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Der Ölmarkt wird bullisch

Foto: The Motley Fool.

Es ist ja nicht so, dass die Analysten vor nicht allzu langer Zeit nicht schon das Handtuch geworfen hätten. Ende Juni beispielsweise stuften die Analysten von Seaport Global Securities auf einen Schlag mehr als 50 Ölaktien herab, nachdem sie ihre Meinung über den Ölpreis geändert hatten und Anfang nächsten Jahres einen Absturz in die 20-US-Dollar-Marke sahen. Ein Schwall bullischer Daten in den letzten Monaten hat jedoch die Stimmung auf dem Ölmarkt schnell gedreht.

Diese Datenwelle hat bereits einen neuen Ölmarkt angestachelt, da mehrere Öllager auf einem Tiefstand angelangt sind. Aus diesem Grund korrigieren immer mehr ihre Prognosen nach oben, während andere sich um die wachsenden Risiken Sorgen machen, die einen massiven Anstieg der Ölpreise anheizen könnten. Wenn diese erneute Hausse anhält, könnten die Ölaktien deutlich höher steigen.

Was treibt diese bullische Welle an?

Drei Faktoren treiben den wieder aufgekeimten Optimismus in der Branche an. Erstens war die Ölnachfrage in diesem Jahr stärker als erwartet. Zweitens haben die Schieferbohrer die Produktion gebremst, als die Preise bis auf 40 US-Dollar einbrachen, was kurzfristig zu einem langsameren Produktionswachstum führen wird. Diese Faktoren in Verbindung mit den Produktionskürzungen der OPEC führen schließlich zu einem sinnvollen Abnehmen der Ölvorräte.

Erst diese Woche berichtete die US-Energieinformationsbehörde (EIA), dass die Rohöllagerbestände im Land um weitere 5,7 Millionen Barrel fielen, was 1,5 Millionen Barrel mehr waren, als von Analysten erwartet wurde. Da die Lagerbestände für diese Jahreszeit in der Nähe der Obergrenze der erwarteten Spanne liegen, ist das eine Verbesserung. Bob Dudley, CEO des Ölgiganten BP (WKN:850517), hat es am besten ausgedrückt, als er vor kurzem auf einer Industriekonferenz sagte, dass „die Reservoirs entleert werden“. Der BP-Chef bemerkte weiter, dass die Lagerbestände sowohl für rohe als auch [raffinierte] Produkte „nur” abnehmen. Es sieht so aus, als nähern wir uns den Zielen der OPEC.“ Daher dachte er, dass der gegenwärtige Preis sich zumindest stabilisieren würde.

Unterdessen treiben die Daten andere dazu an, ihre schlechten Preisprognosen zu revidieren. Die UVP zum Beispiel änderte kürzlich ihre Ölpreisprognose, indem sie ihre Brent-Schätzung um 1 US-Dollar in diesem Jahr und um 2 US-Dollar in 2018 nach oben korrigierte, während sie ihre Ansicht für WTI um ähnliche Beträge nach oben heraufsetzte. Diese Revision erfolgt nur einen Monat nachdem die  EIA davon gesprochen hatte, dass der Ölmarkt sich vielleicht doch nicht erholen würde. Sie hatte die Ölpreisprognose und den Ausblick für das Produktionswachstum in den USA gesenkt, was zum damaligen Zeitpunkt nahelegte, dass trotz niedrigerer Produktion für die Schieferbohrer im Jahr 2018 die Überversorgung bleiben würde.

Noch mehr Positives?

Es könnte noch mehr Aufwärtsrevisionen von der UVP und anderen kommen, wenn die derzeitige Dynamik auf dem Ölmarkt anhält. Die OPEC ist offenbar bereit, ihr Versprechen der Begrenzung der Fördermenge bis in das Jahr 2018 hinein aufrechtzuerhalten. Während die derzeitige Vereinbarung im März auslaufen wird, schlug ein kürzlich veröffentlichter Bericht von Reuters vor, dass die Gruppe eine Verlängerung um weitere neun Monate anstrebe. Das würde noch mehr Vorräte  verbrauchen und die Rohölpreise stabilisieren.

Eines der größten Probleme, die die Ölpreise Anfang des Jahres belasteten, war die Tatsache, dass die Schieferbohrer ihre Bohrtätigkeiten und Fördermengen schnell hochfahren konnten, was einen Teil der OPEC-Reduktion kompensierte. Allerdings haben viele sofort nachgelassen, als die Ölpreise in diesem Sommer einbrachen, um ihr Budget besser mit dem erwarteten Cashflow in Einklang zu bringen. Inzwischen haben sich in letzter Zeit mehrere größere Produzenten lieber Geld an die Aktionäre zurückfließen lassen, anstatt die Produktion weiter zu erhöhen.

Zum Beispiel hat Anadarko Petroleum (WKN:871766) kürzlich ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar vorgestellt, das es als „attraktive Nutzung von Barmitteln“ betrachtete, wenn es seine Optionen, einschließlich weiterer Bohrungen, in Betracht zog. In diesem Fall könnte Anadarko bis zu 10 % seiner ausstehenden Aktien zurückkaufen, was eine ähnliche Wachstumsrate pro Aktie bewirken würde, ohne dass einem gesättigten Markt noch mehr Öl zugeführt würde. Deshalb applaudierten die Anleger mit einem zweistelligen Kursanstieg im vergangenen Monat. Inzwischen hat Encana (WKN:798291) kürzlich bekannt gegeben, dass es mit seinem Fünfjahresplan dank kontinuierlicher Innovationszuwächse deutlich schneller ist als geplant. Aus diesem Grund ist Encana der Ansicht, dass es seinen Cashflow bis 2022 um 25 % pro Jahr steigern kann. Statt diesen rasant steigenden Cashflow zu nutzen, um das Produktionswachstum zu beschleunigen, rechnet Encana jedoch mit einem Überschuss an Bargeld in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar ohne eine Verbesserung des Ölpreises, mit dem das Unternehmen Wert für die Anleger schaffen kann.

Fortschritt und Umsicht könnten mehr Gewinne bewirken

Solange niemand gierig wird, indem er schnell die Ölproduktion hochfährt, werden sich die Fundamentaldaten des Ölmarktes weiter verbessern. Stetige Verbesserungen könnten genau das sein, was jetzt nötig ist, um die Ölaktien steigen zu lassen.

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The Motley Fool esitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und am 21.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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