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SAP Leonardo: Das nächste Große Ding oder nur Blendwerk?

Bild: SAP Footage Portal

Spektakuläre 450 Mio. US-Dollar erzielte in diesen Tagen ein versteigertes Kunstwerk von Leonardo Da Vinci. Kein Wunder, will der Software-Konzern SAP (WKN:716460) vom Glanz des legendären Universalgenies etwas abhaben.

Die umfassende Innovationsarchitektur Leonardo wurde nach ihm benannt und soll dabei helfen, den Software-Konzern und die Aktie auf eine neue Stufe zu heben. Aber ob das alles Hand und Fuß hat oder nur ein großer Bluff ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Lies hier, was Anleger jetzt darüber wissen müssen.

Das ist SAP Leonardo

Leonardo wird eng mit den Schlagworten „Internet der Dinge“ und „Industrie 4.0“ verbunden. Aber es will mehr als eine bloße weitere Plattform sein, denn die gibt es bereits wie Sand am Meer. Sensoren anbinden und Geräte steuern, das kann jeder. Der Ansatz von SAP ist hingegen ganzheitlicher und setzt schon viel früher an, nämlich bei der Entwicklung von innovativen Anwendungsfällen.

Hierzu stellt SAP Werkzeuge bereit, um so unterschiedliche Technologien wie Vernetzung, Digitalisierung, Maschinenlernen, Blockchain und Big Data Analytics zu einer Gesamtlösung samt Geschäftsmodell zu verbinden. Dazu gehören auch Dienstleistungen, die eine passende Herangehensweise fördern, Stichwort „Design Thinking“.

In der Leonardo-Umgebung können Ideen weiterentwickelt und zügig in funktionsfähige Prototypen umgesetzt werden. Danach helfen nützliche Tools dabei, alle Fäden bei der Weiterentwicklung in der Hand zu halten. Zudem sollen Kunden vom Branchen-Know-how von SAP und seinen Partnern profitieren.

Mit diesem integrierten Ansatz, der von der Ideen-Entwicklung über die Umsetzung und das Cloud-Hosting bis hin zur Integration in bestehende Geschäftsanwendungen reicht, verfügt SAP über ein Alleinstellungsmerkmal — zumindest wenn man dem Marketing der Walldorfer Glauben schenkt.

Was Kritiker dazu sagen

Es gibt nämlich Stimmen, die das alles für total aufgebauscht halten. „Das scheint ein Fake zu sein“ betitelt Shaun Snapp seinen detailreichen Artikel über Leonardo vom 30. Mai 2017 auf einer Plattform von Brightwork Research & Analysis. Die grundsätzliche Kritik richtet sich an das Top-Management von SAP. Es würden viel zu viele Buzzwords verwendet, ohne diese mit konkret Greifbarem zu untermauern.

Er stört sich auch daran, dass das klassische Enterprise-Resource-Planning jetzt plötzlich vernebelnd „Digital Core“ heißt und dass Maschinenlernen so präsentiert würde, als ob SAP darin eine starke Marktposition hätte.

Außerdem habe SAP zwar einiges zusammengekauft, das irgendwie mit den Leonardo-Innovationsthemen zu tun hat, wie zum Beispiel letztes Jahr die Internet-der-Dinge-Plattform PLAT.ONE oder die Datenanalyse-Software BusinessObjects. Aber letztlich gelang es dem Konzern seiner Meinung nach in fast keinem Fall gut, etwas Substanzielles daraus zu machen, das größer als die Summe der Einzelteile wäre.

Wenn man sich daneben die aufwändig produzierten Anwendungsbeispiele anschaut, vom Hamburger Hafen über Trenitalia bis hin zu Digital Farming und Eisenerzminen, dann entstünde der Eindruck, dass SAP alle in den Videos dargestellten Technologien beisteuern würde. Tatsächlich sei der Beitrag von SAP aber jeweils eher gering.

Insgesamt glaubt er, dass es unter Berücksichtigung der vorgenannten Punkte noch viele Jahre dauern wird, bis die Leonardo-Vision sichtbare Erfolge feiern kann — wenn überhaupt.

Was ich daraus mache

Ich bin nicht ganz sicher, aus welchem Interesse Brightwork regelmäßig so kritisch über SAP berichtet, aber ich denke, es werden hier einige relevante Punkte aufgeworfen. Sie erinnern uns daran, nicht blind dem Marketing von Konzernen zu vertrauen, insbesondere, wenn die Behauptungen so großspurig daherkommen, wie bei SAP Leonardo.

Schon allein das Konzept von Industrie 4.0 sollte kritisch hinterfragt werden. Dieses sorgt potenziell für mehr Produktivität, indem Mitarbeiter, Maschinen und andere Ressourcen optimal eingesetzt werden können.

Der Haken: das Ganze funktioniert nur, wenn maßgeschneiderte digitale Prozesse entwickelt werden, samt Sensoren, verteilten eingebetteten Computern und passendem Kommunikationsnetzwerk — und das kann ganz schön ins Geld gehen. Die erzielbaren Vorteile wiegen das in vielen Fällen nicht auf, vor allem wenn alles von Grund auf neu konzipiert und implementiert werden muss.

Genau hier kommt SAP Leonardo ins Spiel. Diese Architektur wird es Entwicklern immer besser erlauben, viele Technologien mit vergleichsweise geringem Aufwand miteinander zu verknüpfen und dabei frühzeitig Kosten und Nutzen abzuschätzen.

Dass das wirklich alles funktioniert, dafür sorgt das immer stärker werdende Partnernetzwerk. Die deutschen Systemhäuser hat SAP schon längst vollkommen überzeugen können und auch die Amerikaner zeigen immer mehr Begeisterung. So ist beispielsweise Hewlett Packard Enterprise (WKN:A140KD), die kurzfristig bis 2011 vom früheren SAP-Vorstand Léo Apotheker geleitet wurde, heute ein herausragender Partner. Auch zum Beispiel mit Accenture (WKN:A0YAQA), VMware (WKN:A0MYC8), IBM (WKN:851399) und Siemens (WKN:723610) bestehen wichtige Allianzen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die sich alle auf die Leonardo-Vision einlassen würden, wenn die obigen Kritikpunkte vollkommen zutreffen würden. Vielmehr wird SAP den Partnern Spielraum lassen, um selbst an der Weiterentwicklung des Ecosystems mitzuwirken, sodass das Know-how von einigen der besten IT-Unternehmen der Welt zusammenkommt.

Das kann ganz groß werden

SAP muss dann gar nicht alles selbst machen, um den Kunden zu helfen, sich zu digitalen Unternehmen zu entwickeln. Meines Wissens kann das im Moment keiner der Konkurrenten vergleichbar leisten. Mit jedem neuen erfolgreichen Anwendungsbeispiel wird die Glaubwürdigkeit steigen und die Phantasie der Ingenieure angeregt.

Auch bei HANA war extrem viel Überzeugungsarbeit notwendig, bis die Datenbanktechnik ein durchschlagender Erfolg wurde. Für SAP Leonardo werden die nächsten Quartale daher womöglich noch etwas träge verlaufen, aber so ab Ende 2018 könnte der Zeitpunkt gekommen sein, dass es richtig Fahrt aufnimmt — und SAP auf die nächste Stufe hebt.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Accenture and VMware.

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