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Wie viel ist Uber im Moment wert?

Foto: The Motley Fool.

Uber ist der Student, der zu spät kommt und sich verplappert, aber trotzdem eine gute Note bekommt.

Das Mitfahrunternehmen schien bei seiner Gründung im Jahr 2009 ohne großen Aufwand zu starten, nachdem die Mitbegründer Travis Kalanick und Garrett Camp frustriert waren, als sie versuchten, in Paris ein Taxi zu rufen. Uber begann im Juni 2010 in San Francisco mit dem Taxiangebot und vier Monate später hatte es eine Finanzierungsrunde von über 1,25 Millionen US-Dollar abgeschlossen.

Jetzt, weniger als 10 Jahre später, ist sich Uber das wertvollste Tech-Start-up mit einem Wert von über 1 Milliarde US-Dollar, und das obwohl 2017 nicht gut gelaufen ist. Uber hatte im Juni einen derart schlechten Ruf, dass Kalanick gebeten wurde, von seiner Position als CEO zurückzutreten und von Dara Khosrowshahi, dem ehemaligen CEO von Expedia, abgelöst wurde.

Uber hat dieses Jahr viel versaut. Doch letzte Woche meldete das Unternehmen 2,01 Milliarden US-Dollar Umsatz für das dritte Quartal, eine 17-prozentige Zunahme zum vorhergehenden Quartal, wie Bloomberg meldete. Uber entwickelt sich trotz vieler Fehler und Unzulänglichkeiten gut und ist daher ein Unternehmen, mit dem viele Leute eine Hassliebe verbinden.

Finanzierungsrunden

Das in San Francisco ansässige Technologieunternehmen erhielt von seinen millionenschweren Mitbegründern eine Startrunde von 200.000 US-Dollar.

Camp war Mitbegründer von StumbleUpon, einer Website, die Nutzern Inhalte empfiehlt und 2007 für 75 Millionen US-Dollar an eBay verkauft wurde. Kalanick verkaufte im selben Jahr seine File-Sharing-Plattform Red Swoosh an Akamai Technologies für 23 Millionen US-Dollar.

Ubers erste Angel-Runde kam im folgenden Jahr, kurz nachdem es begann, Fahrgeschäfte in San Francisco anzubieten. First Round Capital (FRC) investierte 1,25 Millionen US-Dollar in Uber, das damals auf 4 Millionen US-Dollar geschätzt wurde. Der FRC-Partner Rob Hayes hatte zuvor schon in StumbleUpon investiert. Als er einen Tweet von Camp über Uber sah, schickte er Camp eine E-Mail, um mehr über das Unternehmen zu erfahren, und beschloss, 500.000 US-Dollar in das Unternehmen zu investieren.

Vier Monate später führte Benchmark Capital Ubers erste Serie-A-Finanzierungsrunde von 11 Millionen US-Dollar bei einer Pre-Money-Bewertung von 49 Millionen US-Dollar durch. Benchmark baute später seine Position auf 12 Millionen US-Dollar aus. Die Beziehung zu Benchmark verschlechterte sich aber kurz darauf, nachdem das Unternehmen eine Klage gegen Kalanick eingereicht hatte, die ihn des Betrugs beschuldigte. Die 12 Millionen US-Dollar von Benchmark sind jetzt mehr als 7 Milliarden US-Dollar wert.

Insgesamt hat Uber 11.562.450.000 US-Dollar in 18 Finanzierungsrunden gesammelt, die in der Tabelle unten aufgelistet sind (Informationen von Crunchbase).

Datum Transaktion Zahl der Investoren Aufgenommene Summe wichtige Investoren
Aug. 2009 Seed Round 2 200.000 Garrett Camp, Travis Kalanick
Okt. 2010 Angel Round 29 1.250.000 First Round Capital
Feb. 2011 Series A 6 11.000.000 Benchmark
Dez. 2011 Series B 11 37.000.000 Menlo Ventures
Aug. 2013 Series C 4 363.000.000 GV
Mai 2014 Series F keine Angabe keine Angabe keine Angabe
Juni 2014 Series D 9 1.4000.000.000 Fidelity Investments
Dez. 2014 Series E 8 1.2000.000.000 Glade Brook Capital Partners
Jan. 2015 Debt Financing 1 1.6000.000.000 Goldman Sachs
Feb. 2015 Series E 10 1.000.000.000 Glade Brook Capital Partners
Juli 2015 Series F 6 1.000.000.000 keine Angabe
Aug. 2015 Private Equity Round 1 100.000.000 Tata Capital
Feb. 2016 Private Equity Round 1 200.000.000 Letterone Holdings SA
Mai 2016 Series G 1 keine Angabe keine Angabe
Juni 2016 Series G 1 3.500.000.000 Saudi Arabia’s Public Investment Fund
Juli 2016 Debt Financing 4 1.150.000.000 Morgan Stanley
April 2017 Funding Round 2 keine Angabe keine Angabe
Sept. 2017 Funding Round 4 keine Angabe Didi Chuxing, Softbank, Dragoneer Investment Group

Datenquelle: Crunchbase.

Ubers aktuelle Bewertung

Uber ist derzeit das bei weitem wertvollste US-Start-up mit einem geschätzten Wert von 68 Milliarden US-Dollar und liegt damit 37 Milliarden, höher als das zweitwertvollste Start-up — AirBnB mit 31 Milliarden — laut PitchBook.

