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Vergiss Kanada: Boeing muss sicherstellen, dass seine Handelsstreitigkeiten nicht auf Europa übergreifen

Foto: The Motley Fool.

Kanada hat erwartungsgemäß auf Boeing (WKN:850471) wegen der Handelsklage von Boeing gegen den kanadischen Hersteller Bombardier (WKN:866671) zurückgeschossen. Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein für Boeing, aber die Probleme könnten schnell eskalieren, wenn das Unternehmen nicht vorsichtig vorgeht.

Die kanadische Regierung sagte am 12. Dezember, dass sie wie geplant mit einer Ausschreibung zum Kauf von 88 neuen Düsenjägern fortfahren würde, sagte aber, dass sie Bieter disqualifizieren würde, die der Volkswirtschaft „Schaden“ zufügten. Obwohl Kanada Boeing in der Erklärung nicht erwähnt, sind die Kommentare ein klarer Hinweis auf die Beschuldigung, Bombardier würde die C-Series zu günstig anbieten.

Das US-Handelsministerium hat im September eine erste Empfehlung herausgegeben, in der es den Forderungen von Boeing zustimmte und Tarife von insgesamt 300 % für die C-Series-Flugzeuge vorschlug. Diese Entscheidung würde die C-Series effektiv vom US-Markt ausschließen und das gesamte Programm und die Arbeitsplätze rund um den Globus gefährden.

Kanada verwirft auch einen Plan zum Kauf von 18 Boeing-Kampfflugzeugen, die als Notbehelf gedacht sind, und beschafft sich stattdessen gebrauchte Jets aus Australien.

Boeing könnte die Schlacht gewinnen und den Krieg verlieren

Boeing antwortete daraufhin, dass es die Projektanforderungen überprüfen und eine Entscheidung darüber treffen würde, ob zum gegebenen Zeitpunkt ein Angebot abgegeben werden soll oder nicht. Das Unternehmen sieht sich trotz der Rhetorik kanadischer Politiker in einer relativ guten Position: Die Lockheed Martin F-35, eine logische Alternative zur Boeing F/A-18 Super Hornet, wurde in Kanada bisher als zu teuer kritisiert.

Der Eurofighter Typhoon ist eine weitere Alternative, aber kanadische Militärbeamte bevorzugen den Kauf von US-Produkten, weil sie sich dadurch besser mit ihrem wichtigsten nordamerikanischen Verbündeten abstimmen können. Der Kauf der Super Hornet würde auch die Trainingskosten erheblich senken.

Die Super Hornet hat in den letzten Jahren eine Art Renaissance erlebt, wobei die US Navy in den nächsten fünf Jahren 80 Stück kaufen wird, um den Mangel an Kampfflugzeugen zu beheben, und Boeing scheint zuversichtlich zu sein, dass man die Produktionslinie bis in die frühen 2020er Jahre hinein aufrecht erhalten kann.

Aber Kanada hat noch weitere anstehende Projekte, darunter neue Tankflugzeuge und Drohnenflugzeuge sowie ein Upgrade seines Satellitenprogramms. Da Boeing wahrscheinlich zu den Favoriten gehört, um diese Aufträge zu gewinnen, würde das Unternehmen Milliardenumsätze verpassen, wenn der C-Series-Streit Kanada dazu veranlasst, Boeing bei künftigen Wettbewerben außen vor zu lassen.

Aber auch in Europa gibt es Ärger

Eine größere Sorge für Boeing wäre, wenn das Vereinigte Königreich dem Beispiel Kanadas folgen würde. Bombardier ist einer der größten Arbeitgeber im produzierenden Gewerbe in Nordirland, und Boeing-Beamte sahen sich diese Woche einem britischen Parlamentsausschuss gegenüber, der über den C-Series-Streit verärgert war.

Dies ist eine besonders heikle Zeit, um die nordirische Delegation im Parlament zu verärgern, da die Demokratische Unionistische Partei die Macht hat, und die konservative Regierung von Theresa May unterstützt. Premierministerin May sagte im September, sie sei „bitter enttäuscht“ von der Tarifentscheidung, und der damalige Verteidigungsminister Michael Fallon warnte davor, dass Boeings Schritte die Chancen des Unternehmens, künftige Aufträge zu gewinnen, „gefährden“ könnten.

Boeing Defense ist in Großbritannien mit mehr als 1.300 Mitarbeitern an 23 Standorten präsent und gibt jährlich 1,8 Milliarden britische Pfund (2,4 Milliarden US-Dollar) für eine lokale Lieferkette aus, die mehr als 250 Lieferanten umfasst. Das britische Militär fliegt derzeit Boeing-Produkte wie die Chinook- und Globemaster-Transporter, das Sentry-Radarflugzeug und eine lizenzierte Version des Apache Longbow-Angriffshubschraubers.

Die Oppositionspartei Labour Party hat auch vorgeschlagen, die europäischen Behörden aufzufordern, das kommerzielle Geschäft von Boeing auf mögliche Beispiele für Dumping zu untersuchen. Konkret wollen sie eine Vereinbarung über den Verkauf von 30.737 Flugzeugen an Monarch Airlines prüfen.

Der Streit kommt auch zu einer Zeit, in der das Weiße Haus seine NATO-Verbündeten drängt, mehr für die Verteidigung auszugeben, und europäische Politiker reagieren, indem sie die Regierungen drängen, mehr für europäische Optionen auszugeben, anstatt Flugzeuge von Boeing und Lockheed Martin zu kaufen.

Foolishes Fazit

Der einfachste Ausweg aus diesem Schlamassel, zumindest aus der Sicht von Boeing Defense, wäre, wenn die U.S. International Trade Commission die C-Series einfach in Ruhe lässt, wenn sie im Februar eine endgültige Entscheidung über die Zölle erlässt. Handelsvertreter könnten auch feststellen, dass das Abkommen zwischen Bombardier und Airbus im Oktober für die Endmontage der C-Series in Alabama ausreicht, um die Zolltarife zu umgehen.

Je länger dieser Streit andauert und je mehr Schlagzeilen er macht, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Politiker Blut sehen wollen. Wenn die C-Series es nicht in den US-Markt schafft, könnte Boeing Defense im internationalen Wettbewerb für einige Zeit im Nachteil sein.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Lou Whiteman auf Englisch verfasst und am 17.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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