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5 innovative Krebsmedikamente in der Entwicklung

Foto: Getty Images

Ein Chirurg aus dem 19. Jahrhundert bezeichnete den Krebs einmal als den König aller Krankheiten und als den Schrecken aller Kranken. Mehr als ein Jahrhundert später gilt diese Beschreibung leider immer noch. Der Onkologe Siddhartha Mukherjee benutzte sogar den ersten Teil der Phrase als Titel für sein meistverkauftes Buch über Krebs („The emperor of all maladies, the king of terrors“).

Viele Wissenschaftler im öffentlichen und privaten Sektor sind jedoch fleißig am Werk, um diesen schrecklichen König zu entthronen. In den letzten Jahren wurden bedeutende Fortschritte erzielt, von denen einige nun auch Krebspatienten zugänglich sind, andere werden es hoffentlich in wenigen Jahren sein. Hier sind fünf potenziell wegweisende Innovationen von Krebsmedikamenten, die derzeit entwickelt werden.

Immuntherapien

Patienten mit bestimmten Krebsarten müssen nicht warten, bis sie mit einem der wirkungsvollsten Ansätze zur Krebsbekämpfung behandelt werden: Immuntherapien. Opdivo von Bristol Myers Squibb (WKN:850501) und Keytruda von Merck (WKN:A0YD8Q) sind zwei Immuntherapien, die bereits zu Blockbuster-Medikamenten geworden sind.

Immuntherapien nutzen das körpereigene Immunsystem zur Krebsbekämpfung. Opdivo und Keytruda sind PD-1-Hemmer. PD-1 ist ein sogenanntes Checkpoint-Protein. Es fungiert als On-Off-Schalter, der T-Zellen – die ihren Namen aufgrund der Produktion in der Thymusdrüse haben – sagt, ob sie eine Zelle angreifen sollen oder nicht.

PD-1-Hemmer verhindern, dass Krebszellen PD-1-Checkpoints produzieren. T-Zellen können dadurch Tumore effektiver bekämpfen. PD-L1-Hemmer  arbeiten ähnlich. Es gibt bereits mehrere PD-L1-Hemmer auf dem Markt, darunter Bavencio von Pfizer und Tecentriq von Roche.

CAR-T

Eines der spannendsten Gebiete der Krebsforschung konzentriert sich heute auf die chimäre Antigen-T-Zell-Therapie (CAR-T). Bei diesem Ansatz wird Blut von Krebspatienten entnommen und T-Zellen entfernt. Mit einem entwaffneten Virus werden dann die T-Zellen gentechnisch derart verändert, dass sie chimäre Antigenrezeptoren (CARs) produzieren, die auf ein Antigen in den Tumorzellen zielen. Millionen dieser künstlich hergestellten T-Zellen werden im Labor hergestellt und anschließend in den Blutkreislauf des Patienten zurückgeführt.

Man kann sich die T-Zellen als Miniaturraketen vorstellen, die Tumorzellen angreifen können, wobei die CARs als Leitsystem für die Raketen dienen. CAR-T Therapien wurden als „ein lebendes Medikament“ bezeichnet, das sich wie ein Laser auf die Krebszellen konzentriert und sie abtötet.

Novartis erhielt im August die erste Zulassung für ein CAR-T-Medikament zur Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL). Kite Pharma, das kürzlich von Gilead Sciences (WKN:885823) übernommen wurde, könnte das nächste CAR-T-Medikament auf den Markt bringen. Eine Entscheidung der FDA über axicabtagene ciloleucel (axi-cel), die auf die Behandlung des refraktären aggressiven Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) abzielt, wird bis zum 29. November 2017 erwartet.

T-Zell-Rezeptoren

Ein weiterer immuntherapeutischer Ansatz zur Krebsbekämpfung ist CAR-T ähnlich. Es handelt sich um die sogenannten T-Zell-Rezeptoren (TCRs). Wie CARs sind TCRs Proteine, die T-Zellen zu Krebszellen leiten können. Der entscheidende Unterschied: Während CAR-T-Zellen Proteine nur auf der Oberfläche von Krebszellen erkennen können, können TCRs tumorspezifische Proteine im Inneren von Zellen erkennen.

Es gibt noch keine TCR-Therapien auf dem Markt. Gilead Sciences hat jedoch bereits mehrere Studien im Frühstadium für experimentelle TCR-Medikamente durchgeführt. Juno Therapeutics ist ein weiterer Marktführer auf dem Gebiet der TCR-Forschung und hat mehrere Studien im Frühstadium durchgeführt.

IDO-Hemmer

Viele Tumore erhöhen die Produktion eines Enzyms namens Indoleamin 2,3-Dioxygenase (IDO). Sie tun das, weil IDOs T-Zellen töten. Es ist eine Art Star Wars-Schlacht auf zellularer Ebene. Die T-Zellen sind die X-Wing-Armee der Rebellen, während die IDOs das Verteidigungssystem des Imperiums sind, um den Todesstern zu schützen – der natürlich die Krebszelle ist.

IDO-Hemmer tun genau das, was ihr Name sagt: sie hemmen die Produktion von IDO-Enzymen in Tumorzellen. Zurück zu unserer Star Wars-Analogie: Wenn das Abwehrsystem des Todessterns geschwächt ist, wird es für die X-Wings viel einfacher.

Derzeit sind keine IDO-Hemmer im Handel erhältlich. Zwei Biotechs machen jedoch Fortschritte. Incyte (WKN:896133) hat klinische Studien im Spätstadium für seinen IDO-Hemmer Epacadostat in Kombination mit den bereits zugelassenen Immuntherapien Opdivo und Keytruda durchgeführt. Newlink Genetics (WKN:A1JH4X) plant für einen weiteren experimentellen IDO-Hemmer, Indoximod, eine Spätphasenstudie, die voraussichtlich bis Ende 2018 abgeschlossen sein wird.

Epigenetik

Du hast vermutlich schon von Epigenetik gehört, aber was ist das genau? Es ist die Studie der geerbten Änderungen in der Genexpression, die nicht ein Resultat der Änderungen an den DNA-Sequenzen sind. Zum Beispiel kann das Rauchen von Zigaretten die Gene ändern und damit bestimmen, welche Gene exprimiert werden und welche nicht – und somit zu Lungenkrebs führen.

Ziel der Epigenetik bei der Krebsbehandlung ist es, die Genexpression zu kontrollieren, die durch epigenetische Prozesse gestört wird. Ein Unternehmen, das an vorderster Front bei diesem Ansatz steht, ist Epizyme. Das Hauptprodukt, Tazemetostat, befindet sich derzeit in Phase-2-Studien mit soliden Tumoren und Mesotheliom, einer Krebsart, die durch Asbestexposition hervorgerufen wird. Gilead Sciences kaufte 2015 einen kleinen dänischen Arzneimittelhersteller, Epitherapeutics, um in die Epigenetik einzusteigen.

Ob Epigenetik oder andere innovative Ansätze zur Krebsbekämpfung – es gibt Grund zur Hoffnung, dass der „König aller Krankheiten“ nicht mehr so mächtig ist wie früher.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Gilead Sciences und hält folgende Optionen: Short OKtober 2017 $86 Calls auf Gilead Sciences. The Motley Fool empfiehlt Juno Therapeutics.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 12.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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