Allerdings macht der japanische Mischkonzern Softbank im Moment Schlagzeilen, weil er eine Gruppe von Investoren dazu bringen will, Uber-Aktien von Mitarbeitern und Investoren mit einem Rabatt von 30 % zu kaufen. Softbank möchte mindestens 14 % von Uber bei einer Schätzung von 48 Milliarden US-Dollar kaufen.

Wenn eine Bank Aktien eines Unternehmens von bestehenden Investoren kauft, werden diese Aktien oft zu einem vergünstigten Kurs gekauft, aber ein Rabatt von 30 % ist ungewöhnlich hoch. Softbanks Bewertung von 48 Mrd. US-Dollar könnte ein Ergebnis des jüngsten Fehltrittes des Unternehmens sein, der öffentlich gemacht wurde: Nicht offengelegt zu haben, dass es eine Datenschutzverletzung von 57 Millionen Kunden und 600.000 Fahrern im Jahr 2016 gegeben hatte. Zusätzlich hatte man 100.000 US-Dollar gezahlt, um es zu vertuschen.

Im Februar schrieb die ehemalige Uber-Ingenieurin Susan Fowler einen Blog-Post mit Angaben zu sexueller Belästigung aus ihrer Zeit bei dem Unternehmen. Darüber hinaus verklagte Alphabets Waymo das Unternehmen wegen angeblichen Diebstahls von Industriegeheimnissen. Nachdem ein Video von Kalanick veröffentlicht wurde, in dem er einen Uber-Fahrer anschreit, wurde enthüllt, dass Uber heimlich in Städten operiert hatte, in denen es keine Erlaubnis gehabt hatte. Daraufhin trat Kalanick im Juni zurück. Um das Jahr abzurunden, beschäftigt sich das Unternehmen nun mit der bereits erwähnten Verletzung der Datensicherheit seiner Nutzer und Fahrer.

Obwohl Kalanick lautstark darüber sprach, dass er einen Börsengang so lange wie möglich aufschieben wollte, sagte der neue Uber-Chef Khosrowshahi auf der Dealbook-Konferenz der New York Times im November, dass er erwartet, dass der Börsengang 2019 kommen wird. „[Uber] hat den ganzen Nachteil im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen und keinen der Vorteile“, sagte Khosrowshahi.

Bewertungen der Wettbewerber von Uber

Uber musste einige große Konkurrenten abwehren, um seine Position als wertvollster Mitfahrservice der Welt zu behaupten.

Laut CB Insights ist das zweitwertvollste private Unternehmen der Welt hinter Uber niemand anderes als Didi Chuxing, der chinesische Fahrgemeinschaftsdienst, der auf 50 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Im August 2016 war Uber es leid, Geld in China zu verlieren, und verkaufte an Didi Chuxing im Austausch für eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen.

Hinter diesen beiden Top-Konkurrenten sitzt der ebenfalls in San Francisco ansässige Fahrgemeinschaftsbetrieb Lyft, der 1 Milliarde US-Dollar bei einer Bewertung von 11 Milliarden US-Dollar einsammeln konnte. Lyft wurde im Jahr 2007 gegründet und hat in 13 Finanzierungsrunden insgesamt 4.112.500.000 US-Dollar gesammelt.

Lyft hat ein besonders gutes Jahr hinter sich und profitiert von Ubers besonders schlechtem Jahr. Im Januar bediente Uber weiterhin Kunden am New Yorker John F. Kennedy Airport, wo Taxifahrer gegen das Reiseverbot von Präsident Donald Trump protestierten. Die Leute waren verärgert, dass Uber anscheinend von der Situation profitierte. In dieser Zeit, al die #deleteUber-Kampagne ihren Höhepunkt erreichte, verzeichnete Lyft einen Zuwachs von 60 % bei den neuen Nutzern, während Uber etwa 400.000 Accounts löschte.

Der Wettbewerb zwischen Lyft und Uber hat die Gewinne beider Unternehmen verzögert. In den letzten drei Monaten verlor Uber 1,5 Milliarden US-Dollar, während Lyft nur 206 Millionen US-Dollar in der gesamten ersten Hälfte des Jahres 2017 verlor.

Khosrowshahi erklärte der LA Times im November, dass Uber die Ausgaben halten muss, um mit Lyft zu konkurrieren. „Die USA sind im Moment sehr wettbewerbsorientiert, wegen uns und Lyft, daher sehe ich die USA nicht als besonders profitablen Markt für die nächsten sechs Monate“, sagte Khosrowshahi.

Uber hat ein wirklich schreckliches Jahr hinter sich und hat es immer noch geschafft, die Buchungen auf 9,71 Milliarden US-Dollar für das letzte Quartal zu steigern, gegenüber 8,7 Milliarden US-Dollar im Vorquartal. Vielleicht kann Khosrowshahi diesem widerspenstigen Studenten die Disziplin geben, die er braucht, um bis 2019 ein profitables öffentliches Unternehmen zu werden.

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Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A und C) und eBay. The Motley Fool empfiehlt Expedia.

Dieser Artikel wurde von Natalie Walters auf Englisch verfasst und am 12.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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