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Chinas Verbot von WhatsApp: schlecht für Facebook, gut für Tencent

Foto: The Motley Fool.

Die staatlichen Behörden in China haben neulich mal einen regelrechten Frühjahrsputz in Sachen Soziale Netzwerke gemacht und dabei gleich auch WhatsApp von Facebook (WKN:A1JWVX) rausgeworfen. Schon im Juli hat man WhatsApps Video-, Foto- und Sprachnachricht-Funktionen verboten, jetzt folgten auch die einfachen Textnachrichten.

In einem Interview mit The Verge hat Kryptograph Nadim Kobeissi erklärt, dass die chinesische Regierung wohl die Firewall verstärkt habe und damit das NoiseSocket-Protokoll blockiert, mit dem WhatsApp bisher Textnachrichten verschickt hat. Weiterhin hat man neulich die Tech-Riesen Baidu (WKN:A0F5DE), Tencent (WKN:A1138D) und Weibo (WKN:A110V7) mit Strafen auferlegt, weil sie nicht genügend Zensur geleistet haben, allerdings ist man nicht so weit gegangen, die Plattformen komplett abzustellen. Das allerdings ist für Facebook keine schöne Sache, ist man in China doch bereits seit 2009 schon verboten. Für den Rivalen Tencent und seinen Alles-Service WeChat – die größte App im Reich der Mitte – hingegen gute Nachrichten.

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Worum geht es für Facebook?

Auf den ersten Blick ist WhatsApps Präsenz in China zu vernachlässigen. Es gibt dort lediglich 2 Millionen Nutzer der App – weltweit sind es monatlich 1,3 Milliarden. WeChat ist mit 962 Millionen monatlich aktiven Nutzern (monthly active users, MAUs) die absolute Macht im Lande, womit WhatsApp den Chinesen herzlich egal sein dürfte.

Allerdings hatte man bei Facebook wohl gehofft, dass man mit WhatsApp in China den Fuß in der Tür behalten kann, solange die Haupt-App weiterhin verboten ist. Eine extra für den chinesischen Markt konzipierte App namens Colorful Balloons ist bislang ohne große Nachfrage geblieben.

Facebook will auf jeden Fall zurück nach China. CEO Mark Zuckerberg hat es bei einer Präsentation in Peking sogar auf Mandarin versucht. Er hat außerdem seinen Angestellten geraten, das Buch von Präsident Xinping Ji zu lesen, hat weiterhin ein eigenes Zensur-Tool für China ins Rennen geschickt. Die staatlichen Regulatoren haben gesagt, dass Facebook in China wieder willkommen sei, wenn man nach den Regeln des Landes spielen würde, allerdings ist da noch kein Zeitrahmen gefallen.

Facebooks monatlich aktive Nutzerzahl ist gegenüber dem Vorjahr 17 % gestiegen, rauf auf 2,01 Milliarden Menschen weltweit. Das ist eine beachtliche Zahl, aber irgendwann wird man nicht weiter wachsen können, wenn die 1,38 Milliarden Menschen in China abgeriegelt bleiben. Je länger man China zwangsweise fernbleibt, desto stärker wird Tencent – und damit wird der Markt noch uneinnehmbarer.

Gute Nachrichten für Tencent

Wer verstehen will, warum Facebooks Probleme Gold für Tencent sind, der möge als Beispiel das Verhältnis von Alphabets (WKN:A14Y6F) Google und Baidu bemühen. Google war einst in China ein mächtiger Konkurrent von Baidu, aber das Ausscheiden aus dem Markt im Jahr 2010 bedeutete für Baidu, dass die die wichtigste Suchmaschine im Lande werden konnten und 80 % aller Anfragen verarbeiten.

WeChat ist die wichtigste Plattform von Tencent, diese aber erreichen nach wie vor darüber hinaus 662 Millionen MAUs mit QQ und 606 Millionen MAUs mit Qzone. Diese Dreier-Kombo ist auf dem chinesischen Markt eigentlich uneinholbar.

Die Regierung will sicherlich, dass Tencent den Markt kontrolliert, da man als chinesischer Nutzer seine Identität und Telefonnummer angeben muss. Das ist eine Hürde, mit der Facebook sich konfrontiert sieht. Die Regierung hat auch ein wachsames Auge auf Tencent und kann kurzerhand Strafen verhängen, die Nutzer überwachen und die Plattform nach Gutdünken ändern.

Bann nur temporär?

Andererseits haben sich frühere Verbote von WhatsApp noch nicht ganz durchgesetzt. Die Vereinigen Arabischen Emirate haben erst im Juni das Verbot aufgehoben, auch in Brasilien ist man damit nicht durchgekommen. Es ist nicht ganz klar, ob die Chinesen demnächst weich werden, aber das könnte von ihrer Seite auch ein taktischer Schachzug gewesen sein, um Facebook dazu zu bewegen, strengere Auflagen für die Registrierung einzuführen.

Falls dem so sein sollte, könnte das bedeuten, dass Facebook sich beugt. Dann wären wohl auch wieder die Türen für die Haupt-App selber offen.

Aber das ist wohl alles noch Spekulation. Als Investor sollte man wissen, dass der einzige Gewinner gerade Tencent ist. Bei denen dürften die verbleibenden 2 Millionen WhatsApp-Nutzer heimisch werden.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet, Baidu und Facebook. TMF empfiehlt Weibo.

Dieser Artikel von Leo Sun erschien am 28.9.2017 auf Fool. com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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