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Warum Boeing den 787 Dreamliner schneller als je zuvor bauen möchte

Foto: The Motley Fool.

Seit mehr als einem Jahr baut Boeing (WKN:850471) das beliebte Modell 787 Dreamliner, und davon zwölf pro Monat. Das ist die schnellste Produktionsrate, die je für ein Großraumflugzeug erreicht wurde.

Boeing hat jedoch keinen Hehl daraus gemacht, dass man sich das Ziel gesetzt habe, die Produktion weiter zu steigern. Das Unternehmen verkündete am 13. September, dass man die Produktion im Jahr 2019 auf 14 Stück pro Monat erhöhen möchte. Dies überraschte viele Analysten, die diese neue Produktionsrate als unmöglich empfinden.

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Tatsächlich wird Boeing wahrscheinlich nicht genug Dreamliner verkaufen können, um eine Produktionsrate von 14 pro Monat für mehr als ein paar Jahre aufrechterhalten zu können. Nichtsdestotrotz sieht das wie ein kluger Schachzug aus, da Boeing versucht, den freien Cashflow in den nächsten Jahren weiter wachsen zu lassen und gleichzeitig Marktanteile seines langjährigen Konkurrenten Airbus (WKN:938914) zu erobern.

Contra

Vor der Inbetriebnahme des Dreamliners im Jahr 2011 baute Boeing einen riesigen Auftragsbestand für diesen revolutionären Jet auf. Die Auftragslage hat sich in den letzten Jahren jedoch nur schwach entwickelt.

Für die 787-Familie erhielt Boeing 2014 nur 41 Netto-Aufträge, gefolgt von 71 im Jahr 2015 und 58 im Jahr 2016. Im gleichen Zeitraum lieferte das Unternehmen fast 400 Exemplare aus. Der Auftragsbestand hat sich dadurch verringert. Ende August hatte Boeing 689 Dreamliner-Aufträge im Auftragsbuch.

Darüber hinaus wurden einige potenzielle Aufträge, die ziemlich wahrscheinlich schienen, doch keine Festaufträge. Finanzielle Schwierigkeiten haben den Giganten Emirates aus dem Nahen Osten dazu veranlasst, die Bestellung eines kleineren Flugzeugs zur Vervollständigung seiner Flotte von Boeing 777 und Airbus A380 zu verschieben. Inzwischen hat sich United Continental dazu entschieden, seine veralteten 777-200er durch neue Airbus A350 zu ersetzen.

Wenn es mit den Aufträgen so wie in den vergangenen Jahren weitergeht, könnte das Unternehmen bereits 2021 dazu gezwungen sein, die neue Produktionsrate von 14 pro Monat wieder aufzugeben.

Die Produktionserhöhung könnte länger anhalten, als die Bären erwarten

Langfristig müssten bei Boeing jährlich 168 Dreamliner-Aufträge eingehen, um die Produktionsrate aufrechterhalten zu können. Basierend auf den Bestellungen der letzten Jahre und den langfristigen Aussichten von Boeing ist klar, dass dies ein unrealistisches Ziel ist.

Eine Produktionsrate von 14 pro Monat für fünf Jahre scheint jedoch erreichbar. 2017 ist auf dem besten Weg, das Jahr mit den (bei weitem) meisten Dreamliner-Aufträgen seit 2013 zu werden. Boeing hatte Mitte September 78 Festaufträge für die 787er Familie verbucht. Erst in den vergangenen Wochen hat das Unternehmen einen Festauftrag über vier 787 von Japan Airlines und Zusagen über acht 787 von Malaysian Airlines sowie 40 787 von Turkish Airlines verkündet. Boeing hat auch noch einige 787-Anfragen von der Pariser Luftfahrtschau, die später in diesem Jahr zu festen Aufträgen werden könnten.

Boeing geht davon aus, dass diese Auftragsdynamik noch eine Weile anhalten wird, da eine Vielzahl von Großraumflugzeugen Anfang 2020 ersetzt werden soll. Die 787-Aufträge von Boeing werden in den nächsten Jahren möglicherweise nicht mit der Produktionsmenge übereinstimmen, aber der Auftragsbestand wird wahrscheinlich nicht so bald ein kritisch niedriges Niveau erreichen.

Ein Spiel um Marktanteile

Selbst wenn Boeing eine Produktionsrate von 14 Stück pro Monat für vier oder fünf Jahre erreichen kann, erscheint es sinnvoller, die Produktion bei zwölf pro Monat zu halten, in der Hoffnung, dass dieses Niveau auf unbestimmte Zeit gehalten werden kann.

Boeing hat jedoch die einmalige Chance, in den nächsten fünf Jahren einen Marktanteil von Airbus im Großraumflugzeug-Geschäft zu erlangen, da die konkurrierende A350 über einen langen Auftragsbestand verfügt. Boeing wird unter den Fluggesellschaften, die nicht lange auf neue Flugzeuge warten wollen, einen Vorsprung haben. Airbus hat versucht, die weniger fortschrittlichen Modelle A330 und A330neo als Alternative zu den 787 zu entwickeln, doch die Nachfrage nach diesen Flugzeugen ist in letzter Zeit mit nur zwei Netto-Bestellungen in den letzten zwölf Monaten gesunken.

Mit anderen Worten: Wenn Boeing 2019 die Produktion steigert, könnte es für das Unternehmen Möglichkeiten geben, Verkäufe zu tätigen, die sonst nicht zustande kommen würden.

Darüber hinaus wird Boeing durch die Produktionssteigerung die Produktionskosten des 787 schneller senken können. Dadurch wird es für Boeing möglich, den Kunden größere Preisnachlässe zu gewähren und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Airbus zu verbessern.

Stärkung des freien Cashflow

Der Plan von Boeing, die Produktionsrate des 787 zu erhöhen, hat auch kurzfristig einen wichtigen Vorteil: es wird 2019 und mehrere Jahre danach den freien Cashflow steigern. Dies wird dazu beitragen, verschiedene Probleme wie z. B. einen starken Rückgang bei den 777-Auslieferungen, erhöhte Kosten im Zusammenhang mit dem Beginn der 777X-Produktion und die potenziellen Kosten im Zusammenhang mit der Entwicklung eines neuen Jets für die Mitte des Marktes abzumildern.

Bis Mitte der 2020er Jahre wird Boeing die Produktion der 787er Familie voraussichtlich verlangsamen müssen. Aber bis dahin wird die 777X-Produktion ausgereift sein, was den Cashflow aus dieser Flugzeugfamilie erhöht. Infolgedessen könnte selbst eine nicht nachhaltige Steigerung der Produktion des Dreamliner in den nächsten zehn Jahren zu einem stabileren Cashflow für Boeing führen.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Adam Levine-Weinberg auf Englisch verfasst und am 27.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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