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Wie können wir nur in einer solchen Welt investieren?

Foto: Getty Images

Manchmal sind die Schlagzeilen einfach zu viel für mich. Die Frage in dieser Headline – „Wie können wir nur in einer solchen Welt investieren?“ – geistert mir immer noch im Kopf herum.

Das ist nicht gerade ein gutes Gefühl.

Was mache ich, wenn mir eine Schlagzeile ein ungutes Gefühl beschert? Ich sehe mir alte Zeitungen an.

Der Grund dafür ist einfach: Hast du jemals einen Tackle beim American Football gesehen? Wenn man so etwas für sich allein sieht, ohne den Rest des Spieles zu verstehen, also ohne Kontext, dann sieht das verrückt, wild und sogar furchteinflößend aus. Doch es ist einfach Teil des Spiels. Während der NFL-Saison finden an jedem Spieltag tausende von Tackles statt.

Die Schlagzeilen, mit denen wir uns als Investoren herumschlagen müssen, können manchmal verrückt erscheinen, und oft machen sie einem richtig Angst. Aktuell haben wir es mit der Unsicherheit zu tun, die aus den deutschen Wahlen hervorgeht. Es herrscht Sorge über eine Blase an den Finanzmärkten. Es gibt Hurrikane und andere Naturkatastrophen, die die Karibik und den Süden der USA heimgesucht haben. Dann gibt es da noch die Fehde zwischen dem amerikanischen Präsidenten Trump und dem nordkoreanischen Führer Kim Jong-un, die potenziell in einen Atomkrieg ausarten könnte.

Aber inwiefern soll es mir helfen, alte Zeitungen zu lesen? Nun, es setzt alles in einen gewissen Kontext. Genau wie die furchteinflößenden Tackles der NFL sind Kriege, Kriegsdrohungen, wirtschaftliche Sorgen, Naturkatastrophen und politisches Ränkeschmieden einfach Teil des Spiels. Das sind die Elemente der Welt, mit denen wir Investoren uns abfinden müssen … mit denen wir uns auch schon vor 30 Jahren herumschlagen mussten … und mit denen wir es auch in 100 Jahren noch zu tun haben werden.

Ich möchte aber eines klarstellen: Ich finde es nicht in Ordnung, dass einige Tackles im American Football ziemlich gefährlich sind – besonders wenn Kinder dieses Spiel spielen. Genauso wenig gefällt mir die Bedrohung durch einen Atomkrieg. Beide gehören aber zu einem großen Ganzen, das wir verstehen und in den richtigen Kontext setzen müssen.

Und so können uns alte Zeitungen dabei helfen:

  • Im Oktober 1955 schrieb eine Zeitung: „10 tödliche Hurrikane, von der zahmen Alice bis zur bösartigen Janet, haben bisher die Tropen verwüstet – und das könnte erst der Anfang gewesen sein.“ Im selben Artikel stand auch, dass man versuchen könnte, Hurrikane mit Atombomben zu stoppen (kein Witz).
  • Im Juni 2006 kam dieser Bericht heraus: „Nordkorea stand am Sonntag kurz vor der Testzündung einer Langstreckenrakete, die die Vereinigten Staaten erreichen könnte.“ Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Dir auch?
  • Im Mai 1964 lamentierte ein Zeitungsbericht über die Kämpfe auf Zypern und die „sinnlose Exekutierung unschuldiger Zivilisten“.
  • Im Oktober 1990 beschwerte sich eine amerikanische Zeitung, dass „Saddam Hussein unsere Wirtschaft durcheinanderbringt“.
  • Als hätten sie versucht, die Zukunft vorher zu sagen, wurde im Oktober 1948 Folgendes geschrieben: „Es ist absolut möglich, dass das System der Wahlmänner, die den Präsidenten wählen, keine Mehrheit bekommt, und es ist in diesem Land auch schon einmal passiert.“
  • Im Oktober 1997 wurde darüber geschrieben, wie sich der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter darüber beschwerte, dass man ihn beschimpft und beschuldigt habe, Spendengelder veruntreut zu haben. Dies habe den nicht immer falschen Eindruck vermittelt, dass in Washington Dinge im Gange seien, bei denen man legale Schmiergelder zahlen müsste.
  • Mein Favorit geht zurück auf das Jahr 1895 und erinnert uns daran, dass die Investoren bei bestimmten Investitionen oft irrational reagieren.

    (Oktober 1895) Als ein Beispiel dafür, wie verrückt die englischen Investoren nach der Barnato Bank, Mining and Estate Company Limited waren. Es war erst vor ein paar Wochen, als verkündet wurde, dass das Aktienkapital 1,25 Millionen GBP betragen und jede Aktie 1 GBP wert sein würde. Der Öffentlichkeit wurde keine Information zuteil, womit sich das Unternehmen beschäftigte, womit das Unternehmen handeln wollte oder irgendetwas anderes über das Unternehmen. Kein Prospekt wurde ausgegeben, um bei den Investoren Werbung zu machen. Das war auch nicht nötig, da der Name Barnato schon für sich allein genug aussagte … Die Öffentlichkeit war ganz verrückt nach diesem Wertpapier und die Bestellungen sprudelten, ohne auf den Preis zu achten.

    Diejenigen, die Bilanz Ziehen bereits seit einiger Zeit lesen, haben mich schon öfters sagen hören, dass man nicht in Panik geraten solle, wenn scheinbar besorgniserregende Schlagzeilen oder politische Entwicklungen auf dem Plan erscheinen. Wenn ich das sage, dann meine ich genau das, was du gerade gelesen hast. Was wir jetzt gerade erleben, unterscheidet sich nur unwesentlich davon, womit die Investoren bereits in der Vergangenheit zu kämpfen hatten.

    Die Investoren haben alles schon einmal gesehen: Krieg, Naturkatastrophen, politische Aufstände, gute Politiker, schlechte Politiker, Technologien, die alles verändert haben, Technologien, die nur ein Hype waren … Sie haben gesehen, wie die Märkte in einem einzigen Jahr um 40 % gestiegen sind und sie haben Märkte gesehen, die in einem einzigen Jahr um 40 % gefallen sind.

    Im selben Zeitraum hat sich der DAX um 5.288 % in den letzten 50 Jahren erhöht. Das sind im Durchschnitt 8,3 % pro Jahr. Der amerikanische S&P 500 hat im selben Zeitraum inklusive Dividenden-Reinvestition 11.150 % bzw. 9,9 % pro Jahr erzielt.

    In anderen Worten: Trotz der Unsicherheit und der Sorgen war es für die langfristig orientierten Investoren immer am besten, langfristig investiert zu bleiben.

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