Unruheherd im Weißen Haus den Welthandel durcheinanderbringen würde. Diese Einschätzung war trotz scheinbar stichhaltiger Argumente aber eher emotional getrieben. Andere Faktoren wie das zunehmende E-Commerce-Geschäft und niedrige Kraftstoffpreise beeinflussten den Erfolg der beiden viel stärker, weshalb sie sich in diesem Jahr ganz oben im DAX-Ranking befinden.

Bei Windanlagenbauern wie Nordex (WKN:A0D655) habe ich auf der anderen Seite zu lange an einer positiven Erwartung festgehalten. Anhand der publizierten Kennzahlen wirkte die Aktie günstig und mein Herz schlägt sowieso für Erneuerbare Energien. Aber auf ein gewisses Unwohlsein im Bauch, das darauf hindeutete, dass in diesem Markt zumindest mittelfristig der Wurm drin sein könnte, habe ich kaum gehört.

Als drittes Beispiel fällt mir ADVA Optical (WKN:510300) ein, deren Finanzen lange Zeit ebenfalls einen guten Eindruck machten. Herz und Bauch waren aber eher hin- und hergerissen. Die Strategie der Netzwerktechniker schien schlüssig und die Produkte fortschrittlich, aber die Investorenpublikationen wirkten immer etwas blutleer. Das wäre eventuell ein Zeichen gewesen, dass das vermeintliche Schnäppchen möglicherweise doch nicht so klasse ist.

Kopf, Herz und Bauch haben also die Funktion, erstens über eine nüchterne Analyse der Zahlen einzuschätzen, ob das Unternehmen sich grundsätzlich für eine Investition eignet; zweitens abzuwägen, ob mich Unternehmenskultur, Managementstrategie und Leistungsspektrum ansprechen (oder besser sogar begeistern); und drittens zu erspüren, ob aufgrund von irgendwelchen Unstimmigkeiten erhöhte Vorsicht angebracht ist.

Die Anwendung in der Praxis

Es ergibt sich also sozusagen vor jedem Kauf ein dreistufiger Freigabeprozess und das funktioniert auch beim Verkaufen. Dabei kann gegebenenfalls schon eine der drei Dimensionen ausreichen, die Reißleine zu ziehen. Damit wir trotzdem nicht vorschnell ausgiebig recherchierte Unternehmen aus dem Depot werfen, muss der Anlass aber natürlich ein hohes Gewicht haben.

Wenn die Bilanzanalyse beispielsweise eine Überbewertung ergibt, dann sollte es nicht um 5 oder 10 % gehen, sondern vielmehr um 30 oder sogar 50 %. Bauch und Herz sollten sehr deutlich melden, dass ihnen mit dem Unternehmen nicht mehr wohl ist, weil es selbst oder das Marktumfeld sich weit davon entfernt haben, wie wir es zum Kaufzeitpunkt eingeschätzt haben.

Primär will ich jedoch 2018 mein Depot weiter ausbauen und dafür versuchen, den Erfolg meiner besten Analysen von 2017 zu wiederholen. Bei der Commerzbank (WKN:CBK100) hat zum Beispiel alles gepasst (Artikel vom 27.03.). Die reinen Zahlen deuteten dank des ungewöhnlich niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnisses und einer absehbaren Rückkehr in die Gewinnzone ein großes Potenzial an. Das Herz sagte, dass die Commerzbank sich kulturell erheblich weiterentwickelt hat und vom Bauch her gab es auch keine Einwände mehr (bis Mitte 2016 war das noch anders).

Rundum überzeugt war ich auch bei Daimler (WKN:710000), als der Börsenwert Ende Juli kurzfristig unter das Eigenkapital rutschte, obwohl die Stuttgarter Rekordabsätze meldeten und Traumgewinne einfuhren (Artikel vom 26.07.). Abgasskandal und Kartellverdacht hin oder her, das war einfach zu attraktiv. Das Herz fühlte sich wohl mit „Mercedes“ und der Bauch zeigte sich zuversichtlich, dass die drohenden Probleme im Vergleich zu den immensen Geldzuflüssen locker beherrschbar sein würden.

Das sichere Gefühl, dass alles passt, hatte ich auch bei Uniper (WKN:UNSE01), SAP (WKN:716460), CECONOMY (WKN:725750) und einigen mehr. Nicht alle diese Chancen habe ich konsequent genutzt. Das soll 2018 besser werden. Ich will noch weniger Trades machen und gerne auch mal etwas mehr Pulver trocken halten. Aber sobald mir eine Top-Idee vor die Lunte kommt, werde ich nächstes Jahr ohne zu zögern abfeuern — und ich werde mich dabei gut fühlen, weil Kopf, Herz und Bauch dabei sind.

Fehlschüsse einkalkulieren

Die Methode sollte dazu beitragen, die Erfolgsquote zu steigern, aber dass mal was danebengeht, lässt sich nie vermeiden. Manchmal arbeitet der Zufall gegen uns oder wir übersehen etwas Wichtiges. Als Foolishe Investoren versuchen wir nicht mehr und nicht weniger, als uns persönlich, fachlich und finanziell Schritt für Schritt zu steigern — in jeder Dimension. Machst du mit?

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Ralf Anders besitzt Aktien von Uniper. The Motley Fool empfiehlt Daimler und Nordex.

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