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Steinhoff International hat 20 Milliarden Euro Börsenwert vernichtet. Was jetzt?

Eingestürzte Konstruktion vor Bergpanorama
Foto: Ralf Anders

Größere Einbrüche sind wir in diesen Tagen gewohnt. Aktionäre von Dialog Semiconductor (WKN:927200), Nordex (WKN:A0D655) und Evotec (WKN:566480) mussten alle herbe Schlappen wegstecken. Aber wie Steinhoff International Holdings (WKN:A14XB9) jetzt eingebrochen ist, das erinnert eher an EM.TV, Enron oder Toshiba (WKN:853676) — auch von der Dimension her. Man muss mit dem Schlimmsten rechnen und dabei kühl kalkulieren.

Darum geht’s

Üblicherweise wird wenig berichtet über Steinhoff. Anders als die ständig medienpräsente und uniform auftretende Konkurrenz IKEA hat sich der Möbelkonzern still und heimlich mit einer Vielmarkenstrategie ein internationales Imperium aufgebaut. In Deutschland wird das Geschäft unter dem bekannten POCO-Label geführt.

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Die Doppelnotierung in Südafrika und Deutschland, sowie der Holdingsitz in den Niederlanden wirken auf mich bereits etwas seltsam, aber erstere hat auch historische Gründe. Schließlich hat der ursprüngliche Importeur von ostdeutschen Möbeln in Südafrika einige seiner besten Deals gemacht.

Durch die scheinbar exzellente Entwicklung gehörte das Unternehmen noch bis vor Kurzem zu den 25 wertvollsten der in Frankfurt gelisteten. Noch im Mai spekulierte die Wirtschaftswoche über einen möglichen DAX-Aufstieg der Aktie, was letztlich nur von den geringen Handelsumsätzen verhindert wurde.

Das ist nun vorbei, der Kurs erodierte schon über das Jahr sichtbar und nun ging es an einem Tag um sage und schreibe Zweidrittel nach unten — und das war noch nicht alles. Das würde man vielleicht bei einem klassischen Pennystock oder MicroCap erwarten, aber nicht bei einem so großen Schwergewicht mit über 100.000 Mitarbeitern.

Die Gründe liegen tief in der Bilanz

Als Grund werden Unregelmäßigkeiten in der Buchführung genannt. Das lässt unschöne Erinnerungen an vergangene Groß-Skandale hochkommen. Auf die jeweiligen Bilanzmanipulationen folgte bei EM.TV und Enron der große Knall und auch Toshiba ist nur knapp am Konkurs vorbeigeschrammt.

Bei der Heftigkeit des Kurseinbruchs kann man nur vermuten, wie schlimm es wirklich ist. Dass der Chef Markus Jooste gleichzeitig zurückgetreten ist, macht die Sache nicht besser, im Gegenteil. Der Südafrikaner ist seit Jahrzehnten eine treibende Kraft hinter dem Aufstieg des Konzerns.

Sein Förderer, der Möbelveteran Bruno Ewald Steinhoff, dürfte derzeit — wie auch viele seiner Mitaktionäre — nicht gerade glücklich sein, denn der hat durch den ganzen Ärger Milliarden verloren. Im August 2016 war das Unternehmen noch über 25 Mrd. Euro wert, wovon er knapp 5 % hält. Schlimmer hat es nur seinen südafrikanischen Kompagnon Christoffel Wiese getroffen, dem fast 23 % gehören. Freilich ist unklar, welche Rolle der einflussreiche und verschwiegene Aufsichtsrat bei dem allen hat.

So geht’s jetzt weiter

Bilanzmanipulationen — und ich gehe mal davon aus, dass es hier darum geht — basieren nicht auf menschlichen Fehlern, sondern werden prinzipiell aus zwei Gründen gemacht: Entweder um den Fiskus zu täuschen oder aber die Geldgeber. Ersteres wäre natürlich denkbar, indem etwa Gewinne zur niedrig besteuerten Holding verschoben werden. Das hätte saftige Strafen zur Folge, wäre aber wohl verkraftbar.

Dramatischer wäre hingegen, wenn beispielsweise Umsätze aufgebauscht oder Verluste vertuscht wurden, um an Kapital für die Finanzierung des unbändigen Wachstums zu kommen. Vermutlich geht es eher in diese Richtung, denn die Verantwortlichen fühlten sich auch genötigt, festzustellen, dass man über Notverkäufe kurzfristig an Kapital in Milliardenhöhe kommen könnte, um die Liquidität zu sichern. Solche Maßnahmen helfen zwar dabei, den Betrieb aufrechtzuerhalten, aber die Effekte für Aktionäre können verheerend sein, wenn das Eigenkapital gleichzeitig wegschmilzt.

Die Ergebnisse des unterjährigen Geschäftsjahrs werden jedenfalls erst verkündet, wenn die eiligst engagierten Buchprüfer für Klarheit sorgen können, wie die tatsächliche Lage des Konzerns ist. Auch die Zahlen der Vorjahre stehen nun im Zweifel und müssen vielleicht neu ausgewiesen werden. Operativ sei man jedenfalls vielerorts „hoch-profitabel“ unterwegs, versichert der Aufsichtsrat. Trotzdem solle man beim Handel mit Steinhoff-Wertpapieren zunächst Vorsicht walten lassen.

Dem kann ich mich nur anschließen. Wer Aktien besitzt, der sollte sich überlegen, ob er/sie nicht die erwartete hohe Volatilität nutzen will, um noch mit einem blauen Auge davonzukommen. Liegenlassen und hoffen, dass es nicht ganz so schlimm kommt, ist daneben sicherlich eine Option, denn bei zusammengeschrumpften Positionen fallen die Transaktionskosten überproportional ins Gewicht. Vom spekulativen Nachkaufen würde ich allerdings in dieser Situation absehen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Nordex.

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