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Elon Musk versucht es wie Jack Welch

Foto: The Motley Fool

Am Freitag wurde bekannt, dass Tesla (WKN:A1CX3T) 400 bis 700 Mitarbeiter in der gesamten Organisation als Teil seiner „jährlichen Leistungsbeurteilung“ entlassen hatte. Das ist eine nette Ausdrucksweise dessen, bei der die schwächsten Arbeitskräfte ersetzt werden.

Diese Praxis ist nicht unbekannt. In den 1980er Jahren machte Jack Welch von General Electric (WKN:851144) es zu seiner Gewohnheit, jährlich die untersten 10 % seiner Mitarbeiter zu entlassen. Diese „Vitalitätskurve“ war drei Jahrzehnte lang ein fester Bestandteil des Unternehmens. Elon Musk glaubt, dass die Entscheidung, jedes Jahr Menschen zu entlassen, immer noch ein Grundpfeiler für den Aufbau eines effizienten Unternehmens sei.

Musks Vitalitätskurve

Die Idee, die Mitarbeiter mit der schlechtesten Leistung zu entlassen, ist oberflächlich betrachtet sinnvoll. Sie wollen leistungsfähige Mitarbeiter halten und belohnen, die leistungsschwächeren könnten den Rest der Gruppe bremsen.

In Wahrheit ist es viel komplizierter. Diese Leute werden gefeuert und sie haben innerhalb und außerhalb von Tesla Beziehungen zu Leuten, die dort bleiben –  besonders am Fließband. Wenn Musk die Arbeiter bittet, die “Produktionshölle“ zu durchlaufen, um das Modell 3 zu bauen, benötigt Musk zufriedene, produktive Arbeiter. Eine bestimmte Anzahl von Leuten jedes Jahr zu feuern, könnte diesem Ziel möglicherweise abträglich sein. Hier einige negative Nebenwirkungen, die Musk berücksichtigen muss.

Moral: Wenn Tesla die Leute bitten will, extra hart zu arbeiten, um das Model 3 auf den Markt zu bringen, muss Tesla eine hohe Moral von Seiten der Belegschaft haben. Leute zu feuern wird nicht dabei helfen. Ich war in einem Unternehmen tätig, das Arbeiter entlassen hat, und es ist kontraproduktiv für Moral und Motivation, sodass jede Person zweimal über ihr eigenes Interesse innerhalb einer Organisation nachdenken muss, anstatt über das Teamziel.

Lernkurve: Tesla befindet sich inmitten einer rasanten Expansion. Die Produktion von 500.000 Fahrzeugen im nächsten Jahr ist nach wie vor in Reichweite, deshalb müssen alle Arbeiter auf dem neuesten Stand sein. Die Entlassung von Mitarbeitern und der Ersatz durch neue Mitarbeiter wird diesen Prozess immer verlangsamen. In jedem Unternehmen gibt es eine Lernkurve, besonders bei den Facharbeitern. Tesla kann nicht erwarten, dass die Arbeiter sofort loslegen, wenn sie einen erfahrenen Teil der Produktionsmannschaft feuern.

Recruiting: Tesla ist seit langem ein Unternehmen mit einer langen Reihe von Bewerbern, die bereit sind, für das Unternehmen zu arbeiten, doch Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen und lange Arbeitszeiten haben den Ruf des Unternehmens als Arbeitgeber verschlechtert. Jetzt müssen die ArbeiterInnen überlegen, ob es sich überhaupt lohnt bei Tesla zu arbeiten, denn es scheint nicht viel Jobsicherheit zu geben. Wenn Arbeitnehmer Familienleben, Flexibilität und Stabilität mehr schätzen als rund um die Uhr zu arbeiten, um die Welt zu verändern, wollen sie vielleicht nicht bei Tesla arbeiten. In guten wie in schlechten Zeiten scheint Elon Musk eine Kultur aufgebaut zu haben, die nur Leute will, die Tesla an erster Stelle ihrer Prioritätenliste gesetzt haben, und es scheint nicht viel Loyalität zu den Arbeitern zu geben, die Musk treu ergeben sind.

Kultur: Die Kultur eines Unternehmens beginnt an der Spitze, und Musk baut eine Kultur auf, die für Workaholics gemacht ist, die hart umkämpft sind. Das hat bisher für das Unternehmen funktioniert, aber es kann Auswirkungen haben, wenn Tesla größer wird. Die Mitarbeiter sehen das möglicherweise als einen Weg, um an die Spitze des Unternehmens zu kommen, wenn sie sich gegenseitig übertreffen und Musk vor die Sicherheit der Kunden stellen (siehe Einführung des Autopiloten). Silicon Valley erfuhr von Uber, dass eine ätzende Kultur giftig sein kann, und ich fürchte, dass Teslas Kultur bereits zu eigenen Art von Gift wird.

Tesla muss ein Ort bleiben, an dem die Leute arbeiten wollen

Im Moment wird Tesla nicht viel Aufsehen mit den Entlassungen von 2017 erregen. Es gibt immer noch viele Leute im Silicon Valley und in Nevada, die an der Herstellung von Batterien und dem Modell 3 arbeiten wollen. Doch wenn sich Tesla einen Ruf als ein Unternehmen aufbaut, für das man besser nicht arbeiten sollte, wird es schwerer werden, die großartigen Arbeiter zu rekrutieren, die Musk in seinem Team haben will. Tesla könnte tatsächlich feststellen, dass ArbeiterInnen eine gewisse Arbeitsplatzsicherheit wollen, was bedeutet, dass sie sich an Gewerkschaften wenden könnten, um ihre Arbeitsplätze vor den Launen von Elon Musk zu schützen. Das will bei Tesla heute niemand.

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The Motley Fool besitzt Aktien von und empfiehlt Tesla.

Dieser Artikel wurde von Travis Hoium auf Englisch verfasst und am 17.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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