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IBM setzt mit seinem POWER9-Chip auf künstliche Intelligenz

Foto: The Motley Fool.

Nach Jahren der überwältigenden Dominanz von Intel (WKN:855681) wird der Markt für Serverprozessoren immer wettbewerbsorientierter. Advanced Micro Devices (WKN:863186) stellte Anfang des Jahres seine EPYC-Serverchips vor, und Qualcomm brachte im vergangenen Monat seinen ARM-basierten Serverprozessor Centriq 2400 auf den Markt.

International Business Machines (WKN:851399) ist ebenfalls ein Akteur auf dem Serverchip-Markt. IBM kündigte am Dienstag die ersten Systeme an, die um seinen brandneuen POWER9-Prozessor herum gebaut wurden. Dieser Prozessor wurde entwickelt, um bessere Leistung als Intel bei künstlicher Intelligenz (KI) zu liefern. IBMs Kundenbasis wird einen Markt für diese Systeme bereitstellen, aber die wirkliche Chance könnte darin bestehen, POWER9-Chips an Dritte zu verkaufen. Alphabets (WKN:A14Y6F) Google ist bereits an Bord, und zwei Supercomputer, die für das US-Energieministerium gebaut werden, werden von IBMs neuen Chips und Grafikprozessoren von NVIDIA angetrieben.

Strategiewechsel

IBM hat vor vier Jahren mit der Entwicklung des POWER9-Prozessors begonnen, mit dem Ziel, eine neue Architektur zu entwickeln, die in der Lage ist, die enormen Datenmengen, die bei der KI anfallen, zu bewältigen. POWER8, die frühere Version, ist seit Mitte 2014 verfügbar.

POWER8 brachte eine Änderung in der Strategie von IBM mit sich. IBM und Partner, darunter Google und NVIDIA, gründeten 2013 die OpenPOWER Foundation mit dem Ziel, ein Ökosystem rund um die POWER-Architektur aufzubauen. IBM begann damit, Drittanbietern die Möglichkeit zu geben, Systeme rund um seine POWER8-Chips zu bauen und kundenspezifische Versionen zu entwickeln. Die Stiftung hat inzwischen mehr als 300 Mitglieder.

Vor diesem Strategiewechsel hatte IBM keine Chance, einen nennenswerten Anteil am Markt für Rechenzentren zu gewinnen. Cloud-Computing und Internetfirmen wie Google und Facebook entwickeln ihre eigenen Systeme, sodass sie nur noch mit Intel-Prozessoren arbeiten können. Im Jahr 2015 sagte ein IBM-Manager, das Ziel sei es, 10 % bis 20 % des Rechenzentrumsmarktes zu gewinnen. Damals hatte das Unternehmen so gut wie keinen Anteil in dem Bereich. Das OpenPOWER-Modell ermöglicht deutliche Marktanteilsgewinne, obwohl das  nicht ganz einfach wird.

Ein mögliches Problem ist die x86-Architektur. Nur Intel und AMD können x86-Chips herstellen, die dank der Dominanz von Intel der Standard im Rechenzentrumsbereich sind. Die Unterstützung einer separaten Architektur, wie POWER oder ARM, ist nicht trivial. Die gute Nachricht für IBM ist, dass Google darauf abzielt, seine Rechenzentren so zu gestalten, dass sie nicht nur Intel-Chips unterstützen. Der Suchriese gab im vergangenen Jahr bekannt, dass er eine Serverarchitektur auf Basis des POWER9-Prozessors entwickelt und die POWER-Architektur vollständig über die gesamte Toolchain unterstützt wird.

„Google ist begeistert von den Fortschritten von IBM bei der Entwicklung der neuesten POWER-Technologie“, sagte Bart Sano, Vice President von Google Platforms, in der Pressemitteilung von IBM, in der die POWER9-Systeme vorgestellt wurden. „Der POWER9 OpenCAPI Bus und die großen Speicherkapazitäten ermöglichen weitere Innovationsmöglichkeiten in Google-Rechenzentren.“

Was das für IBM bedeutet

Intel verdient viel Geld mit dem Verkauf seiner Xeon-Serverprozessoren. Im dritten Quartal erwirtschaftete die Rechenzentrumsgruppe von Intel einen Umsatz von 4,9 Milliarden US-Dollar und ein operatives Ergebnis von 2,3 Milliarden US-Dollar. IBM wird nicht viele Marktanteile bekommen müssen, um die Auswirkungen auf den Gewinn spürbar zu machen.

Dieser Marktanteil wird sich aus dem Verkauf von Chips an Unternehmen wie Google sowie aus dem Verkauf von Power Systems an Kunden ergeben. Die POWER9-basierte AC922 wurde für künstliche Intelligenz entwickelt, wobei der Schwerpunkt auf dem Datendurchsatz liegt. Bei Verwendung von OpenCAPI und NVIDIAs NVLink-Technologie behauptet IBM, dass das System Daten bis zu 9,5-mal schneller übertragen kann als ein Intel-basiertes System.

Der Erfolg von POWER9 würde nicht nur mehr Hardwareverkäufe für IBM bedeuten, sondern auch mehr Softwareverkäufe. Die langjährige Strategie von IBM besteht darin, integrierte Lösungen anzubieten, die Hardware, Software und Dienstleistungen umfassen. Laut IBM ist es „der einzige Anbieter, der Unternehmen eine Infrastruktur zur Verfügung stellen kann, die modernste Hard- und Software mit den neuesten Open-Source-Innovationen verbindet“.

Wir werden sehen, wie sich die Sache weiterentwickelt. Marktanteile von Intel zu gewinnen,wird nämlich nicht leicht. Aber mit mehr als 300 Partnern, die an der Weiterentwicklung des POWER-Ökosystems arbeiten, ist POWER9 die beste Chance für IBM, um im Markt für Rechenzentren Fuß zu fassen.

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Suzanne Frey, eine Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (C-Aktien) und Facebook. The Motley Fool besitzt Anteile an Qualcomm. The Motley Fool empfiehlt Intel.

Dieser Artikel wurde von Timothy Green auf Englisch verfasst und am 05.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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